# taz.de -- DFB-Trainer Nagelsmann will weitermachen: Flucht vor der Verantwortung
> DFB-Trainer Julian Nagelsmann hat nach dem WM-Aus seine Absicht erklärt,
> im Amt zu bleiben – und verklärt dies als seine Verpflichtung. Das ist
> schon etwas dreist.
(IMG) Bild: Möchte auf jeden Fall weitermachen: Julian Nagelsmann
Es ist nach zwei Uhr deutscher Zeit. [1][Das WM-Aus der DFB-Elf] ist längst
besiegelt, das Stadion in Boston hat sich bereits geleert, als
Bundestrainer Julian Nagelsmann sich den Fragen von ZDF-Reporterin Lili
Engels stellt. Die wichtigste liegt auf der Hand: Wie geht es jetzt mit ihm
weiter? Räumt Nagelsmann nach dem blamablen Aus im Sechzehntelfinale seinen
Posten? Seine Antwort ist klar: Er wird nicht von sich aus gehen. „Ich bin
keiner, der wegläuft.“ Wenn der DFB ihn nicht mehr wolle, müsse der Verband
ihm das sagen.
Über seine Zukunft hat er sich schon Gedanken gemacht. Nur wann? In der
kurzen Zeit zwischen Paraguays letztem Elfmeter und dem Interview? Eher
nicht. Vielleicht schon vor dem Spiel? Auch unwahrscheinlich.
Entscheidungen dieser Tragweite trifft man nicht nebenbei. Doch genau
diesen Eindruck hinterlässt Nagelsmann: Er möchte wirken wie jemand, der
nicht wegläuft – während er gleichzeitig vor der Verantwortung, sich
ernsthaft mit seiner Zukunft auseinanderzusetzen, flieht.
Der Grund für seine Impulsentscheidung – anders ist sie kaum zu bewerten –
wirkt ebenso schwammig. „Es ist immer so, dass du als Trainer mit im Boot
sitzt, so wie alle Spieler auch.“ Das ist die Idee des Teamsports und die
gelte für ihn genauso wie für jeden einzelnen Spieler, sagt Nagelsmann.
Salopp übersetzt: Florian Wirtz tritt schließlich auch nicht zurück, warum
sollte er es also tun? Doch mit dieser Argumentation entzieht sich der
Bundestrainer erneut der Verantwortung. Um bei seinem Bild vom Boot zu
bleiben: Als Cheftrainer bist du der Kapitän.
Und wenn das Schiff sinkt, trägt der Kapitän die Hauptverantwortung –
unabhängig davon, wer an Bord noch Fehler gemacht hat. Stattdessen wirkt
es, als habe sich Nagelsmann den erstbesten Rettungsring geschnappt, indem
er die Verantwortung nun auf alle gleichermaßen verteilt. Wie unverfroren
das ist, wird mit Blick auf einzelne Spieler deutlich. [2][Nick Woltemade]
etwa bekam in der Gruppenphase keine Minute Einsatzzeit und sollte gegen
Paraguay in der Verlängerung die Kohlen aus dem Feuer holen.
Im Nachhinein wäre es für Nagelsmann besser gewesen, er hätte seine
Antworten kurz nach dem Spiel auf das Wesentliche beschränkt und die Frage
nach seiner Zukunft offengelassen. Denn was als selbstbewusstes Statement
wirken sollte, bleibt in der Nachbetrachtung ein Armutszeugnis.
30 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Rico Setz
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