# taz.de -- Digitale Unabhängigkeit: Mecklenburg-Vorpommern will weniger Microsoft wagen
       
       > Über 50.000 Beschäftigte sollen bald mit neuen, quelloffenen Systemen
       > arbeiten. Auch Nachbar Schleswig-Holstein will digital unabhängiger
       > werden.
       
 (IMG) Bild: Microsoft sitzt in jeder deutschen Behörde – zumindest noch
       
       dpa/taz | Mecklenburg-Vorpommern geht in der Digitalpolitik in die
       Offensive und setzt auf Eigenständigkeit. Wie das Finanz- und
       Digitalisierungsministerium bekannt gab, trennt sich das Land schrittweise
       von der Software großer Tech-Konzerne wie Microsoft. Stattdessen werde eine
       landesweite Plattform auf Open-Source-Basis aufgebaut. Dabei gehe es nicht
       nur darum, digital unabhängiger zu werden, sondern auch mittel- und
       langfristig Geld einzusparen, sagte Finanzminister Heiko Geue (SPD) der
       Deutschen Presse-Agentur (dpa).
       
       Im Zentrum der neuen Strategie für mehr [1][digitale Souveränität] steht
       die Einführung der in Deutschland entwickelten [2][quelloffenen
       Onlineplattform Nextcloud], mit der man Dateien sicher speichern, teilen
       sowie gemeinsam in Teams chatten und Videokonferenzen abhalten kann, ohne
       die Kontrolle über die eigenen Daten an fremde Anbieter zu verlieren. Der
       bisherige Umstieg von Microsoft SharePoint sei für die ersten 5.000
       Beschäftigten bereits reibungs- und datenverlustfrei abgeschlossen worden,
       berichtet Marco Anschütz, der als Chief Information Officer (CIO) für IT
       und Digitalisierung im Bundesland verantwortlich ist.
       
       Mittelfristig ist das Projekt viel größer angelegt: Über 50.000
       Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst – von den
       Ministerien bis hin zu den kommunalen Einrichtungen – sollen künftig mit
       dem System arbeiten. Betrieben wird die Software auf eigener Infrastruktur
       durch den landeseigenen IT-Dienstleister DVZ M-V GmbH.
       
       ## Technologische Allianz im Norden
       
       Mecklenburg-Vorpommern geht diesen Weg nicht allein. Bereits im Oktober
       2025 schloss das Land eine Kooperationsvereinbarung mit Schleswig-Holstein,
       das [3][bundesweit als Pionier beim Wechsel auf Open-Source-Software gilt].
       Zusammen bilden die beiden Bundesländer eine technologische Allianz im
       Norden. Man stimme die Infrastrukturen aufeinander ab, um insbesondere die
       IT-Sicherheit zu erhöhen und gegenseitige Notfallszenarien abzusichern.
       
       Beim Thema künstliche Intelligenz (KI) versucht Mecklenburg-Vorpommern, von
       vornherein eine Abhängigkeit von US-Tech-Riesen wie Microsoft, OpenAI,
       Google oder Amazon zu vermeiden. Bei der Entwicklung des
       Verwaltungs-Chatbots „Lea“ werde bewusst auf US-amerikanische Hyperscaler
       verzichtet. „Stattdessen wollen wir auf europäische Sprachmodelle wie
       Mistral aus Frankreich oder Tilde aus Lettland setzen“, sagt Anschütz.
       
       Der Verzicht auf Microsoft-Lösungen im Bereich Cloud und KI heißt
       allerdings nicht, [4][dass Mecklenburg-Vorpommern dem weltgrößten
       Softwarekonzern komplett den Rücken kehren wird]. Es sei nicht geplant, die
       in der Verwaltung eingesetzten Windows-PCs kurzfristig durch Rechner mit
       dem offenen Betriebssystem Linux zu ersetzen. Dies habe derzeit noch keine
       Priorität, betont Anschütz.
       
       3 Jul 2026
       
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