# taz.de -- Jugend der Linkspartei: Lob für Stalin, Hass gegen Israel
       
       > Israel solle verrecken, die Hamas sei nicht islamistisch und „Lang lebe
       > Stalin!“ So äußerten sich Linksjugend-Mitglieder. Bei der Mutterpartei in
       > Bayern stießen sie damit auf Nachsicht.
       
 (IMG) Bild: Teile des Jugendverbands haben offensichtlich Probleme und brauchen Geschichtsunterricht
       
       Was tun mit dem Nachwuchs, wenn er mal wieder über die Stränge schlägt?
       Diese Frage treibt nicht nur Eltern, sondern auch Parteien regelmäßig um –
       sehr gut zu beobachten am Wochenende beim Bundesparteitag der Linken.
       Familientherapeuten raten den Erziehungsberechtigten in diesem Fall: selbst
       an einem Strang ziehen, gemeinsam und konsequent den Kindern ihre Grenzen
       aufzeigen.
       
       Damit jedoch tut sich die Linkspartei gerade schwer. Während man im
       Bundesvorstand durchaus ein Problem sieht, gehört der bayerische Teil der
       Mutterpartei zu denen, die den Jungen gegenüber besonders nachsichtig sind.
       
       Speziell geht es um die Frage, wie viel Platz die Linksjugend solid
       antisemitischen Parolen und der Verharmlosung der Hamas einräumt. Aber
       auch, wie man zu Stalin und zu Mao steht, scheint noch nicht ausdiskutiert.
       
       Zum Hintergrund: Aktuelle Recherchen des Bayerischen Rundfunks weisen auf
       eine deutliche Radikalisierung innerhalb der Linksjugend hin. Der Sender
       bezieht sich dabei auf Beiträge in sozialen Medien, besonders auf
       Nachrichten in internen Chatgruppen und Einträge in einem internen Forum
       der Jugendorganisation. Der BR konnte die dortigen Posts nach eigenen
       Angaben einsehen.
       
       So soll Limes Schäfer, Bundessprecher der Linksjugend, sich in einem Chat
       über die Terrororganisation Hamas, deren erklärtes Ziel es ist, Israel zu
       vernichten und durch einen Gottesstaat zu ersetzen, ausgelassen haben. Es
       sei „wirklich peinlich“, schreibt er, die Hamas „einfach als islamistisch
       abzustempeln“.
       
       ## „Israel Verrecke!“
       
       Oder Lucas H.: Der Mann, der, wie es bei den Funktionären der Linksjugend
       auf Landesebene üblich ist, seinen Nachnamen nicht preisgibt, ist
       Landessprecher der Organisation in Rheinland-Pfalz und geht noch weiter: Im
       internen Forum schreibt er laut BR von über 10.000 Palästinensern in
       „israelischen Konzentrationslagern“ und einem Genozid, den Israel „im Namen
       des Judentums, unter der Flagge des Davidsterns“ begehe. An anderer Stelle
       postete er die Darstellung einer israelischen Flagge in Flammen. Daneben
       die Worte: „Israel Verrecke!“
       
       Der Bayerische Rundfunk macht sich sogar die Mühe, Experten zu befragen und
       an die Nazi-Parole „Juda verrecke“ zu erinnern, als könnte es Zweifel daran
       geben, dass eine solche Beschimpfung antisemitisch sei.
       
       ## Im Arbeitskreis „Agitprop“
       
       Aber auch in ihrem Verhältnis zum Stalinismus liegt die Linksjugend nicht
       unbedingt [1][auf Linie der Mutterpartei]. Der BR bezieht sich in seinen
       Berichten auf den Bundesarbeitskreis Agitationspropaganda, kurz: BAK
       Agitprop. Dieser habe auf Instagram Bilder von Stalin, Mao und Erich
       Honecker verbreitet.
       
       Finn P., Landessprecher der Linksjugend Hamburg, habe im Verbandsforum
       geschrieben: „Lang lebe [2][Stalin]!“ und „Lang lebe [3][Honecker]!“. Nila
       K., Mitgründerin des BAK, soll ihn im Forum ohne Umschweife als
       „stalinistisch“ bezeichnet haben. Als der BR eine Anfrage an den
       Arbeitskreis und die Linksjugend stellte, habe sich der BAK aufgelöst und
       seine Instagram-Posts gelöscht.
       
       Dennoch erreicht den BR aus dem Arbeitskreis noch eine Antwort: Stalin habe
       die „[4][Modernisierung vorangebracht]“ und „Kapitalisten bestraft“, steht
       darin. Und Mao habe viele Seiten gehabt. Bei der „Organisierung der Klasse“
       etwa könne man von ihm lernen.
       
       ## Ein Stück weit ein Antisemitismusproblem
       
       Im [5][Bundesvorstand der Linkspartei ist man über die Debatte um die
       Linksjugend wenig erfreut]. So beeilte sich die eben wiedergewählte
       Parteichefin Ines Schwerdtner, sich von extremistischen Äußerungen zu
       distanzieren: „Wir ziehen eine klare Grenze bei jedem Antisemitismus, und
       wir ziehen eine klare Grenze gegen jeden Stalinismus“, sagte sie auf
       Phoenix. Wer entsprechende Positionen vertrete, für den gebe es in der
       Partei keinen Platz.
       
       Bundesgeschäftsführer Janis Ehling kündigte in dem Sender
       Auseinandersetzungen mit der Linksjugend an. „Wir haben – das muss ich auch
       klar so sagen – in Teilen des Jugendverbands offenkundig ein Stück weit ein
       Problem und werden da in sehr, sehr ernsthafte Auseinandersetzungen gehen.“
       
       Und sogar in der Linksjugend selbst gibt es entsetzte Stimmen. Man habe
       „[6][ein Antisemitismusproblem]“, sagte etwa Hannah Akgül, Landessprecherin
       im Saarland. Es gebe „eine Menge Leute, die ein geschlossen antisemitisches
       Weltbild haben und auch in der Hinsicht nicht mehr aufklärbar sind“.
       
       ## „Junge, teilweise 14-jährige Menschen“
       
       Um so erstaunlicher die Reaktion aus der Mutterpartei in Bayern. Von einer
       „Hetzkampagne“ des BR schreibt die Partei auf Instagram. Man nehme die
       Berichterstattung zur Kenntnis, erste interne Prüfungen zeigten aber
       deutlich, „dass viele der Aussagen – entweder bewusst oder unbewusst – aus
       dem Kontext gerissen wurden“. Auch „wissenschaftliche Einordnungen und
       ironische Äußerungen“ seien verkürzt und aus dem Zusammenhang gerissen
       worden, „um sie zu skandalisieren“.
       
       Die bayerische Linke, die sich deswegen an den Presserat wenden möchte,
       vermutet zudem, dass durch eine „einseitige Berichterstattung ohne genügend
       Faktenüberprüfung“ Einfluss auf innerparteiliche Debatten genommen werden
       soll. Antisemitismus solle man lieber bei der AfD als bei der Linken suchen
       und mit Stalinismus habe man ohnehin nichts am Hut. Sozialistische Grüße!
       
       ## Kein Kontext für Stalin und Mao
       
       Konkret wird das Statement leider nicht. Gern hätte man doch erfahren, wo
       hier in den Einlassungen der Linksjugend-Mitglieder die wissenschaftlichen
       Einordnungen zu finden seien, wo die Ironie. Welche Fakten nicht genügend
       überprüft, also mutmaßlich falsch seien? Und vor allem, wie der „richtige
       Kontext“ Nazi-Parolen und Stalin-Hochrufe nachvollziehbarer machen könnte?
       
       Auch auf Nachfrage der taz bleiben diese Fragen unbeantwortet. Immerhin
       sagt Martin Bauhof, Sprecher der bayerischen Linken: „Keine Frage, die
       Äußerungen, die im BR zitiert werden, sind zum Teil wirklich unterirdisch.“
       Und fügt hinzu: Die Partei [7][habe mit dem Stalinismus unwiderruflich
       gebrochen] und kämpfe gegen jeden Antisemitismus.
       
       Der Bericht des BR sei Anlass gewesen, schnell das Gespräch mit den
       bayerischen Vertreterinnen des Jugendverbands zu suchen. „Die jungen,
       teilweise 14-jährigen Menschen in unserem Jugendverband haben es verdient,
       dass wir bei Vorwürfen mit ihnen ins Gespräch gehen und intern die
       Situation aufklären. Das werden wir weiter tun.“
       
       22 Jun 2026
       
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