# taz.de -- Ressourcenhunger von KI: Auf Kosten der Umwelt
       
       > Europa will beim Ausbau von Rechenzentren aufholen. Kritiker befürchten,
       > dass dabei Klima- und Effizienzziele in den Hintergrund geraten.
       
 (IMG) Bild: Davon soll es in Europa mehr geben: Baustelle eines Rechenzentrums im französichen Saint-Denis bei Paris
       
       Mehr Rechenzentren braucht Europa – [1][diese Losung hat die EU-Kommission
       vor wenigen Wochen ausgegeben]. Hintergrund ist nicht nur das Ziel,
       Behörden und Unternehmen in Europa unabhängiger von den großen
       US-Technologiekonzernen zu machen. Sondern auch, dass die EU-Länder bei
       einer der gerade als Zukunftstechnologie bezeichneten Entwicklung aufholen
       sollen: [2][Künstlicher Intelligenz].
       
       Doch KI braucht Rechenkapazitäten, und zwar viel. Erst für das Training der
       Modelle, später für die Anwendung. Einer Anfang Juni veröffentlichten
       [3][UN-Untersuchung] zufolge machten Training und Einsatz von KI-Modellen
       und -Anwendungen im vergangenen Jahr 20 Prozent der Last von Rechenzentren
       aus. Bis zum Jahr 2040 soll dieser Anteil auf 40 Prozent steigen. Dann
       würde der auf KI zurückgehende Stromverbrauch laut der Untersuchung auf 374
       Terawattstunden steigen.
       
       Ein EU-Vertreter bezifferte die hiesigen Rechenzentrumskapazitäten jüngst
       auf rund ein Drittel derer in den USA. Bis 2035 werde der Bedarf in Europa
       auf etwa 60 Gigawatt steigen. Nach aktuellem Planungsstand könnten jedoch
       nur Kapazitäten von 42 Gigawatt aufgebaut werden.
       
       Daher sollen unter anderem Genehmigungsverfahren beschleunigt werden – was
       Befürchtungen nährt, dass damit Umweltstandards sinken könnten. Deutschland
       schlägt diesen Weg gerade ein: Mit dem Energieeffizienzgesetz, das zuletzt
       Anfang Juni Thema im Kabinett war. Greenpeace kritisierte in seiner
       Stellungnahme zu dem Gesetzentwurf unter anderem, dass die Anforderungen an
       Rechenzentren abgeschwächt würden, verbindliche Vorgaben zur Nutzung von
       Abwärme wegfielen und Betreiber Energie- und Umweltdaten teilweise nicht
       mehr offenlegen müssen.
       
       [4][Die NGO Algorithmwatch] will mit einer Petition gegensteuern. Die
       Organisation und die bislang rund 150.000 Unterzeichner:innen fordern
       unter anderem, dass Betreiber von Rechenzentren den Energie- und
       Wasserverbrauch veröffentlichen müssen und das nicht als Geschäftsgeheimnis
       verbergen dürfen. Darüber hinaus dürften neue Rechenzentren nur dann
       genehmigt werden, wenn sie immer mit zusätzlicher erneuerbarer Energie
       betrieben werden.
       
       Laut dem Umweltinstitut München, das gemeinsam mit Algorithmwatch ein
       Gutachten zu den geplanten Änderungen des Energieeffizienzgesetzes in
       Auftrag gegeben hat, könnten allein die in Deutschland bis 2030 geplanten
       Rechenzentren über sechs Millionen Haushalte klimaneutral mit Wärme
       versorgen. Die Bundesregierung vergibt seit rund zehn Jahren das bekannte
       Umweltsiegel „Blauer Engel“ auch an Rechenzentren. Bislang wurden damit
       ausgezeichnet: fünf.
       
       Anm. d. Red.: In einer früheren Version des Beitrags hieß es, das Münchner
       Ökoinstitut sei der Auftraggeber des Gutachtens. Ein solches gibt es nicht,
       es ist das Umweltinstitut München.
       
       14 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Digitale-Souveraenitaet/!6184045
 (DIR) [2] /Schwerpunkt-Kuenstliche-Intelligenz/!t5924174
 (DIR) [3] https://collections.unu.edu/eserv/UNU:10647/UNU-INWEH-Report-The_Env_Cost_of_AI-2026.pdf
 (DIR) [4] https://algorithmwatch.org/en/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Svenja Bergt
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Digitalisierung
 (DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
 (DIR) Umweltschutz
 (DIR) Kolumne Digitalozän
 (DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
 (DIR) Digitalisierung
 (DIR) Big Tech
 (DIR) Digitalisierung
 (DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
 (DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
 (DIR) Digitalisierung
 (DIR) Papst Leo XIV.
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Projekt der Stanford University: KI für leckere Burger
       
       Das klassische Fast Food kann ganz unklassisch daherkommen: nämlich
       nachhaltig, gesund und lecker. Ausgerechnet mit KI, zeigen
       Forscher:innen.
       
 (DIR) Neue Regeln für künstliche Intelligenz: Wasserzeichen fürs KI-Bild
       
       Anfang August treten weitere Teile der europäischen KI-Regeln in Kraft. Was
       sich ändert – und warum wichtige Regeln verschoben wurden.
       
 (DIR) Elon Musk kauft Energieunternehmen: KI-Kampf in den USA
       
       Multimilliardär Elon Musk kauft still und heimlich ein Energieunternehmen.
       Derweil verbietet ein erster Bundesstaat den Bau von neuen Rechenzentren.
       
 (DIR) Angriff auf Klimapolitik: Schwarz-Rot schwächt Effizienzregeln für die Wirtschaft ab
       
       Den Energieverbrauch zu senken, ist für den Klimaschutz zentral. Die
       Bundesregierung will trotzdem vor allem für Rechenzentren Vorgaben lockern.
       
 (DIR) Ökobilanz von Rechenzentren: Europas Rechenzentren sind klimafreundlicher als US-Pendants
       
       Wo werden Rechenzentren mit fossilem Strom betrieben, wo mit saubererem?
       Eine neue Studie bringt Licht ins Dunkel.
       
 (DIR) Sperrung der KI-Modelle von Anthropic: Eine Warnung mit gutem Timing
       
       Die US-Regierung will Ausländer:innen von leistungsfähiger KI
       aussperren. In Europa sollte man das sehr ernst nehmen.
       
 (DIR) Digitale Souveränität: Europa will intelligenter werden
       
       Die EU-Kommission legt einen Plan vor, wie man bei Cloud-Technologien und
       KI-Chips unabhängiger werden will von Hightech made in USA.
       
 (DIR) Umweltfolgen von künstlicher Intelligenz: 250 Eiffeltürme Elektronikschrott
       
       Wasser, Land, Strom: KI braucht Ressourcen und verursacht Müll. Ein
       UN-Report zeigt, wie groß das Problem ist – und welche Lösungen es gibt.
       
 (DIR) KI-Enzyklika des Papstes: Ein Gegenprogramm zur Thielologie
       
       Leo XIV. will Regeln aufstellen für den richtigen Umgang mit künstlicher
       Intelligenz. Damit wird er schon wieder Antagonist der Mächtigen in den
       USA.