# taz.de -- Digitale Souveränität: Europa will intelligenter werden
> Die EU-Kommission legt einen Plan vor, wie man bei Cloud-Technologien und
> KI-Chips unabhängiger werden will von Hightech made in USA.
(IMG) Bild: Großbaustelle für ein neues Rechenzentrum im brandenburgischen Lübbenau. Die EU will die eigenen Kapazitäten verdreifachen
Die EU will bei Informationstechnologien unabhängiger von den USA und
anderen Ländern wie China oder Taiwan werden. Wichtige Daten sollen künftig
nicht mehr nur in amerikanischen Clouds lagern, KI-Chips sollen aus Europa
kommen und [1][Rechenzentren sollen weniger Energie fressen.]
Dies versprach die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel bei der Vorstellung
eines Programms zur „technologischen Souveränität“. Es sieht neue Hilfen
für die Förderung von künstlicher Intelligenz, den Aufbau von
Cloud-Diensten und die Entwicklung von Mikrochips in Europa vor –
allerdings kein frisches Geld.
„Europa hat alles, was es braucht, um eine führende Rolle zu spielen“,
sagte Digitalkommissarin Henna Virkkunen. Die Maßnahmen richteten sich
nicht gegen die USA und seien auch kein Protektionismus, erklärte
Virkkunen. Es gehe vielmehr darum, dass Europäer „ihre eigene Wahl“ treffen
können.
Die US-Administration in Washington hatte Brüssel zuvor vor Eingriffen in
den Markt gewarnt, der von US-Anbietern wie Amazon, Microsoft oder Google
dominiert wird. Die EU-Länder geben jedes Jahr geschätzte 264 Milliarden
Euro für Hightech made in USA aus. Das könne nicht so weitergehen, fordert
das Europaparlament.
## Allenfalls etwas unabhängiger
Das nun vorgestellte Paket ist ein Kompromiss. Es enthält zwei Gesetze –
das Chip-Gesetz 2.0 und das Cloud-und-KI-Entwicklungs-Gesetz – und zwei
Strategien, die den Weg für weitere Maßnahmen weisen sollen. „Souverän“
wird die EU damit jedoch noch nicht; allenfalls ein Stück unabhängiger.
Bisher ist die Kommission selbst noch von US-Technologien abhängig.
[2][Suchmaschinen, Textverarbeitung, Messenger – fast alles kommt aus den
USA. N]icht viel anders ist es im Europaparlament. Immerhin kündigten die
Abgeordneten an, künftig vor allem die französische Suchmaschine Qwant zu
nutzen – statt Google.
So konkret wurde es in der Kommission nicht. Aber die Brüsseler Behörde
kündigte die stärkere Nutzung von Open-Source-Software an – auch im eigenen
Haus. Man werde dies „durch Beschaffungsleitlinien und praktische bewährte
Verfahren“ unterstützen. Bei Open-Source-Anwendungen ist der Quellcode frei
zugänglich.
Beim „Chips Act 2.0“ will Brüssel „auf Europas Stärken aufbauen, auch bei
Mainstream-Chips, und Kapazitäten in hochmodernen Halbleitertechnologien
aufbauen, die KI-Anwendungen antreiben“. Das erste Chip-Gesetz stammt aus
dem Jahr 2023, hat jedoch nicht die Erwartungen erfüllt. Deshalb bessert
die EU-Kommission nun nach.
## Die EU verspricht einen „KI-Kontinent“
Bei der künstlichen Intelligenz greift die EU sehr hoch und verspricht
einen „KI-Kontinent“. Bisher hinkt Europa aber weit hinter den USA und
China hinterher. Ziel ist es, die Rechenzentrumskapazitäten in Europa in
den nächsten fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen und zugleich die
Akzeptanz zu fördern.
Um Vorbehalte abzubauen, verspricht die EU-Kommission auch so etwas wie
eine „nachhaltige KI“. Es gehe um nachhaltige und energiesparende Lösungen,
sagte Energiekommissar Dan Jørgensen. Europa könne „auf verantwortliche
Weise die Führung übernehmen“, ohne die Energiesysteme zu überlasten.
Das ist ziemlich vage – und löste gemischte Reaktionen aus. US-Anbieter
seien „dominant und werden es bleiben“, sagte der SPD-Europaabgeordnete
Matthias Ecke. Dennoch sei es gut, technologische Souveränität zu
definieren. Ähnlich äußerte sich Axel Voss von der CDU. Er sprach von einem
„sowohl mutigen als auch pragmatischen Vorschlag“.
Scharfe Kritik kommt dagegen von der Linken. Es reiche nicht aus, Microsoft
durch den deutschen Konzern SAP zu ersetzen, sagte der EU-Parlamentarier
Martin Schirdewan. „Digitale Souveränität entsteht nicht dadurch, dass man
ein Monopol durch ein anderes ersetzt.“ Vielmehr gehe es darum, digitale
Infrastruktur am Gemeinwohl auszurichten.
3 Jun 2026
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(DIR) Eric Bonse
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