# taz.de -- Umweltfolgen von künstlicher Intelligenz: 250 Eiffeltürme Elektronikschrott
> Wasser, Land, Strom: KI braucht Ressourcen und verursacht Müll. Ein
> UN-Report zeigt, wie groß das Problem ist – und welche Lösungen es gibt.
(IMG) Bild: Kabel und LED-Leuchten eines Servers im Rechenzentrum: Irgendwann wird das alles zu Elektroschrott
Künstliche Intelligenz entwickelt sich zu einer immer größeren
Umweltbedrohung – doch Industrie, Regierungen und auch die Nutzenden selbst
könnten einiges dafür tun, die Technologie verträglicher zu machen. Das ist
die Botschaft eines am Mittwoch veröffentlichten UN-Reports. „Der
ökologische Fußabdruck von KI ist nicht in Stein gemeißelt. Er ist abhängig
von der Infrastruktur, von Energiequellen, vom Design der Modelle, aber
auch von der Nutzung“, sagt Studienautorin Miriam Aczel, Wissenschaftlerin
am Institut für Wasser, Umwelt und Gesundheit der Weltuniversität, also der
Denkfabrik der Vereinten Nationen.
Die Branche wächst rasant: Der Untersuchung zufolge werden die Ausgaben für
[1][KI] in diesem Jahr voraussichtlich 2,5 Billionen US-Dollar übersteigen.
Bis zum Jahr 2033 soll der globale Markt auf fast 5 Billionen US-Dollar
wachsen – eine 25-fache Steigerung in weniger als einem Jahrzehnt.
Das Wachstum hinterlässt Spuren: Training und Einsatz von KI-Modellen und
KI-Anwendungen machten dem Institut zufolge im vergangenen Jahr 20 Prozent
der Last von Rechenzentren aus. Bis zum Jahr 2040 soll dieser Anteil auf 40
Prozent steigen. Dann, so der Report, würde der auf KI zurückgehende
Stromverbrauch auf 374 Terawattstunden steigen. Das sei mehr als 9-mal so
viel wie Nigeria verbrauche.
Darüber hinaus benötigen die Rechenzentren weitere Ressourcen: Wasser unter
anderem für die Kühlung, Land als Baufläche für Kraftwerke und
Rechenzentren – und all das ebenfalls für die vorgelagerte Industrie, die
etwa Chips herstellt. Der Betrieb mit fossilen Energien verursacht
CO2-Emissionen. Und wenn die nächste Generation leistungsfähiger Hardware
auf den Markt kommt, landet die vorherige im Elektronikschrott. So kann
sich laut dem Report die Menge an Elektronikschrott, die im Jahr 2030 durch
ausrangierte KI-Infrastruktur verursacht wird, auf 2,5 Millionen Tonnen
summieren. Das sei ungefähr so viel wie 250 Eiffeltürme.
## KI ist nicht nur digital
„Hinter jedem Prompt, Bild oder Video steht eine wachsende Infrastruktur
von Energiesystemen, Wasserentnahme, Landnutzung, Ressourcenabbau und
Elektronikschrott“, erklärt Kaveh Madani, Direktor des Instituts für
Wasser, Umwelt und Gesundheit der UN-Universität und leitender Forscher des
Reports. KI werde oft als rein virtuell dargestellt. Doch tatsächlich gehe
es um reale physische Gegebenheiten und Konsequenzen. „Wir sollten KI nicht
nur daran messen, was sie kann, sondern auch daran, ob Menschen diese
Möglichkeiten bereitstellen können, ohne die planetaren Grenzen zu
überschreiten“, fordert Madani.
Die Daten in der Untersuchung können allerdings nur grob die
Größenordnungen abbilden. Denn sowohl die Konzerne, die KI-Modelle
entwickeln und bereitstellen, als auch die Rechenzentrumsbetreiber legen,
wenn überhaupt, nur punktuell Daten offen. Forscher:innen fordern daher
seit Langem eine umfassende Transparenzpflicht für die Industrie.
## Suchen – konventionell oder mit KI
Dass der Ressourcenverbrauch durch die Branche wächst, zeigt nicht nur das
wachsende Angebot an Chatbots mit generativer KI von ChatGPT bis Mistral,
sondern auch, dass KI zunehmend in andere Anwendungen eingebaut wird.
Online-Netzwerke binden sie für das Generieren von Bildern ein,
[2][Suchmaschinen werden mit KI ausgestattet], um für Nutzer:innen statt
einer Linkliste einen Antworttext zu erzeugen.
Was das für Auswirkungen hat, zeigt das Beispiel Suchmaschine. Eine
konventionelle Google-Suche kommt laut dem Report mit 0,3 Wattstunden aus.
Mit KI benötige sie bis zu 3 Wattstunden – also das Zehnfache. Google hatte
seinen KI-Modus vor rund einem Jahr gestartet. Laut dem Konzern nutzen ihn
mittlerweile jeden Monat 1 Milliarde Nutzer:innen. Die Zahl der KI-Suche
habe sich seit dem Start der Funktion in jedem Quartal verdoppelt. Auf
seiner Entwicklerkonferenz im Mai kündigte Google an, die KI-Funktionen in
der Suche deutlich ausbauen zu wollen.
Die Autor:innen des Reports fordern ein entschlossenes Gegensteuern,
unter anderem mit folgenden Maßnahmen: Im Genehmigungsprozess für
Rechenzentren müssten Gemeinden und Zivilgesellschaft frühzeitig beteiligt
werden – und die Ressourcenfrage berücksichtigt. Die Industrie müsse auf
sparsame Modelle achten und darauf, dass Standardeinstellungen bei den
Nutzer:innen den Verbrauch gering halten. Zum Beispiel also in der
Suchmaschine nicht den KI-Modus als Standard voreinstellen, sondern die
konventionelle Suche.
Außerdem sei es wichtig, dass die Industrie zu Transparenz verpflichtet
werde, was Umweltauswirkungen und Energieverbrauch ihrer Modelle und
Anwendungen angeht. Nur so könnten sich private Nutzer:innen und andere
Anwender, etwa Behörden, Unternehmen und Organisationen, für die Verwendung
der umweltverträglichsten Modelle entscheiden.
## Ist KI wirklich das große Problem?
Jens Gröger vom Öko-Institut, der nicht an der Studie beteiligt war,
fordert gegenüber dem Science Media Center (SMC) weitere Maßnahmen – und
dabei auch auf die problematische Marktmacht der großen Konzerne zu
blicken: „Die von diesem Boom profitierenden Tech-Unternehmen –
insbesondere Amazon, Google, Meta und Microsoft – werden in der Studie
nicht genannt.“
Bei aller berechtigten Warnung vor den Folgen des zunehmenden KI-Einsatzes,
warnen Forschende auch davor, in Alarmismus zu verfallen: „Der
Energieverbrauch von KI-Rechenzentren ist real und wachsend, aber
gegenwärtig nicht das dominante Klimaproblem“, sagt Wolfgang Maaß,
Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität des Saarlandes und
ebenfalls nicht an der Studie beteiligt, dem SMC.
Während Rechenzentren sich beim Anteil an den globalen
Treibhausgasemissionen noch im einstelligen Prozentbereich bewegen,
verursache die Stahl- und Zementbranche über 15 Prozent, Landwirtschaft und
Schwertransport jeweils mehr als 10 Prozent. Ein zu großer Fokus auf KI
könne davon ablenken, die noch größeren Probleme anzugehen.
3 Jun 2026
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