# taz.de -- KI-Enzyklika des Papstes: Ein Gegenprogramm zur Thielologie
       
       > Leo XIV. will Regeln aufstellen für den richtigen Umgang mit künstlicher
       > Intelligenz. Damit wird er schon wieder Antagonist der Mächtigen in den
       > USA.
       
       Der [1][Tech-Milliardär Peter Thiel] hat sich eine recht eigenwillige
       Version des Christentums ausgedacht. Ließe man der technischen Entwicklung
       komplett freien Lauf, glaubt Thiel, würden die Menschen mehr und mehr wie
       Gott werden. Regulierung aber sei eine Sache des verführerischen
       Gegenspielers Gottes, des Antichristen.
       
       Es ist wohl kein Zufall, dass Thiel seine an die orthodoxe Idee der Theosis
       angelehnte Theorie im März in Rom vorgetragen hat, auf der Schwelle des
       Vatikans. Denn da war schon abzusehen: [2][Papst Leo XIV.] will Regeln
       aufstellen – für den richtigen Umgang mit der künstlichen Intelligenz. Am
       Pfingstmontag hat der Pontifex geliefert. [3][Seine Enzyklika „Magnifica
       humanitas“] ist ein Gegenprogramm zu Peter Thiel und seiner Thielologie.
       Das wird schon im ersten Satz deutlich.
       
       „Die von Gott geschaffene großartige Menschheit steht heute vor einer
       entscheidenden Wahl“, heißt es da. Wolle sie selbst sein wie Gott oder
       menschenfreundliche Bedingungen schaffen? KI könne Desinformation
       verbreiten, Konflikte verschärfen und die Welt auf einen Weg endloser
       Kriege führen, heißt es in dem Lehrschreiben. Und diese Klarheit ist
       wichtig.
       
       Im 19. Jahrhundert hatte Leo XIII. mit seinem Lehrschreiben „Rerum Novarum“
       eine katholische Antwort auf die industrielle Revolution gegeben, die
       Enzyklika gilt als Gründungsurkunde der katholischen Soziallehre. An diese
       Tradition will Papst Leo XIV. angesichts der neuen industriellen Revolution
       anknüpfen. Genauso wie an die einflussreiche Öko-Enzyklika „Laudato si“
       seines Vorgängers Franziskus.
       
       ## Zwischen Christ und Antichrist
       
       „Aktuelle KI-Systeme erfordern große Mengen an Energie und Wasser, haben
       erhebliche Auswirkungen auf den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß“, schreibt der
       Papst und fordert die Entwicklung von nachhaltigeren Lösungen. Eine
       pauschale Ablehnung ist das neue Lehrschreiben bei aller Klarheit nämlich
       ganz und gar nicht. KI sei ein „wertvolles Hilfsmittel, das Vorsicht
       erfordert“. Ob der Pontifex für seine Enzyklika selbst KI verwendete, sagte
       er am Montag nicht.
       
       Schon vor zehn Jahren hatte Papst Franziskus die Chefs von Google, Open-AI
       und Co eingeladen. Am Montag saß neben Papst Leo und zwei Ethikerinnen auch
       Christopher Olah auf dem Podium, Mitgründer der KI-Firma Anthropic. „Wir
       brauchen informierte Kritiker, die den Labors sagen, wenn wir versagen“,
       sagte Olah. „Wir brauchen moralische Stimmen, die sich von Anreizen nicht
       beugen lassen.“ Was den Atheisten Olah und den Papst von Thiel
       unterscheidet? Sie wissen, dass das Richtige nur im Gespräch zu bestimmen
       ist und nur in feineren Kategorien als schwarz und weiß, Christ und
       Antichrist.
       
       26 May 2026
       
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 (DIR) Stefan Hunglinger
       
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