# taz.de -- Protest gegen Sicherheitspaket in Berlin: Demo kritisiert „Ende der Privatsphäre im öffentlichen Raum“
> Hunderte Menschen haben am Samstag gegen das „Sicherheitspaket 2.0“ der
> Bundesregierung protestiert. Viele der geplanten Maßnahmen sind in Berlin
> schon Realität.
(IMG) Bild: In Berlin wurde das Polizeigesetz bereits verschärft: Videoüberwachung an einem Umspannwerk in Zehlendorf
Kameraattrappen und ein Transparent, auf dem „Bullen und Überwachung
abschaffen“ steht: Rund 800 Menschen haben am Samstagnachmittag in
Berlin-Friedrichshain gegen ein neues Gesetzespaket der Bundesregierung
protestiert. Zur Demo hatte das zivilgesellschaftliche Bündnis
„[1][Sicherheit ohne Überwachung]“ aufgerufen. Darin haben sich unter
anderem der Republikanische Anwältinnen- und Anwälteverein, die Digitale
Gesellschaft, das Grundrechtekomitee und die Rote Hilfe
zusammengeschlossen.
Das sogenannte [2][Sicherheitspaket 2.0 von Bundesinnenminister Alexander
Dobrindt (CSU) und Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD)] sieht
weitreichende Gesetzesverschärfungen vor. Etwa sollen Sicherheitsbehörden
künftig biometrische Daten mit dem Internet abgleichen dürfen. Außerdem
sollen Daten der Polizeibehörden zusammengeführt und mit künstlicher
Intelligenz (KI) ausgewertet werden.
„Bundespolizei und das Bundeskriminalamt sollen die Befugnis erhalten,
sämtliche im Internet verfügbaren Daten zu durchleuchten und einzusammeln“,
warnte eine Rednerin des Bündnisses am Samstag auf der Demo. „Der
biometrische Abgleich bedeutet im Endeffekt das Ende der Privatsphäre im
öffentlichen Raum, weil jedes Foto, jedes Video, jede Tonaufzeichnung
genutzt werden kann, um Menschen zu identifizieren und zu lokalisieren.“
Was auf Bundesebene geplant ist, ist in Berlin zum Teil schon Realität. Im
vergangenen Dezember hat das Berliner Abgeordnetenhaus eine [3][umfassende
Reform des Berliner Polizeigesetzes] verabschiedet, die ebenfalls einen
[4][biometrischen Datenabgleich], eine automatisierte Verknüpfung und
Analyse von Daten sowie eine [5][KI-gestützte Videoüberwachung] vorsieht.
## Ein Besuch im Görli
Die KI-Verhaltenserkennung soll in Berlin unter anderem an sogenannten
kriminalitätsbelasteten Orten (kbO) eingesetzt werden. Auch deshalb
besuchten die Aktivist*innen am Samstag vier dieser Gebiete: Nach einem
Frühstück an der Ecke Rigaer Straße/Liebigstraße im Friedrichshainer
Nordkiez startete die offizielle Demoroute an der Warschauer Brücke. Von
dort ging es in den Görlitzer Park in Kreuzberg. Dort sprach eine
Vertreterin der Initiative Görli 24/7 von einem „großen juristischen
Erfolg“, nachdem das Berliner Verwaltungsgericht die Allgemeinverfügung zur
nächtlichen Schließung des Parks [6][für rechtswidrig erklärt hatte].
Im Anschluss zog die Demo noch zu kbO Nummer vier: das Kottbusser Tor. Auch
hier [7][soll bald KI-Überwachung starten].
In den Augen vieler Teilnehmer*innen waren am Samstag zu wenig Menschen
auf der Straße, um gegen die umfassenden Überwachungsmaßnahmen zu
protestieren. „Die Größe der ‚Freiheit statt Angst‘-Demonstrationen von
2008 bis 2014 haben wir nicht erreicht“, sagte ein Aktivist zur taz. „Aber
ein Anfang ist gemacht und wir müssen dran bleiben.“
14 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://sicherheit-ohne-ueberwachung.org/
(DIR) [2] /Mehr-Ermittlungsbefugnisse-fuer-Polizei/!6174997
(DIR) [3] /Berliner-Abgeordnetenhaus/!6124349
(DIR) [4] /Open-Source-Intelligence-bei-der-Polizei/!6060094
(DIR) [5] /Anwalt-ueber-Berliner-Polizeigesetz/!6126976
(DIR) [6] /Goerlitzer-Park-in-Berlin/!6178416
(DIR) [7] /KI-Videoueberwachung-in-Berlin/!6160851
## AUTOREN
(DIR) Peter Nowak
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