# taz.de -- Abgeordnetenhauswahl am 20. September: Der Countdown läuft
       
       > Die letzten 100 Tage bis zur Wahl könnten auch die letzten 100 Tage für
       > Regierungschef Kai Wegner sein. Allerdings stand er 2023 ähnlich schlecht
       > da.
       
 (IMG) Bild: Das Ziel eint alle Parteien bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September: möglichst viele Sitze im Plenarsaal
       
       Noch 100 Tage. Zumindest früher bildeten Wehrpflichtige dieses
       Schlusskapitel ihrer Dienstzeit gerne mit einem stets mitzutragenden 100 cm
       langen Maßband ab, von dem sie täglich ein Stück abschnitten. Von Kai
       Wegner ist nicht bekannt, dass er so ein Maßband in der Tasche hat. Aber
       auch seine Zeit als Regierungschef könnte in genau 100 Tagen zu Ende sein,
       am Abend der Abgeordnetenhauswahl am 20. September.
       
       Natürlich stimmt das streng genommen nicht. Selbst wenn am Wahlabend eine
       Koalition jenseits der CDU absehbar sein und klar sein sollte, dass Steffen
       Krach (SPD), Werner Graf (Grüne) oder Elif Eralp (Linkspartei) das Rote
       Rathaus übernimmt, bliebe Wegner vorerst Regierender Bürgermeister. Qua
       Gesetz bleibt ein Senat zumindest geschäftsführend so lange im Amt, bis ein
       neuer Regierungschef gewählt ist. Und das dürfte bis Dezember dauern.
       
       De facto aber wäre die Ära Wegner damit vorbei und mit nur drei Jahren im
       Roten Rathaus auch eigentlich keine richtige Ära, genauso wenig wie beim
       Dreieinhalb-Jahre-Bundeskanzler Olaf Scholz von der SPD. Auch seine Zeit
       als Landesvorsitzender der CDU dürfte dann zu Ende gehen. Denn viele in
       seiner Partei würden ihm die Hauptschuld an einer Niederlage geben, und mit
       so jemandem an der Spitze wäre ein Neustart schlecht denkbar.
       
       Denn die Liste dessen, was nicht gut lief, ist lang: suboptimales Verhalten
       während des Blackouts, keine klare Linie beim winterlichen Glatteis,
       Fördergeldaffäre, die er zwar mutmaßlich nicht zu verantworten hat, aber
       aus dem Ruder laufen ließ, und schließlich die nicht nachvollziehbar
       übereilte Ernennung eines neuen Digitalisierungs-Staatssekretärs.
       
       ## Lange Liste misslicher Dinge
       
       Noch blieb der CDU nichts anderes übrig, als Wegner am Dienstagabend bei
       ihrem Landesparteitag wieder zum Spitzenkandidaten zu machen. Ein Austausch
       hätte die Partei mutmaßlich noch schlechter dastehen lassen. Ersatz stand
       sowieso nicht bereit – außer jenem 85-jährigen CDUler, [1][der beim
       Parteitag Zweifel an Wegner als Spitzenkandidat äußerte] und erfolglos
       gegen ihn kandidierte.
       
       Wegner tat am Dienstagabend das, was Politikern in einer schier ausweglosen
       Lage bleibt: daran zu erinnern, dass es früher allen misslichen Umfragen
       zum Trotz auch schon mal geklappt hat. Das war vor der Wahl am 12. Februar
       2023 bei Wegner und seiner CDU in besonderem Maße so. Erst kam die Partei
       [2][in Umfragen nicht voran,] und auch als das anders war, mochten mögliche
       Koalitionspartner nichts mit der CDU zu tun haben.
       
       Seinen Höhepunkt fand das in einer Aussage von Raed Saleh, damals wie heute
       SPD-Fraktionsvorsitzender, [3][bei einer Klausurtagung vier Wochen vor der
       Wahl]. Der sah seine SPD auf Gewinnerkurs, wies aus dem Raum und sagte:
       „Und da irgendwo schleicht der Herr Wegner von der CDU – der einsame Kai.“
       
       Einen Monat später kam die CDU auf 28,2 Prozent, die SPD musste froh sein,
       mit bloß 18,4 Prozent minimalst vor den Grünen auf Platz zwei zu liegen –
       und „der einsame Kai“ wurde Ende April Regierender Bürgermeister.
       
       Dass sich das wiederholt, deutet sich zwar gerade nicht an. Aber das war
       eben 2023 nicht anders. Die definitiv letzten 100 Tage sind es ab diesem
       Samstag darum nur bis zum Wahlabend.
       
       12 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Abgeordnetenhauswahl-am-20-September/!6182473
 (DIR) [2] https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/berlin.htm
 (DIR) [3] /Berliner-Abgeordnetenhauswahl-2023/!5906103
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Wahlen in Berlin
 (DIR) Kai Wegner
 (DIR) Abgeordnetenhaus
 (DIR) Blackout
 (DIR) CDU Berlin
 (DIR) Schwerpunkt Wahlen in Berlin
 (DIR) Schwerpunkt Wahlen in Berlin
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Wechselstimmung in Berlin: Die Zeit von Kai Wegner ist abgelaufen
       
       Nur noch 17 Prozent der Berlinerinnen und Berliner wollen CDU wählen. Wer
       auf ein Linksbündnis hofft, sollte sich trotzdem nicht zu früh freuen.
       
 (DIR) Abgeordnetenhauswahl am 20. September: CDU nach drei Jahren: „Der Anfang ist gemacht“
       
       „Berlin wird“, überschreibt die Berliner CDU ihr Wahlprogramm. Dabei
       regiert ihr Landeschef und Spitzenkandidat Kai Wegner doch schon seit 2023.
       
 (DIR) Abgeordnetenhauswahl in Berlin: Wackelkandidat oder Spitzenkandidat?
       
       Die CDU will Kai Wegner trotz Pannen und Umfrage-Misere zum
       Spitzenkandidaten küren. Doch Wegner könnte sich selbst eine Stolperfalle
       gestellt haben.
       
 (DIR) Spitzenkandidatenrunde zur Wahl: Doch nicht auf dem Tennisplatz
       
       SPD-Spitzenmann Krach wollte CDU-Regierungschef Wegner schon beim Sport
       suchen. Nun trafen sie sich doch auf einem Podium mit anderen
       Spitzenleuten.