# taz.de -- Klimaschutzziele in Bremen: Das Unmögliche angehen
> Die Deutsche Umwelthilfe will Bremen zwingen, mehr für die Erreichung der
> Klimaziele zu tun. Noch seien längst nicht alle Maßnahmen ausgeschöpft.
(IMG) Bild: Lücken im Netz: Bisher gibt es in Bremen noch keine Straßenbahnen in die Überseestadt, nach Osterholz und Woltmershausen
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) droht dem Bremer Senat wegen seiner
Klimapolitik mit einer Klage: Sollte das Land nicht bis Mitte Juli einen
Plan vorlegen, wie man die eigenen Zwischenziele bis 2030 erreichen will,
würde man den Senat vor Gericht dazu zwingen, kündigte die DUH vergangene
Woche an.
Bremen möchte bis 2038 quasi klimaneutral werden und 95 Prozent seiner
Emissionen gegenüber dem Stand von 1990 einsparen. Bis 2030 sollen bereits
Einsparungen von 60 Prozent geschafft sein. Doch schon dafür sieht es nicht
gut aus: 2024 waren nach vorläufiger Schätzung erst 36,6 Prozent erreicht.
Dass das kleinste Bundesland also seine Ziele bis 2030 wohl nicht erreicht,
ist keine ganz neue Nachricht. Schon Ende März lagen die vorläufigen
CO₂-Bilanzen für 2024 vor, [1][und zwei Gutachten attestierten dem Land,]
dass die bisher ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichend seien.
Offiziell bestätigt ist diese Erkenntnis indes noch nicht: Dabei sieht das
Bremer Klimaschutzgesetz vor, dass der Senat, zwei Monate nach
Veröffentlichung der CO₂-Bilanz, eine Bewertung vornimmt – und dann im
Zweifel förmlich vor der Bürgerschaft eingesteht, nicht auf dem rechten
Pfad zu sein. Um dieses klare Statement hat sich Umweltsenatorin Henrike
Müller (Grüne) bisher gedrückt, sie sprach nur weiterhin von
„ambitionierten Zielen“. Auf das Eingeständnis folgte die Verpflichtung für
ein neues Maßnahmenpaket – dies will nun die DUH bis Ende Juli erzwingen.
## Ziele sind unerreichbar
In der Umweltbehörde versichert man, längst gemeinsam mit den anderen
senatorischen Behörden einen neuen Plan auszuarbeiten und abzustimmen. „Wir
haben ja schließlich schon gerechnet mit einer Klage der DUH“, sagt eine
Sprecherin des Ressorts. „Das ist keine Überraschung, wenn man sich
[2][deren Klagen in anderen Bundesländern und im Bund] anschaut“.
Das Deprimierende vorweg: Was auch immer der Senat tut, es wird nicht
reichen. Das klare Reduktionsziel, die vorgeschriebenen
Controlling-Mechanismen, die angedrohte Klage, sie alle täuschen bei
oberflächlicher Betrachtung darüber hinweg, dass Bremen sein eigenes
Klimaschutzziel aus eigener Kraft gar nicht erreichen kann. Das Stahlwerk
zeigt das exemplarisch: es ist für 50 Prozent der CO₂-Emissionen des Landes
verantwortlich. Land und Bund hatten Fördergelder zum klimagerechten Umbau
bereitgestellt – doch die [3][Betreiber entschieden sich dagegen.] Die
weiteren Möglichkeiten des Landes, diese Emissionen noch zu beeinflussen,
sind extrem begrenzt.
Selbst wenn man das Stahlwerk und einige andere Großverbraucher der
Industrie herausrechnet, bleibt es dabei: Viele Entscheidungen, die etwa
den Strommix beeinflussen oder die Zahl an Verbrennerautos auf Bremer
Straßen, werden auf Bundes- oder EU-Ebene getroffen. Laut einem
[4][Gutachten des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg
(IFEU)] können nicht einmal ein Viertel der Emissionen durch das Land und
die beiden Städte adressiert werden.
Dem gesetzten Ziel kann man sich also bestenfalls annähern. Dafür aber gibt
es durchaus noch Potenzial: Knapp die Hälfte seiner Möglichkeiten schöpfe
Bremen bisher aus, schreiben die Gutachter an einer Stelle. „Kein
Bundesland kann die eigenen Klimaziele aus eigener Kraft erreichen“, so
Philipp Bruck, klimapolitischer Sprecher der Fraktion der Grünen. „Aber das
heißt nicht, dass jetzt alles egal ist. Wir müssen uns daran messen lassen,
ob wir die eigenen Möglichkeiten ausschöpfen.“
## Uneinigkeit um Parkgebühren
Die Deutsche Umwelthilfe macht selbst Vorschläge, wo gespart werden kann:
Zum einen mahnt sie ein Sanierungsprogramm für öffentliche Gebäude an; auch
das IFEU und der Klima-Sachverständigenrat der Bürgerschaft hatten das als
besonders wirkungsstarke Maßnahme identifiziert. Zudem bringt
DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch zwei Maßnahmen aus dem Bereich Verkehr ins
Spiel: den Ausbau des ÖPNV und eine flächendeckende
Parkraumbewirtschaftung.
Die Maßnahmen haben einige Vorteile: Die Sanierung des öffentlichen
Gebäudebestands hat das Land selbst in der Hand und kann damit direkte
Einsparungen erzielen. Gebäudesanierung gilt außerdem als sogenannte „No
regret“-Maßnahme, also als Schritt ohne Bedauern. Nicht nur aus
klimapolitischer Sicht, sondern auch finanziell lohnt sie sich. Der
ÖPNV-Ausbau ist ohnehin politisch verabredet. Und die
Parkraumbewirtschaftung kommt nicht nur ohne zusätzliche Finanzmittel aus –
sondern bringt Kommunen sogar Geld ein.
Unumstritten sind sie trotzdem nicht in der Koalition; sowohl Linke als
auch Grüne stellen sich auf Nachfrage hinter die Parkraumbewirtschaftung,
die SPD schweigt lieber – mit Verweis auf die Gespräche in den Behörden.
Das SPD-geführte Verkehrsressort und zuvor schon die SPD-geführte
Innenbehörde als Heimat des Ordnungsamts [5][wehren sich seit Jahren gegen
eine flächendeckende Einführung von Bewohnerparken.]
Im Verkehrsressort hofft man für die Klimaziele eher auf die Antriebswende
– also eine Umstellung auf E-Mobilität. Ein Punkt allerdings, der von
Bremen aus kaum zu beeinflussen ist, kritisieren die Grünen: „Wir als
Städte Bremen und Bremerhaven [sollten] vor allen Dingen die Dinge tun, die
wir selbst maßgeblich beeinflussen können“, schreibt Ralph Saxe,
verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion.
Eine ganze Reihe an Maßnahmen zählt er dazu auf: Planungen für eine
Straßenbahn in die Überseestadt, nach Osterholz und Woltmershausen. Auch
die CDU-Idee einer Seilbahn über die Weser findet Saxe attraktiv; der
ticketlose ÖPNV, Carsharing, eine schnellere Umsetzung der Radpremiumrouten
und auch die flächendeckende Parkraumbewirtschaftung nennt er.
Einfach und schnell umsetzbar sind allerdings nicht alle Maßnahmen. Denn
anders als die Parkraumbewirtschaftung kosten etwa der Ausbau von ÖPNV und
die Sanierung von öffentlichen Gebäuden erst einmal Geld. Für Muhlis
Kocaağa, klimapolitischer Sprecher der Linken, die entscheidende Hürde, um
den ansonsten „wirksamem Aktionsplan Klima“ umzusetzen.
Die Umwelthilfe mahnt das Land Bremen daher, die Möglichkeiten des
Strukturpakets für den Klimaschutz zu nutzen. Neben dem Sondervermögen des
Bundes bekommen die Länder damit die Möglichkeit, sich selbst im geringen
Umfang zu verschulden. Bis zu 150 Millionen Euro im Jahr stehen dadurch für
Bremen zusätzlich zur Verfügung, für Städte und Land zusammen. Ein Urteil
des Bremer Staatsgerichtshofs von Oktober hat dem [6][Land aufgetragen,
neue Schulden für den Klimaschutz] einzusetzen. Doch das Geld aus der
Neuverschuldung ist nicht zweckgebunden – in einem armen Land mit vielen
Problemen gibt es für die 150 Millionen Euro viele weitere
Begehrlichkeiten.
15 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Bremer-Klimaschutzziele-in-Gefahr/!6164014
(DIR) [2] /Deutsche-Klimaschutzziele/!6177010
(DIR) [3] /Bremer-Stahlwerk-wird-nicht-umgeruestet/!6091749
(DIR) [4] https://umwelt.bremen.de/sixcms/media.php/13/Evaluation_Aktionsplan_Endbericht_03_2026_ifeu.pdf
(DIR) [5] /Bremens-SPD-und-Gruene-im-Streit/!5917462
(DIR) [6] /Verfassungsklage-gegen-Bremer-Haushalte/!6123358
## AUTOREN
(DIR) Lotta Drügemöller
## TAGS
(DIR) Senat Bremen
(DIR) Bremen
(DIR) Klimaschutz
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Verkehrswende
(DIR) Deutsche Umwelthilfe
(DIR) grüne Mobilität
(DIR) Bremen
(DIR) grüne Mobilität
(DIR) Straßenbahn
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Volksbegehren für Mobilität in Bremen: Gegen das Auto und trotzdem für alle
Bremer Initiative „Einfach Unterwegs“ hat im ersten Schritt für weniger
Autos auf der Straße 7.000 Unterschriften eingereicht. Jetzt wird es
schwerer.
(DIR) Bremer Klimaschutzziele in Gefahr: Schuld sind nicht nur die Anderen
Die Bremer Klimaschutzziele sind kaum noch erreichbar. Die Grünen verweisen
auf die Bundesregierung – doch Gutachten zeigen auch Versäumnisse vor Ort.
(DIR) Volksentscheid „Gute Mobilität für alle“: Weniger Autos sind machbar
Endlich Verbindlichkeit: Ein Volksentscheid im Land Bremen soll die beiden
Städte auf die Verkehrswende festnageln. Der Gesetzesentwurf liegt jetzt
vor.
(DIR) Volksentscheid geplant: Bremer Bündnis will Verkehrswende erzwingen
Mit der Initiative „Einfach Unterwegs“ soll sichergestellt werden, dass der
rot-grüne Senat seinen Verkehrsentwicklungsplan tatsächlich umsetzt.