# taz.de -- Bremer Klimaschutzziele in Gefahr: Schuld sind nicht nur die Anderen
       
       > Die Bremer Klimaschutzziele sind kaum noch erreichbar. Die Grünen
       > verweisen auf die Bundesregierung – doch Gutachten zeigen auch
       > Versäumnisse vor Ort.
       
 (IMG) Bild: Hatten mal für Aufwind in Sachen Klima gesorgt: Fridays for Future, hier bei einer Demo 2025 in Bremen
       
       Bremen wird seine Klimaziele für 2030 nicht einhalten. Das hatte ein
       Gutachten des Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung
       (IFEU) schon vor einem Monat ergeben. 60 Prozent der Emissionen gegenüber
       1990 wollte man bis dahin einsparen – maximal möglich werden wohl 40 bis 45
       Prozent Einsparung sein. Das große Ziel der Klimaneutralität für 2038 ist
       damit mindestens in Gefahr. Das hat nun die Grünen dazu veranlasst, eine
       Aktuelle Stunde zum Thema ins Leben zu rufen.
       
       Man brauche jetzt ein „Sofortprogramm, um auf die drohende Zielverfehlung
       zu reagieren“, forderte Philipp Bruck, klimapolitischer Sprecher der
       Fraktion. Betonen tut er dann jedoch erst mal die Verantwortung der
       anderen: Einen großen Teil der Redezeit nutzt Bruck, um Versäumnisse im
       Klimaschutz bei der aktuellen Bundesregierung anzumahnen.
       
       Die größten Möglichkeiten zur CO₂-Einsparung liegen tatsächlich nicht in
       der Macht Bremens. Eine riesige Treibhausgassenkung hatte man sich von der
       Umstellung des Stahlwerks auf die Produktion mit grünem Wasserstoff
       versprochen. Die Fördergelder für den Umbau waren von Bund und Land
       bereitgestellt und von der EU bewilligt worden – allein das Unternehmen
       [1][beschloss trotzdem, lieber konventionell weiterzumachen.]
       
       Das Stahlwerk allein ist für 50 Prozent der CO₂-Emissionen des Landes
       verantwortlich. „Natürlich kann Bremen die Klimaziele nicht erreichen, wenn
       diese 50 Prozent so bleiben“, so Muhlis Kocaaga (Linke). Um überhaupt noch
       sinnvoll Fortschritte bewerten zu können, lassen einige Rechnungen das
       Stahlwerk außen vor. Das hilft, sich auf das zu konzentrieren, was
       prinzipiell erreichbar ist.
       
       ## Rückenwind für Klimapolitik gab es
       
       Denn es gibt sie ja, die Aspekte, die Bremen auf kommunaler und Landesebene
       beeinflussen kann: Die Wärmewende ist ein wichtiger Punkt, die energetische
       Sanierung von Gebäuden und die Mobilität. Doch auch dort fehlt es an
       Erfolgen. Viele der möglichen Maßnahmen werden zwar irgendwie angegangen,
       urteilen die Gutachter der IFEU – [2][aber nicht ambitioniert genug.]
       
       Die Grünen stellen in Bremen seit 2007 durchgängig den Umweltsenator. Die
       Umstände für ehrgeizige Klimapolitik waren nicht schlecht: Ab 2008 begann
       die erste sogenannte Verpflichtungsperiode zur Treibhausgassenkung des
       Kyoto-Protokolls. 2015 schrieb das Pariser Klimaabkommen ehrgeizigere
       Klimaziele vor. Auch Fridays for Future konnten ab 2019 politischen Aufwind
       geben.
       
       Tatsächlich einigten sich in der Bremer Klima-Enquetekommission alle
       Fraktionen auf das ehrgeizige Landesziel der Klimaneutralität bis 2038,
       obwohl die Enquetekommission auch vorgerechnet hatte, wie anspruchsvoll
       diese Aufgabe werden würde. „Sie hatten volle Gestaltungsfreiheit“,
       kritisiert Martin Michalik, der klimapolitische Sprecher der CDU-Fraktion.
       „Und was machen Sie? Sie bauen LNG-Terminals und holen Fracking-Gas
       hierher. Das ist Ihre Umweltpolitik.“
       
       Das Gutachten der IFEU sei eine deutliche Quittung, so Michalik weiter:
       „Selbst wenn die Rahmenbedingungen im Bund und bei der EU perfekt wären,
       würden Sie die Ziele nicht erreichen.“ Bewertet werden im Gutachten jeweils
       auch die Ambitionsniveaus der einzelnen Maßnahmen. Im Bereich der Energie
       und Abfallwirtschaft etwa schöpfe das Land seine Möglichkeiten nur zu 20
       Prozent aus. Besonders schlecht sei das Land Bremen bei der erneuerbaren
       Stromerzeugung oder der Abwasserreduktion, mit Ergebnissen von 6 und 0
       Prozent.
       
       Parallel zur Einschätzung des IFEU-Instituts hat auch der Bremer
       Sachverständigenrat, den die Bürgerschaft 2024 ins Leben gerufen hat, die
       Maßnahmen des Bremer Klimaaktionsplans bewertet. Sein Zeugnis fällt auf den
       ersten Blick gar nicht schlecht aus: Viele Vorschläge der Klima-Enquete
       würden bereits umgesetzt. Im Bereich Gebäude und Wohnen etwa gibt es viele
       hellgrün unterlegte Einzelfelder, jedes ein mildes Lob an die Bemühungen
       der Stadt.
       
       Ein wichtiger Sektor, etwa 10 Prozent der Emissionen des Landes werden
       direkt im Gebäudesektor verursacht. Doch die entscheidenden Erfolge in dem
       Bereich fehlen trotz des Lobs: Die Sanierungsrate müsse dringend gesteigert
       werden, urteilen auch die Sachverständigen. Die [3][energetische
       Sanierungsrate betrug 2021 1,35 Prozent] – um die Ziele bis 2030 zu
       erreichen wären wohl 3,2 Prozent nötig.
       
       Interessanter als Lob für das Erreichte sind deshalb die Versäumnisse: Der
       Senat habe aus personellen Gründen noch nicht einmal damit begonnen, die
       Strategie zur energetischen Gebäudesanierung zu entwickeln. Ein
       Beratungsangebot, um Wohnraumpotenziale im Bestand zu heben, habe ebenfalls
       noch nicht begonnen. Und: Bei Ausschreibungen würden zwar mittlerweile
       Klimaschutzziele berücksichtigt – aber nur in der Stadt Bremen, und auch
       nur vage formuliert.
       
       Ein anderes wichtiges Feld ist: die Wärmeplanung. Bremen hat hier zuletzt
       die Planungen weit vorangetrieben. Aber die konkrete Umsetzung hapert: Die
       Sachverständigen sehen die Finanzierung noch nicht geklärt, und der
       benötigte Flächenbedarf sei zwar dargestellt – aber konkrete Lösungen, um
       die Flächen zu bekommen, seien noch nicht gefunden.
       
       Im Verkehrssektor liest sich der Bericht auch nur auf den ersten Blick
       positiv. Mit dem Ausbau von Fuß- und Radwegen und einer Angebotsoffensive
       im ÖPNV gebe es zwar viele sinnvolle Maßnahmen. Aber die Sachverständigen
       mahnen: Ein besseres Angebot allein reicht nicht, um den Autoverkehr
       ausreichend zu reduzieren. Dafür werden auch ein paar Entscheidungen
       fällig, die Autofahrer*innen das Leben etwas schwerer machen. Eine
       Parkraumbewirtschaftung könne man sofort einführen, mit den höheren
       Einnahmen durch Parkgebühren den ÖPNV weiter stützen – das aber werde nicht
       ausreichend vorangetrieben.
       
       Vor einer Woche hat das Bündnis „Einfach unterwegs“ seine
       [4][Volksinitiative für eine verbindliche Verkehrswende vorgestellt.]
       Sollten die ersten 5.000 Stimmen dafür zustande kommen, muss der Senat
       nicht warten, ob es auch für ein Volksbegehren ausreichend Unterschriften
       gibt: Sie könnten die Vorschläge auch einfach übernehmen und in ein eigenes
       Gesetz gießen. Vielleicht macht der eigene Ruf nach einem
       „Klimasofortprogramm“ der Koalition ja Lust darauf.
       
       21 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Zukunft-des-Bremer-Stahlwerks/!6092871
 (DIR) [2] https://sd.bremische-buergerschaft.de/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZa84iL-fr9c9cSa0cHlRljMCFCpR45p5qZnOn-q9MGnN/Praesentation_der_Wirkungsanalyse_des_ifeu_-_Anlage_2.pdf
 (DIR) [3] https://www.bremische-buergerschaft.de/dokumente/wp20/land/drucksache/D20L1446.pdf
 (DIR) [4] /Volksentscheid-Gute-Mobilitaet-fuer-alle/!6160896
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lotta Drügemöller
       
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