# taz.de -- Lobbyismus in der EU: Konzerne und Verbände verdoppeln Lobbygelder
> Akteure aus Big Tech, Finanzen, Energie und Chemie geben immer mehr Geld
> aus, um EU-Politik zu beeinflussen – vielfach erfolgreich, warnt
> Lobbycontrol.
(IMG) Bild: LobbyControl fordert strengere Regeln für das EU-Transparenzregister, damit Lobbyausgaben besser nachvollzogen werden können
Unternehmen und Wirtschaftsverbände haben vergangenes Jahr eine neue
Rekordsumme für ihren Einfluss in der EU ausgegeben. Das ergibt [1][eine
Auswertung der Organisationen LobbyControl und Corporate Europe
Observatory] von Donnerstag.
Demnach gaben die 173 größten Akteure mit jeweils mehr als einer Million
Euro Lobbybudget insgesamt 382 Millionen aus, um EU-Politik zu beeinflussen
– fast doppelt so viel wie 2020. Die Zahlen basieren auf den Angaben der
Unternehmen und Verbände im Transparenzregister der EU. Die
Analyst*innen haben hier jeweils den niedrigsten Wert der angegebenen
Spanne für ihre Berechnungen genommen.
Vicky Cann vom Corporate Europe Observatory warnt vor dem wachsenden
Einfluss mächtiger Konzerne, die zunehmend EU-Politik vereinnahmten,
während die Öffentlichkeit außen vor bliebe. „All das geschieht mitten in
der größten Deregulierungswelle, die es in der EU je gegeben hat“, so Cann.
Die EU-Kommission unter Präsidentin von der Leyen hat seit 2024 eine Reihe
von Abschwächungen zentraler Regulierungen und Vorhaben zu Verbraucher-,
Menschenrechts- und Nachhaltigkeitsvorgaben durchgesetzt, etwa im Bereich
von unternehmerischen Sorgfaltspflichten, Chemikalien oder Digitalpolitik.
## Big Tech gibt 73 Millionen Euro für Lobbying aus
Die höchsten Ausgaben machte der Analyse zufolge [2][die Tech-Industrie]
mit etwa 73 Millionen Euro. Meta und Apple gaben jeweils 10 Millionen,
Amazon 9 Millionen Euro aus.
Die Energiebranche investierte mindestens 52 Millionen Euro in ihre
Lobbyarbeit. Hier dominierten etwa der Ölkonzern Shell und der Verband
Hydrogen Europe mit jeweils 4,5 Millionen. Sie dürften sich über
vereinfachte Genehmigungen von Technologien der Kohlenstoffabscheidung und
-speicherung (CCS) oder fossilem Wasserstoff gefreut haben.
Auch die Chemielobby lag mit jährlichen Ausgaben von mindestens 46,5
Millionen Euro weit vorn. Der Branchenverband Cefic gab knapp 12 Millionen
aus, die Chemiekonzerne Bayer und BASF jeweils 6 Millionen.
Lobbycontrol fordert von der EU-Kommission, der Industrielobby nicht länger
„privilegierten Zugang“ zu gewähren. Außerdem müsse das
EU-Transparenzregister genauer und strenger kontrolliert werden.
11 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.lobbycontrol.de/wp-content/uploads/REPORT-LOBBY-LEAGUE_2026.pdf
(DIR) [2] /Stark-steigende-Lobbyausgaben/!6124825
## AUTOREN
(DIR) Leila van Rinsum
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