# taz.de -- Krieg in Iran und Libanon: Eskalation für einen Deal
       
       > Die Angriffe der USA und Israels nehmen wieder zu, sowohl in Iran wie im
       > Libanon. Welches Kalkül steckt dahinter?
       
 (IMG) Bild: Zelt und Käfig: Ein vertriebener Junge, der mit seiner Familie aus seinem Dorf im Südlibanon fliehen musste
       
       Iran brauche zu lange, um einen Deal auszuhandeln, erklärt US-Präsident
       Donald Trump am Mittwoch auf seinem Netzwerk Truth Social. „Jetzt werden
       sie den Preis dafür bezahlen“, so der US-Präsident. Werden die USA den
       Krieg nun wieder hochfahren, vermehrt in der Islamischen Republik
       angreifen? Woher der Sinneswandel? Hatte Trump doch wiederholt erklärt, ein
       Deal zwischen Iran und USA sei ganz nah? Und was könnte das für die Region
       bedeuten?
       
       Eine Eskalation zeichnete sich bereits am Dienstag ab. [1][Da hatte Iran
       Berichten zufolge einen Helikopter des US-Militärs abgeschossen, der über
       der Straße von Hormus im Einsatz war.] Die beiden Piloten seien unverletzt
       geblieben, erklärte Trump. Laut dem Netzwerk CNN hatte wohl eine iranische
       Schahed-Drohne den Helikopter vom Typ Apache getroffen.
       
       Dieser wird vor allem für „präzise Angriffe, Luftunterstützung und
       Aufklärung“ eingesetzt, schreibt CNN, und habe wohl die kleinen Boote der
       iranischen Revolutionsgarden in der Straße von Hormus angreifen sollen.
       Diese wurden dort verschiedenen Berichte zufolge in den vergangenen Monaten
       auch zum Legen von Minen eingesetzt.
       
       In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hatte das US-Militär daraufhin in
       Iran angegriffen. Nur einen Tag, [2][nachdem US-Präsident Donald Trump
       Medienberichten zufolge Israel angewiesen hatte, seine Angriffe auf Iran
       wieder einzustellen.] Die US-Angriffe galten dem zuständigen
       Militärkommando Centcom zufolge der iranischen Luftabwehr sowie
       Radaranlagen zur Überwachung und anderer militärisch genutzter Stätten.
       
       ## Trinkwasserversorgung angegriffen
       
       Laut Berichten iranischer Staatsmedien trafen die Angriffe aber auch zwei
       Wasserreservoire – und damit die Trinkwasserversorgung tausender
       Iranerinnen und Iraner. Iran griff daraufhin wiederum in Bahrain, Kuwait
       und Jordanien an, Berichten zufolge waren Basen des US-Militärs das Ziel.
       Die USA erklärten schließlich, die Angriffe in Iran seien eine
       „proportionale Antwort“ auf jüngste iranische Angriffe auf das US-Militär.
       
       Die jüngste Eskalationsschleife begann Anfang der Woche an einem anderen
       Schauplatz desselben Großkonflikts: Israels Militär griff zum ersten Mal
       seit Wochen Libanons Hauptstadt Beirut an, daraufhin schickte Iran Raketen
       gen Nordisrael, die von Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen eine Rakete
       auf Zentralisrael.
       
       Israel attackierte daraufhin in Iran, Berichten zufolge unter anderen
       Raketenabschussstellen und eine Petrochemie-Anlage. Trump warnte dann
       Israel, das brach seine Angriffe ab. Auch Iran erklärte, vorerst die
       Angriffe zu beenden. Israels Armeechef Eyal Zamir erklärte später, dass
       Israel eigentlich einen „signifikanteren und schwereren Schlag“ gegen Iran
       geplant hatte.
       
       Der Krieg im Libanon, wegen dessen Eskalation Teheran eigener Aussage
       zufolge in Israel angriff, läuft derweil unvermindert weiter. Am Dienstag
       veröffentlichte das Militär für die gesamte Stadt Sour im Südlibanon die
       Aufforderung zu fliehen. Normalerweise leben dort über 150.000 Menschen,
       der Großteil der Stadt war aber schon länger zur No-go-Zone erklärt worden.
       Nun muss auch die Altstadt, in der bislang viele Christinnen und Christen
       lebten, verlassen werden.
       
       Eine junge Frau, die anonym bleiben möchte, hatte dort den gesamten Krieg
       über ausgeharrt – bis zum Dienstag. Nun übernachtet sie in einer zur
       Notunterkunft umfunktionierten Schule in der Hauptstadt Beirut. „Shit
       life“, schreibt sie. Und hofft, dass der Krieg bald endet.
       
       Das Gegenteil könnte der Fall sein. Mit den israelischen Angriffen, so
       interpretiert es der Analyst und Ex-Spion Aimen Dean, habe man Teheran
       gewissermaßen klar gemacht, dass der Krieg im Libanon und der Krieg in Iran
       separat verhandelt werden. Denn Teheran hatte Anfang Juni die Verhandlungen
       mit Washington aufgrund des anhaltenden Kriegs im Libanon unterbrochen.
       
       [3][Dort kämpfen die von Iran unterstützte Miliz Hisbollah und das
       israelische Militär miteinander], die Folgen sind vor allem für
       libanesische Zivilistinnen und Zivilisten, aber auch für Israelis im Norden
       des Landes dramatisch. Doch nachdem Teheran auf den Angriff in Südbeirut
       durchaus heftig reagiert hatte, blieben weitere Angriffe oder Drohungen
       nach dem weiteren Vorgehen in Sour bislang aus.
       
       Es ist also möglich, dass Washington daraus schließt: Angriffe gegen Iran
       bauen eben doch Druck auf. Und nun weitere in Erwägung zieht – um Druck für
       einen Deal aufzubauen. Laut Al-Arabiya soll Trump über Angriffe auf die
       Infrastruktur des Landes nachdenken. Gleichzeitig berichtet die
       Nachrichtenagentur Reuters: Eine diplomatische Delegation aus Katar sei
       nach Teheran gereist, um weiter an einem Deal zu arbeiten.
       
       Die Region befindet sich also weiterhin in einem Schwebezustand. Waren die
       Luftalarme in Israel am Montag nur ein Vorgeschmack? Mohammad Hejazi
       studiert in Deutschland und besucht derzeit seine arabisch-israelische
       Familie in der nördlichen Stadt Tamra. Im Krieg im vergangenen Jahr tötete
       dort eine iranische Rakete drei Frauen und ein jugendliches Mädchen. „Wir
       haben die Zerstörung und den Tod mit eigenen Augen gesehen“, sagt er.
       
       Seit dem Tod der vier Personen würden die Menschen in der Stadt die Gefahr
       durch den Krieg sehr ernst nehmen. Das Wohngebäude seiner Familie, sagt er,
       habe zum Glück einen Schutzraum. Die sind in den arabisch geprägten
       Gebieten Israels wie auch dem Westjordanland oft Mangelware. Er selbst muss
       für eine Uni-Prüfung zurück nach Deutschland, hat deshalb seinen Flug
       vorverlegt – und hofft, noch vor einem möglichen Kriegsbeginn das Land
       verlassen zu können. Falls der Krieg wieder ausbricht, würde der Flug wohl
       – so wie während der letzten heftigen Kriegsphase – storniert werden.
       
       Eine offene Frage ist außerdem: Was könnte Washington mit einem erneuten
       Ausbruch eines heißen Krieges mit Iran bewirken? Analyst Dennis Citrinowicz
       vom Institut for National Security Studies in Tel Aviv schreibt: Es gäbe
       wenig Grund zu der Annahme, dass erneute Angriffe Teheran dazu bringen
       würden, sich zu ergeben. Im Gegenteil: Ein erneuter Ausbruch des Krieges
       würde die Weltwirtschaft wieder in Mitleidenschaft ziehen, den Ölpreis
       erneut steigen lassen. Angriffe in Iran würden außerdem sicherlich
       Gegenangriffe nach sich ziehen – wahrscheinlich auch wieder in den
       arabischen Golfstaaten.
       
       Gleichzeitig ist es weiter unrealistisch, dass der von Trump geforderte
       Deal tatsächlich kommt. Das Regime ist geschwächt, aber weiter
       radikalisiert. Es gibt keine guten Optionen. Vor allem für die
       Zivilistinnen und Zivilisten in der Region.
       
       10 Jun 2026
       
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