# taz.de -- Gewalt im Westjordanland: Baby von israelischen Militärs erschossen
> Am Freitag haben Soldat:innen ein sieben Monate altes Baby erschossen.
> Die israelischen Streitkräfte bedauern den Vorfall und wollen ihn
> aufklären.
(IMG) Bild: Der Vater zeigt ein Handyfoto seines des sieben Monate alten Sohnes Sam, der am Freitag von israelischen Soldaten getötet wurde
Es war schon wieder ein Wochenende voller Gewalt in Israel und den
palästinensischen Gebieten. Am Freitag, der in arabischen Ländern als
erster Tag des Wochenendes gilt, fuhr der Wagen von Fahed Abu Haikal durch
das historische Viertel Tel Rumeida in [1][Hebron]. In dem Auto saßen neben
Abu Haikal seine Mutter, seine Ehefrau und ihre elf Jahre und sieben Monate
alten Kinder. Nach Angaben von Abu Haikals Bruder waren sie auf dem Weg zum
Haus der Mutter, die in Tel Rumeida lebt. Viele arabische Familien nutzen
den Freitag für Verwandtenbesuche. Doch dieser endete in einer Tragödie.
Eine Gruppe von israelischen Soldat:innen, die an einer Straße postiert
waren, bedeutete dem Fahrer, anzuhalten. [2][So erzählt es Abu Haikal der
israelischen Zeitung Haaretz.] Was danach passierte, ist umstritten. Sicher
ist, dass das sieben Monate alte Baby tot ist – erschossen von einem
israelischen Soldaten.
Der Vater erzählt, er habe sein Fahrzeug, wie von den Streitkräften
verlangt, gestoppt und die Hände über dem Steuer erhoben. Dann kam der
Schuss, der Abu Haikals Hand durchbohrte und dann den Körper seines Sohnes
auf dem Rücksitz. Das Baby war tot, die Mutter verwundet, die Familie unter
Schock. Noch sei es hell gewesen, die Soldaten standen etwa zehn Meter von
ihnen entfernt, die Fensterscheiben waren durchsichtig, erinnert er sich.
„Sie können mir nicht sagen, dass sie nicht gesehen haben, dass dies eine
Familie ist.“
Auf Nachfrage der taz schreibt das israelische Militär, die Soldaten hätten
einen Wagen wahrgenommen, der in ihre Richtung beschleunigt habe, und einen
Schuss abgefeuert. Es bestätigte, dass die Betroffenen unschuldige
Zivilist:innen waren und bedauerte das Leiden, das verursacht worden
sei. Der Vorfall werde aktuell untersucht und die Ergebnisse „den
zuständigen Behörden weitergeleitet“.
Der Vater des toten Kindes fordert, dass der verantwortliche Soldat vor
Gericht gebracht wird. „Ich werde nicht aufgeben“, sagt er. Ob sein Wunsch
Erfolg haben wird, ist ungewiss: Israelische Soldat:innen werden für die
Tötung von Palästinenser:innen selten angeklagt oder gar verurteilt.
Laut der israelischen Menschenrechtsorganisation Yesh Din liegt die
Wahrscheinlichkeit bei unter einem Prozent.
## In Hebron kommt es immer wieder zu gewalttätigen Vorfällen
Hebron ist die einzige palästinensische Stadt im Westjordanland, in der
[3][israelische Siedler:innen] neben Palästinenser:innen leben.
Daher sind israelische Soldat:innen in der Stadt stationiert. Immer
wieder kommt es zu gewalttätigen Vorfällen. Palästinenser:innen
beklagen, dass die vielen Checkpoints und plötzlichen Straßensperrungen
zugunsten der Siedler:innen ihnen einen normalen Alltag unmöglich
machten.
Auch am Samstag gab es im Westjordanland Gewalt gegen Palästinenser:innen:
Radikale Siedler griffen vier palästinensische Dörfer nahe Nablus im
Westjordanland an. In Huwara, das bereits oft im Mittelpunkt von Gewalt
stand, wurden acht Palästinenser verletzt. Ein Video zeigt, dass vier
Siedler und ein israelischer Soldat zwei Männer mit Händen und Knüppeln
zusammenschlagen. Mindestens einer der Männer war kurz zuvor aus einem
Wagen gezerrt worden. Die Männer schreien. Der Soldat schlägt und tritt auf
den am Boden liegenden Mann ein. Einer der Siedler, der ein Gewehr um die
Schulter trägt, zieht den Soldaten nach einer Weile weg.
Das Militär erklärt auf Nachfrage, es wolle das Mitglied der Streitkräfte
identifizieren und Disziplinarmaßnahmen einleiten. Das Verhalten im Video
sei schlimm und entspreche nicht den Werten des israelischen Militärs.
Nach ersten Rekonstruktionen haben die gewalttätigen Siedler Wohnhäuser und
Fahrzeuge attackiert, unter anderem mit Steinen. Auch Vieh soll gestohlen
worden sein. Das Militär gibt seinerseits an, dass seine Streitkräfte das
Dorf aufsuchten, nachdem es Berichte über Viehdiebstahl durch Palästinenser
gegeben habe. Daraufhin seien mehrere „Randalierer“ in die Gegend gekommen
und Auseinandersetzungen zwischen Zivilist:innen ausgebrochen. Mehrere
Palästinenser seien verletzt worden. Die Militärs hätten die Krawalle
bekämpft. Untersuchungen liefen gerade.
Kamal al-Jaber, einheimischer Ratsvorsitzender, sagte Journalist:innen,
dass zwischen 100 und 150 Siedler an den Angriffen beteiligt gewesen waren.
Sie hätten Ställe und Häuser gestürmt. „Es sind bekannte Gruppen, die wie
Gangs handeln.“ Laut al-Jaber hätten Soldat:innen die
Palästinenser:innen daran gehindert, sich den Israelis zu nähern.
Drei Menschen hätten Schussverletzungen bei den Auseinandersetzungen mit
den Siedlern erlitten. Andere sind laut dem Roten Halbmond durch Tränengas
und Gummigeschosse verletzt worden.
Und die Gewalt nimmt kein Ende: Am Sonntag hat ein Mann in Zentralisrael,
in der Nähe von Kochav Yair an der Grenze zum Westjordanland, das Feuer auf
Zivilist:innen eröffnet. Laut Medienberichten stammte der
israelisch-arabische Mann aus dem Dorf Taibeh. Der Angreifer, der von
israelischen Sicherheitskräften getötet wurde, hatte von seinem Wagen
heraus an mehreren Orten auf Passant:innen geschossen. Ein etwa
30-jähriger Mann ist dabei gestorben, mehrere Menschen wurden verletzt. Die
Polizei sucht gerade nach möglichen Mittätern und führt Razzien in Taibeh
durch.
7 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Siedlungsausbau-in-Hebron/!6126954
(DIR) [2] https://www.haaretz.com/west-bank/2026-06-06/ty-article/.premium/father-of-palestinian-infant-shot-dead-by-idf-i-stopped-then-they-opened-fire/0000019e-9c01-da37-a19f-de8b83e60000
(DIR) [3] /EU-Sanktionen-gegen-israelische-Siedler/!6182889
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