# taz.de -- WM-Verbot für somalischen Schiri: Die Oberschiedsrichter
       
       > Die US-Behörden verweigern dem somalischen WM-Schiedsrichter Omar Artan
       > die Einreise. Die Fifa schwärmt weiter vom inklusivsten Turnier aller
       > Zeiten.
       
 (IMG) Bild: Im Einsatz beim Afrika-Cup: Omar Artan pfeift die Partie zwischen Gabun und der Elfenbeinküste
       
       Sollte noch irgendjemand Zweifel gehabt haben, wer denn bei der kommenden
       Fußball-Weltmeisterschaft die Oberschiedsrichter sein werden, weiß
       spätestens seit Montagabend Bescheid: die Staatsbehörden der USA natürlich.
       Die verweigerten nämlich, wie am Montag bekannt wurde, dem von der Fifa
       nominierten somalischen Schiedsrichter Omar Artan die Einreise.
       
       „Aufgrund von Bedenken im Rahmen der Sicherheitsüberprüfung“, wie die
       Grenzschutzbehörde CBP mitteilte. Genaueres war nicht in Erfahrung zu
       bringen. Ein Visum erhalten somalische Staatsbürger aufgrund eines Dekrets
       von US-Präsident Donald Trump sowieso nicht. Somalia hatte Artan deshalb
       mit einem Diplomatenpass ausgestattet. Geholfen hat selbst das nichts.
       
       Die US-Behörden können also die Spielregeln dieser WM diktieren. Das räumte
       letztlich auch die Fifa mit ihrem resignativ-unterwürfigen Statement ein,
       man sei nicht an den Verfahren zur Einwanderung beteiligt.
       
       Am Wochenende hatte [1][Fifa-Präsident Gianni Infantino] bereits in Miami
       die nominierten 170 Schiedsrichter, Schiedsrichterassistenten und
       Videospieloffiziellen persönlich begrüßt. In rosa Trikots, den Farben der
       Stadt, stellte sich die Elite der Unparteiischen gemeinsam mit Infantino
       zum Gruppenfoto auf.
       
       [2][Infantino hieß die „Besten der Besten“ willkommen.] Und ein Hinweis war
       ihm wichtig: „Sie haben jahrelang darauf hingearbeitet, für die größte
       Fußball-WM aller Zeiten bereit zu sein. Und hier sind sie nun in diesen
       großartigen Anlagen in Miami.“ Dass da einer der Besten trotz langjährig
       erworbener Meriten fehlte, verschwieg Infantino zu diesem Zeitpunkt.
       Offenkundig wollte er bei den Oberschiedsrichtern nicht als Nörgler
       unangenehm auffallen.
       
       ## Historische Berufung
       
       Zum Schiedsrichter des Jahres wurde [3][Omar Artan 2025] vom afrikanischen
       Fußballverband gekürt. In diesem Jahr pfiff er auch ein Finalspiel der
       afrikanischen Champions League. Seine WM-Nominierung wurde als historisch
       gefeiert, weil er als erster Somalier an solch einem Turnier teilnehmen
       sollte. Das Nationalteam konnte sich nie für eine WM qualifizieren. Der
       somalische Präsident Hassan Sheikh Mohamud bezeichnete den 34-Jährigen
       deshalb auch als „Inspirationsquelle für die neue Generation von Somalis“.
       
       Nach Angaben des iranischen Fußballverbands wurde bereits 15 Funktionären
       die Einreise in die USA verweigert. Deren Fans dürfen ohnehin nicht ins
       Land. Dies bleibt auch Anhängern aus Haiti, Senegal und der Elfenbeinküste
       verwehrt. Der Internationale Sportjournalisten-Verband Aips beklagt, dass
       auch etliche Reporter aus afrikanischen Ländern zu Hause bleiben müssen.
       „Die Fälle sind zahllos und nicht zu akzeptieren“, schrieb Aips-Chef Gianni
       Merlo an die Fifa und forderte den Weltverband zur Intervention bei den
       US-Behörden auf.
       
       Aus den eigenen Reihen muss Fifa-Chef Infantino solche Kritik nicht
       befürchten. Das Statement von Omar Artan hätte die Fifa selbst auch so
       verfasst haben können. Sie war so freundlich, es zu veröffentlichen: „Trotz
       der Umstände bin ich guter Dinge und konzentriere mich auf die nächsten
       Herausforderungen in meiner Schiedsrichterkarriere. Ich möchte der Fifa und
       CAF [dem afrikanischen Verband] für ihre Unterstützung danken und
       verspreche, mein schiedsrichterliches Niveau aufrechtzuerhalten, während
       ich mich auf die Zukunft konzentriere.“
       
       Aus somalischen Regierungskreisen kam wiederum der Aufruf an die
       Fußballwelt, sich solidarisch mit Omar Artan zu zeigen. „Omar Artan gehört
       zu den angesehensten Schiedsrichtern Afrikas und verdient die Unterstützung
       der gesamten Fußballgemeinschaft.“
       
       Auf Hilfe der Fifa ist offenkundig nicht zu rechnen. Der Ausschluss von
       Artan wird Gianni Infantino nicht daran hindern, auch in den nächsten Tagen
       von der „größten, inklusivsten und großartigsten WM aller Zeiten“ zu
       schwärmen.
       
       Vielmehr war es dem Verband wichtig, darauf hinzuweisen, dass wie bei
       früheren Fifa-Veranstaltungen die Gastgeberländer letztlich entscheiden
       würden, wer einreisen dürfe und wer nicht. Der feine Unterschied zu
       früheren Veranstaltungen ist nur, dass bislang noch nie einem
       Schiedsrichter die Einreise zu einer WM verweigert wurde.
       
       9 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Fussball-WM-2026/!6178485
 (DIR) [2] https://inside.fifa.com/de/organisation/president/news/praesident-infantino-begruesst-team-one-trainingscamp-miami
 (DIR) [3] https://sportnewsafrica.com/articles/fifa-wc-2026-omar-abdulkadir-artan-the-historic-rise-of-the-first-somali-referee
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johannes Kopp
       
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