# taz.de -- Vor dem Beginn der Fußball-WM: Was auf dem Spiel steht
> Vom Fußball der Gegenwart wenden sich viele Menschen ab. Doch ist das
> Turnier ein globales Ereignis ohne Beispiel. Wie soll man damit umgehen?
Nein, man muss sich wirklich nicht für Fußball interessieren. Diskussionen
über die Vor- und Nachteile einer Dreierkette in der Abwehr und die
besondere Rolle, die dabei sogenannten Schienenspielern auf den Außenbahnen
zukommen – das kann man getrost Fachleuten, Möchtegernexperten und Fans
überlassen. Es gibt ja auch wirklich genug Menschen, die sich stundenlang
darüber streiten können, ob es nicht doch eine Schnapsidee war, [1][Manuel
Neuer wieder zu Deutschlands Torwart Nummer eins] zu machen. Oder auf den
Kölner Spieler Saïd El Mala zu verzichten.
Und doch werden in den kommenden Wochen auch diejenigen dem Megathema
Fußball-WM nicht entkommen können, die sonst einen großen Bogen um den
Sport machen. Denn bei dem Turnier in den USA, Kanada und Mexiko, das am
Donnerstag beginnt, geht es um weit mehr als Fußball. Ein größeres
Sportereignis als [2][eine Fußball-WM der Männer] hat die Welt einfach
nicht zu bieten.
Vielleicht gibt es überhaupt kein größeres Event auf dem Planeten. Was auf
der Welt verhandelt wird, wird seinen Widerhall finden bei der WM. Und auch
in der taz: 14 Seiten widmen wir dem Turnier in der aktuellen Wochentaz und
begleiten es danach auch in der täglichen Berichterstattung.
Zu besprechen gibt es genug: Die irrwitzigen Dimensionen des Turniers in
Zeiten der Klimakatastrophe passen so gar nicht zu den
Nachhaltigkeitsversprechen, die der Internationale Fußballverband so gern
abgibt. [3][Wer sich das vor Augen führen möchte, kann sich hier den
Spielplan zum Ausdrucken runterladen].
Und die völkerverbindende Kraft des Fußballs, die von der Fifa immer wieder
beschworen wird, schwächelt doch arg, wenn ein WM-Gastgeber wie die USA ihr
hartes Einreiseregime auch auf die Fans, teilweise sogar auf Spieler
qualifizierter Teams anwendet. Darüber gilt es zu reden.
## Debattenkatalysator Fußball
Taugt Co-Gastgeber Kanada als ziviles Gegenbild [4][zu den immer
autoritärer werdenden USA]? Entfernt sich gerade im fußballbegeisterten
Mexiko der Sport immer mehr von den Fans, weil sich die irrwitzig teuren
Tickets nur noch wohlhabende Menschen leisten können? Und muss es wirklich
sein, 48 Nationen um den WM-Titel spielen zu lassen? Oder ist es nicht
eigentlich antikoloniale Pflicht, sich darüber zu freuen, dass nun Teams
aus Kap Verde, Curaçao oder Jordanien mitkicken dürfen?
Auch hierzulande sind die ewigen Krakeeler gewiss schon in den Startlöchern
und freuen sich, wenn sie eine Niederlage des deutschen Teams darauf
schieben können, dass nicht alle Nationalspieler die Hymne inbrünstig genug
mitgesungen haben. DFB-Sportdirektor Andreas Rettig hält wenig von
derartigen Diskussionen, wie er der taz im Interview erzählt. Verhindern
wird er sie nicht können. Der Fußball ist längst ein Spielfeld des
Kulturkampfs im Land. Auch deshalb kommt man zu WM-Zeiten nur schlecht um
ihn herum.
Aber vielleicht verlieren die Deutschen ja gar nicht. Sogar in Italien, das
sich wieder mal nicht qualifiziert hat, wird das Team von [5][Bundestrainer
Julian Nagelsmann] bewundert, von Schriftstellern gar. Womit wir wieder
beim Sport wären und der großen Frage dieser Tage: Wer wird Weltmeister?
Messi, Neuer, Ronaldo, die Spanier? Neben all den großen
gesellschaftspolitischen Fragen geht es dann doch auch – um Sport.
6 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Comeback-von-Manuel-Neuer/!6180249
(DIR) [2] /Fussball-WM/!t5015915
(DIR) [3] /download/taz-wm2026-spielplan.pdf
(DIR) [4] /Vor-der-Fussball-WM-in-den-USA/!6174618
(DIR) [5] /Julian-Nagelsmann/!t5277729
## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
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