# taz.de -- Demenzforschung: Warum es mehr Kochabende in Altenheimen braucht
       
       > Kochen macht nicht immer Spaß. Aber eine neue Studie zeigt, warum gerade
       > es sich gerade im Alter lohnt, weiter den Kochlöffel zu schwingen.
       
 (IMG) Bild: Es hat viele Vorteile noch lange selbst zu kochen
       
       Bei Oma schmeckt’s am besten, nicht wahr? Und trotzdem [1][kochen
       Senior:innen mit zunehmenden Alter weniger selbst], worunter auch eine
       gesunde Ernährung leidet, wie eine Statistik der [2][Deutschen Gesellschaft
       für Seniorenberatung] zeigt. Die einen schränkt Krankheit ein, andere
       verlieren die Motivation, für sich zu kochen, nachdem der Partner oder die
       Partnerin verstorben ist, und in Pflegeheimen werden die Bewohner:innen
       mit Essen versorgt.
       
       Dabei hat es viele Vorteile, noch lange selbst zu kochen. Nicht nur freuen
       sich Enkelkinder, Partner:innen und Freund:innen über leckere
       Mahlzeiten. Wer gemeinsam am Herd steht, erlebt Gemeinschaft, denn selber
       kochen, vom Einkauf übers Schnippeln, Rühren, Braten bis zum Abwasch, hilft
       im Alter, die müden Muskeln zu bewahren. Und, das [3][zeigt eine neue
       Studie], es schützt sogar das Gehirn vor Demenz.
       
       ## Die Studie
       
       Knapp 11.000 Menschen ab 65 Jahren haben in Japan an der Studie
       teilgenommen, die insgesamt über sechs Jahre lief. Über die Zeit wurden
       1.195 Fälle von Demenz registriert. Aber wie hängen diese nun mit dem
       Kochverhalten zusammen? Zu Beginn der Studie sollten die Teilnehmenden
       folgende zwei Fragen beantworten: Wie oft kochen Sie selbst? –
       Fertiggerichte zählten nicht. Und: Wie gut können Sie kochen? Die
       Kochfertigkeiten wurden anhand von sieben Aufgaben bewertet, vom Schälen
       von Obst und Gemüse bis hin zum Kochen einer Misosuppe oder eines Eintopfs.
       
       Dabei zeigte sich: Man muss für gesundheitliche Vorteile gar nicht täglich
       kochen. Wer mindestens einmal pro Woche selbst kochte, hatte ein
       [4][deutlich niedrigeres Demenzrisiko] als Menschen, die seltener kochten –
       bei Männern sank es um 23 Prozent, bei Frauen um 27 Prozent. Besonders
       auffällig war der Effekt bei Personen mit geringen Kochkünsten. Ihr Risiko
       sank sogar um 67 Prozent.
       
       Die Forschenden vermuten, dass das Kochen für Ungeübte eine besonders
       stimulierende kognitive Herausforderung darstellt – ähnlich wie das
       Erlernen einer neuen Fähigkeit. Um auszuschließen, dass auch andere
       Verhaltensweisen das Ergebnis beeinflussen konnten, hat die Studie diverse
       Störfaktoren beachtet, darunter Bildung, Lebensstil, Einkommen sowie
       Alkohol- und Tabakkonsum. Laut den Studienautor:innen bleiben die
       Ergebnisse auch über solche Unterschiede valide.
       
       ## Was bringt’s?
       
       In Deutschland leben mehr als 900.000 Menschen in Pflegeheimen – und in den
       meisten Einrichtungen wird für sie gekocht. Die Erkenntnisse über den
       Zusammenhang zwischen dem Kochen und Demenz könnten dazu beitragen, dass
       Menschen auch in Altenheimen ab und zu zum Selberkochen ermutigt werden. So
       könnten etwa explizit Kochkurse angeboten werden – was nebenbei auch ein
       gutes Mittel gegen Einsamkeit sein könnte. Und wer jetzt Lust bekommen hat:
       Wie wäre es beim nächsten Besuch bei den Großeltern mit einem gemeinsamen
       Kochabend?
       
       20 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Eine-Woche-lang-Essen-auf-Raedern/!5727820
 (DIR) [2] http://www.dgs-seniorenberatung.org/de/Statistiken.html
 (DIR) [3] https://jech.bmj.com/content/jech/early/2026/03/18/jech-2025-225139.full.pdf
 (DIR) [4] /Demenzrisiko-vermindern/!6026509
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sofia Zharinova
       
       ## TAGS
       
 (DIR) wochentaz
 (DIR) Zukunft
 (DIR) Forschung
 (DIR) Medizin
 (DIR) Kochen
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Zukunft
 (DIR) Zukunft
 (DIR) Zukunft
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Neurowissenschaft: Kreativität kann dabei helfen, besser mit Schmerz umzugehen
       
       Malen, Musizieren und Schreiben aktivieren jene Areale im Gehirn, die auch
       Schmerz verarbeiten. Das könnte Menschen mit chronischen Leiden helfen.
       
 (DIR) Kürzere Geburten: Alles eine Frage des Timings!
       
       Die innere Uhr lenkt viele Prozesse in unserem Körper. Eine neue Studie
       zeigt nun: Sie scheint auch die Geburt zu beeinflussen.
       
 (DIR) Hirnforscher über Homeoffice: „Unser Gehirn belohnt persönlichen Kontakt“
       
       Kassenautomaten im Supermarkt, soziale Medien und Homeoffice: Menschen
       begegnen sich immer weniger, sagt Ben Rein. Was sich dagegen tun lässt.