# taz.de -- Kürzere Geburten: Alles eine Frage des Timings!
       
       > Die innere Uhr lenkt viele Prozesse in unserem Körper. Eine neue Studie
       > zeigt nun: Sie scheint auch die Geburt zu beeinflussen.
       
 (IMG) Bild: Die innere Uhr scheint sogar Geburten zu beeinflussen
       
       Unsere innere Uhr beeinflusst nicht nur den [1][Idealzeitpunkt zum
       Einschlafen und Aufwachen], zum Lernen und Klausurenschreiben. Die
       Chronobiologie wird auch in der medizinischen Forschung immer relevanter.
       Ob für Medikamentenwirksamkeit etwa bei Krebstherapien oder Demenzfürsorge.
       
       Denn unser Körper arbeitet nicht immer gleich, das Herzkreislaufsystem, die
       Hormone im Blut, die Aktivität der Organe, unsere Schmerzempfindlichkeit
       verändern sich im Lauf des Tages – abhängig von der inneren Uhr. Jetzt hat
       man ihre Bedeutung für ein ganz neues Thema entdeckt: Geburten.
       
       ## Die Studie
       
       Untersucht wurden über mehrere Jahre Daten von 3.363 Gebärenden, die nach
       einer Geburtseinleitung im selben Krankenhaus ein Kind zur Welt brachten.
       Dabei schauten die Forschenden aus den USA vor allem auf den Zeitpunkt, an
       dem die Schwangeren den Wirkstoff zur Einleitung erhielten – ein
       synthetisches Hormon namens Oxytocin. So erkannten sie einen starken
       Zusammenhang zwischen dem Einleitungszeitpunkt und der Dauer der Geburt.
       
       Die in der Fachzeitschrift American Journal of Obstetrics & Gynecology
       Maternal-Fetal Medicine veröffentlichte [2][Studie] zeigte, dass Gebärende,
       die das Mittel zwischen 3 und 6 Uhr morgens erhielten, deutlich kürzer in
       den Wehen lagen.
       
       Danach stieg die Wehendauer kontinuierlich an und erreichte ihren
       Höhepunkt, wenn das Mittel erst in den späten Abendstunden, kurz vor
       Mitternacht gegeben wurde. Gebärende, die es dann bekamen, lagen bis zu 6
       Stunden länger in den Wehen. Das galt vor allem für Personen, die ihre
       erste Geburt hatten. Auch zum [3][Kaiserschnitt] kam es häufiger bei
       Geburtseinleitung nach 9 Uhr. Auf das medizinische Wohl der Neugeborenen
       hatte der Einleitungszeitpunkt aber keinen Einfluss.
       
       ## Was bringt’s?
       
       In dem Ergebnis steckt die Chance, die Zeit der Geburt mit einfachen
       Mitteln zu verkürzen. Wer schon einmal sechs Stunden in den Wehen lag, kann
       mit Sicherheit bestätigen, dass eine kürzere Wehenzeit angenehmer gewesen
       wäre. Darüber hinaus verdeutlicht die Studie, dass Geburten Teamwork sind.
       Nicht nur zwischen allen Beteiligten im Kreißsaal, sondern auch zwischen
       körperlichen und medizinischen Abläufen.
       
       Wo es im Krankenhaus meist darum geht, etwas zu richten, was im Körper
       falsch läuft, macht der Körper [4][bei Geburten im Idealfall schon einiges
       richtig]. Das heißt, seit die moderne Medizin das Thema Entbindung für sich
       entdeckt hat und mit Tropf und Skalpell täglich Leben rettet, müssen
       Ärzt*innen auch aufpassen, dabei keinen Teil des ausgeklügelten
       biologischen Werks zu übergehen.
       
       Ob das nun bedeutet, der Nabelschnur vor dem Schnitt Zeit für die
       Nährstoffversorgung zu geben oder dem Baby vor dem Check-up Zeit zum
       Nuckeln. Jetzt wissen wir, dass auch die innere Uhr der Gebärenden ihre
       Zeit braucht – und als Nächstes können wir herausfinden, wozu genau.
       
       11 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nachdenken-ueber-die-innere-Uhr/!5451663
 (DIR) [2] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2589933326000091#sec0008
 (DIR) [3] /Verbot-von-Kaiserschnitten-in-der-Tuerkei/!6080560
 (DIR) [4] /Sichere-Geburten/!6142899
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Franca Parianen
       
       ## TAGS
       
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