# taz.de -- Grimme-Institut und Gaza: Minenfeld bleibt ungeräumt
> Mit der Frage „Belohnen Medienpreise zu oft Haltungsjournalismus?“ geht
> das Grimme-Institut in den medienpolitischen Diskurs. Relevant geht
> anders.
(IMG) Bild: Das Grimme-Institut in Marl
Das Grimme-Institut meldet sich auf der medienpolitischen Bühne zurück. Das
ist zunächst mal eine gute Nachricht. [1][„Diskursraum“] nennt sich das
etwas sperrig. Am Donnerstag geht es in Düsseldorf um „Journalismus
zwischen Objektivität, Aktivismus und Auszeichnung“.
In den sozialen Medien wird die Grimme-Veranstaltung von Moderator Torsten
Zarges mit der Frage „Belohnen Medienpreise zu oft Haltungsjournalismus?“
beworben. Und hier wird es problematisch. Es gibt keine Statistik, die
diesen Eindruck belegen würde. Sondern nur interessierte Kreise, die das
behaupten. Übrigens nicht nur mit Blick auf den Journalismus, sondern auf
Kultur als Ganzes. Erinnert sei an Wolfram Weimers linke Buchläden und erst
recht an die AfD.
Es gibt keinen Journalismus ohne Haltung. Die ihn auf eine wie auch immer
definierte „Neutralität“ verpflichten, führen nichts Gutes im Schilde.
Sondern wollen kritische Berichterstattung mit dem Totschlagargument
behindern, sie sei ja nicht neutral. Weil eben eine Seite kritisiert wird.
Dieses Framing greift leider immer mehr um sich. Grimmes Diskursraum wäre
gut beraten, es nicht noch latent zu befördern.
Dass es überhaupt zu dieser Veranstaltung kommt, hat außerdem eine
Vorgeschichte. Grimme-Institutsdirektorin Çiğdem Uzunoğlu hatte zugesagt,
die [2][Aberkennung der „Besonderen Ehrung“ für die Aktivistin Judith
Scheytt beim Donnepp-Preis 2025] aufzuarbeiten. Und nun kommt die schlechte
Nachricht. Hier wird sie es nicht. Denn die Vorgeschichte ist bestenfalls
Anlass, aber nicht Thema.
## Nicht neutral
An diesem Punkt bin ich allerdings nicht neutral. Ich war Mitglied der
Jury, die Judith für ihre so heftige wie kluge Kritik an der deutschen
Nahost-Berichterstattung mit dieser „Besonderen Ehrung“ ausgezeichnet hat.
Und ich gehöre zu dem Teil der Jury, der gegen die Aberkennung der vom
Grimme-Förderverein vergebenen Auszeichnung durch dessen Vereinsvorstand
war und ist.
Die „Besondere Ehrung“ ist dabei kein klassischer Journalismuspreis,
sondern würdigt kritische Rufe vom Beckenrand ins mediale Haifischbecken.
Und dass Judith nicht als Journalistin ausgezeichnet wurde, sondern für
„Medienkritik, Aktivismus und Demokratiebildung“, stand 2025 klar in der
Pressemeldung.
Die Debatte wurde damals vor allem von der [3][Kölnischen Gesellschaft für
Christlich-Jüdische Zusammenarbeit] ausgelöst. Sie verbat sich Judiths
Kritik an Israel und forderte massiv die Aberkennung. Die erfolgte dann
nach einem Gespräch mit der Gesellschaft, an der auch die Grimme-Direktorin
teilnahm.
Das Spannungsfeld Israel- und Palästina-Berichterstattung fehlt im
Grimme-Diskursraum nun aber komplett. Das führt zu einer absurden
Schieflage, denn es ging bei Judith eben nicht um die Vermessung von
Journalismus und Aktivismus. [4][Sondern um das mediale Minenfeld Gaza,
Palästina und Israel.]
„Zwischen Einordnung und Vereinnahmung – Antisemitismus und
Israelberichterstattung in den Medien“ hätte das Thema im
Grimme-Diskursraum also heißen müssen. Tut es aber leider nicht. Unter
diesem Titel lädt jetzt vielmehr die Konrad-Adenauer-Stiftung am kommenden
Freitag [5][zur Diskussion in Berlin] ein. „Während sich in Düsseldorf dann
Çiğdem und Judith zu Kaffee und Gespräch treffen?“, fragt die
Mitbewohnerin.
9 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.grimme-diskurs.de/h/news/d/diskursraum-journalismus-zwischen-objektivitaet-aktivismus-und-auszeichnung
(DIR) [2] /Aktivistin-und-Nahost/!6111865
(DIR) [3] https://www.koelnische-gesellschaft.de/stellungnahme-und-faq-zu-den-vorgaengen-um-judith-scheytt/
(DIR) [4] /Hamas-betrauert-linientreue-Journalisten/!6178279
(DIR) [5] https://www.kas.de/de/web/analyse-und-beratung/veranstaltungen/detail/-/content/zwischen-einordnung-und-vereinnahmung
## AUTOREN
(DIR) Steffen Grimberg
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