# taz.de -- Militäraktion in Mogadischu: Machtdemonstration in Somalia
       
       > In Somalias Hauptstadt hält eine Militäraktion die Einwohner in Atem.
       > Seit Monaten spitzt sich die politische Krise in dem Land immer mehr zu.
       
 (IMG) Bild: Soldaten patrouillieren auf den Straßen der somalischen Hauptstadt Mogadischu, 4. Juni 2026
       
       Schüsse hallen durch die Straßen der somalischen Hauptstadt Mogadischu,
       Rauchsäulen steigen über den Dächern des Stadtbezirks Howlwadaag auf, in
       welchem viele Regierungsgebäude angesiedelt sind. Soldaten patrouillieren
       in den engen Gassen. Anwohner berichten gegenüber lokalen Medien, dass sie
       die ganze Nacht nicht geschlafen haben. Selbst am Donnerstagmorgen wurde
       mit schweren Waffen geschossen.
       
       Über die Onlineplattform X [1][wendete sich am Donnerstagvormittag der
       ehemalige Premierminister Somalias, Hassan Ali Khaire], an die
       Weltöffentlichkeit: „Seit mehr als 20 Stunden leitet Hassan Sheikh Mohamud
       einen anhaltenden und wahllosen militärischen Angriff – mit dem
       offensichtlichen Ziel, mich, den ehemaligen Präsidenten Sheikh [2][Sharif
       Sheikh Ahmed], Dutzende angesehener traditioneller Ältester sowie weitere
       politische Führer in Mogadischu zu töten“, schreibt er. Es seien
       „Panzerabwehrwaffen, Drohnen und andere militärische Mittel gegen uns
       eingesetzt“, worden. Khaire bittet die internationalen Partner um Hilfe.
       
       Die politische Krise in dem kriegsgebeutelten Land am Horn von Afrika
       spitzt sich seit Monaten stetig zu. Laut Verfassung endete am 15. Mai die
       reguläre Amtszeit von Präsident [3][Hassan Sheikh Mohamud], der seit 2022
       im Amt ist und zuvor von 2012 bis 2017 bereits Präsident war. Die Amtszeit
       des Parlaments war bereits im April abgelaufen – ohne jedes Anzeichen von
       Neuwahlen.
       
       Doch Präsident Mohamud bestand darauf, dass er noch ein weiteres Jahr im
       Amt bleiben dürfe, also bis Mai 2027. Dies sei Teil der beschlossenen
       Überarbeitung der provisorischen Verfassung, die im März dieses Jahres vom
       Parlament abgesegnet worden sei.
       
       ## Die Opposition erkennt die Regierung nicht mehr an
       
       Somalias politische Elite streitet sich seit Jahren über diese
       Verfassungsänderungen, die vor allem das Wahlsystem komplett reformieren
       sollen. Denn die politische Elite wird nicht direkt von den Bürger*innen
       gewählt, sondern über ein indirektes Wahlsystem, in welchem die politisch
       mächtigen Clans des Landes ihre Vertreter bestimmen. Im März 2024 hatte das
       Parlament bereits eine Änderung des Wahlsystems verabschiedet. Doch die
       Opposition, darunter auch die Föderalstaaten, waren dagegen. Es kam zu
       weiteren Verhandlungen, die aber alle im Sand verliefen.
       
       Als dann die Amtszeit des Präsidenten am 15. Mai auslief, erklärten
       sämtliche Oppositionelle sowie regionale Anführer, sie würden die Regierung
       nun nicht mehr weiter anerkennen und riefen zu Protesten auf. Mohamud würde
       die Verfassungsänderungen zu seinen eigenen Gunsten nutzen, um seine
       Amtszeit zu verlängern, so eine Pressemitteilung des Somalia Salvation
       Forum, ein Zusammenschluss verschiedener Oppositionsgruppen unter der
       Führung von Ex-Präsident Sharif Sheikh Ahmed.
       
       Die angekündigten Proteste hätten am Donnerstag stattfinden sollen. Als
       sich dann die wichtigsten Oppositionsführer, darunter Ex-Präsident Ahmed
       und Ex-Premierminister Khaire gemeinsam mit Clanältesten am Mittwochabend
       zu einem Treffen in der Residenz von Khaire in Howlwadaag einfanden, um die
       Proteste vorzubereiten und zu koordinieren, umstellten Soldaten die
       Wohnsiedlung und begannen zu schießen.
       
       Die Botschafter der Europäischen Union und Großbritanniens bezeichneten die
       Lage in einer [4][gemeinsamen Erklärung] als „zutiefst besorgniserregend“
       und rufen die „politischen Führer aller Seiten dazu auf, zum Dialog
       zurückzukehren und Streitigkeiten friedlich beizulegen.“
       
       Auch UN-Generalsekretär António Guterres „verurteilt aufs Schärfste alle
       Gewalttaten und Aufrufe zur Gewalt, die zum politischen Vorteil begangen
       werden“ Die [5][US-Botschaft in Mogadischu warnt]: „Die in den kommenden
       Stunden und Tagen ergriffenen Maßnahmen könnten dauerhafte Folgen für die
       Sicherheit, Einheit und Zukunft Somalias haben.“
       
       4 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/HassanAKhaire/status/2062387320318234883
 (DIR) [2] /Ein-Professor-gewinnt-die-Wahl/!559449
 (DIR) [3] /Praesidentenwahl-in-Somalia/!5854705
 (DIR) [4] https://x.com/francescaDM_EU/status/2062409512875626579
 (DIR) [5] https://x.com/US2SOMALIA/status/2062399988571746798
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schlindwein
       
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