# taz.de -- Konflikt zwischen Somalia und USA: Somalias Regierung unter Druck
> US-Präsident Trump stellt Hilfslieferungen nach Somalia ein, das
> benachbarte Somaliland hingegen hofft auf Anerkennung durch die USA.
(IMG) Bild: Mogadischu, Somalia, 12. März 2025: eine kuwaitische Hilfsorganistaion verteilt Lebensmittel während des Fastenmonats Ramadan
Mit seiner Schaufel demoliert der Bagger [1][ein Warenlager des
Welternährungshilfswerks (WFP) und reißt damit Löcher in die Wand]. Auf dem
internationalen Flughafen in Somalias Hauptstadt Mogadishu wird derzeit
Platz geschaffen. Der Grund: In Zusammenarbeit mit der türkischen Regierung
soll Somalias Flughafen erweitert werden – auch für große Maschinen, die
nun militärisches Gerät wie Drohnen und Bauteile für einen von der Türkei
geplanten Weltraumbahnhof am Horn von Afrika einfliegen sollen. Die Türkei
ist Somalias engster Verbündeter, auch in Verteidigungsfragen.
Somalias Regierung ist derzeit enorm unter Druck. Denn der Schaufelbagger
erzürnte am Donnerstag US-Präsident Donald Trump. Das US-Außenministerium
ließ verlauten, dass die USA nun vorerst alle Hilfslieferungen nach Somalia
einstellen würden, da mutmaßlich nicht nur der Bagger das WFP-Warenlager
zerstört habe, sondern auch „76 Tonnen Lebensmittel für notleidende
Somalier geplündert“ worden seien.
Die USA [2][„verfolgt eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Verschwendung,
Diebstahl und Zweckentfremdung lebensrettender Hilfsgüter“], heißt es in
einer Erklärung. Obwohl die US-Regierung sich aus zahlreichen
internationalen Organisationen zurückzieht, finanziert sie dennoch [3][mit
rund 2 Milliarden Dollar den Löwenanteil der WFP-Hilfsmaßnahme]n.
Somalias Regierung stellte rasch klar, die Lebensmittel seien nicht
entwendet worden, sondern „in der Obhut und Kontrolle des
Welternährungsprogramms, einschließlich der von den Vereinigten Staaten
geleisteten Hilfe“, so Somalias Außenministerium. Gegenüber dem britischen
Nachrichtensender BBC bestätigte dies ein WFP-Mitarbeiter vor Ort.
## „Euer Land stinkt“
Trumps radikaler Entschluss ist nur der letzte in einer langen Reihe von
harschen Schritten. Im Dezember stellte Trump in einer Kabinettssitzung
klar: „Euer Land stinkt, wir wollen euch nicht in unserem Land.“ Seit
Dezember geht die US-Einwanderungsbehörde im Bundesstaat Minnesota gegen
somalische Einwanderer vor, dabei wurde am Mittwoch eine Frau erschossen.
Die somalische Gemeinde in Minnesota, eine der größten der USA, geriet
jüngst unter Generalverdacht: In den vergangenen Jahren hatten rund 80
Betrüger, die meisten von ihnen stammten aus Somalia, den dortigen
Sozialstaat ausgebeutet und über 1 Milliarde Dollar für ihren eigenen Luxus
abgezweigt. Das Gericht des Bundesstaates fällte im November die ersten
Urteile.
Trump beschimpfte daraufhin die Somalier als „Müll“. Gerüchte machten die
Runde, ein Teil des Geldes sei an die islamistische Terrororganisation Al
Shabaab in Somalia geflossen. Die USA haben Truppen in Somalia stationiert,
um dort gegen die Miliz vorzugehen, die zum „Islamischen Staat“ gehört.
Auch innerhalb Somalias kriselt es enorm. Ende Dezember hatte Israel als
erster UN-Mitgliedsstaat weltweit Somaliland offiziell als eigenen Staat
anerkannt. Die Region im äußersten Nordwesten des Landes, direkt am
Nadelöhr des Golfs von Aden gelegen, ist seit 1991 de facto ein eigener
Staat mit eigener Währung, Flagge und einer gewählten Regierung. Die
selbsternannte Republik wurde aber nie von einem anderen Staat oder gar von
den Vereinten Nationen anerkannt.
Somalias staatliche Integrität in der Krise
Nun war am Mittwoch Israels Außenminister Gideon Saar in Somalilands
Hauptstadt Hargeisa zu Gast. Dort wurde er freudig von Somalilands
Präsidenten Abdirahman Mohamed Abdullahi, bekannt unter dem Spitznamen
Irro, empfangen. Saar betonte, es wurden „gegenseitige Vorteile beider
Nationen und Länder“ ausgelotet, und [4][kündigte an, eine Botschaft zu
eröffnen]. Auch US-Präsident Trump hatte an, er werde die Anerkennung „in
Betracht ziehen“. [5][Dem Kongress wurde ein entsprechender Gesetzesentwurf
vorgelegt].
Die USA und Israel haben geostrategische Interessen. Sie operieren in der
arabisch dominierten Region vor allem von ihrem Militärstützpunkt in
Dschibuti aus. Doch das kleine Land hat den US-Streitkräften sowie Israel
jüngst untersagt, von dort aus Angriffe auf die Huthi-Rebellen im Jemen zu
fliegen, die von Iran unterstützt werden.
Daraufhin hatte Somaliland sich als Ersatz angeboten. Ende vergangenen
Jahres hatte Somalilands Präsident Irro US-General Dagvin Anderson,
Kommandant der US-Afrikatruppen (Africom), empfangen. Somalilands Regierung
erhofft sich eine Anerkennung durch die USA. Trumps Vorgehen gegen Somalias
Regierung in Mogadischu nach dem Abriss des WFP-Warenlagers weckt nun neue
Hoffnung.
9 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://x.com/RoblyXNews24/status/2009036137843581383
(DIR) [2] https://x.com/usforeignassist/status/2008980437591355644
(DIR) [3] https://www.wfp.org/funding/2025
(DIR) [4] https://x.com/gidonsaar/status/2008539763960066343
(DIR) [5] https://www.congress.gov/bill/119th-congress/house-bill/3992/text/ih
## AUTOREN
(DIR) Simone Schlindwein
## TAGS
(DIR) Somalia
(DIR) Somaliland
(DIR) WFP
(DIR) Israel
(DIR) Donald Trump
(DIR) Jemen
(DIR) Huthi-Rebellen
(DIR) Somaliland
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Somaliland
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Konfrontation am Horn von Afrika: Somaliland freut sich über Israels Anerkennung
Somaliland feiert seine Anerkennung durch Israel als erstes Land seit der
Staatsgründung 1991. Somalia ist erzürnt und mobilisiert die arabische
Welt.
(DIR) USA stoppen Einwanderungsanträge: Trump beschimpft Menschen aus Somalia als Müll
Der US-Präsident hetzt gegen Menschen aus Somalia, seine Regierung stoppt
Einwanderungsanträge von dort und aus 18 anderen Ländern.
(DIR) Kriegsgefahr am Horn von Afrika: Streit um Somaliland
Die Regionalmacht Äthiopien erschließt sich Zugang zum Meer – über einen
historischen Deal mit Somaliland. Das Nachbarland Somalia ist erzürnt.