# taz.de -- Dürren und Krieg verschärfen Krise: Somalia droht neue Hungersnot
> Laut UN sind sechs Millionen Menschen in dem afrikanischen Land von
> Hunger bedroht. Ausgerechnet jetzt könnte die stark gekürzte Nothilfe
> enden.
(IMG) Bild: Somalia steuert auf eine Hungersnot zu: Wie dieses Kind in Baidoa sind Hunderttausende Jungen und Mädchen unterernährt
Somalia steuert auf eine neue [1][Hungerkatastrophe] zu: Millionen Menschen
sind bedroht, Hunderttausende Kinder mangelernährt – und ausgerechnet jetzt
könnte selbst die stark gekürzte Nothilfe bald ganz enden.
In dem afrikanischen Land sind drei Regenzeiten in Folge ausgefallen. Nach
Angaben des UN-Welternährungsprogramms WFP sind mittlerweile sechs
Millionen Menschen von Hunger bedroht, fast ein Drittel der Bevölkerung.
Davon befinden sich bereits zwei Millionen in einer Notsituation, auf der
internationalen Skala zur Ernährungssicherheit (IPC) nur einen Schritt von
einer Hungersnot entfernt. Rund 1,9 Millionen Kinder sind akut
unterernährt, Hunderttausenden von ihnen droht die schwerste Form der
Unterernährung.
Grund dafür ist neben der schweren Dürre der anhaltende Terror der
islamistischen Al-Shabaab-Miliz. Aufgrund der Gewalt können viele Menschen
ihre Felder nicht bestellen und müssen fliehen. Meist suchen sie in
Mogadischu Schutz.
Hinzu kommt [2][nun die Preisentwicklung infolge der Krise in Nahost]: Laut
WFP sind die Lebensmittelpreise in einigen Gebieten Somalias um 70 Prozent
gestiegen, die Kraftstoffpreise um 150 Prozent. Die Versorgungswege seien
unterbrochen, was die Lieferung von Hilfsgütern innerhalb des Landes
erschwere und verteuere, sagte der Vize-Exekutivdirektor des WFP, Matthew
Hollingworth.
## 80 Prozent weniger Hilfe
Die Hungernden setzen ihre Hoffnung auf internationale Hilfsorganisationen
und die UN – von der somalischen Regierung haben sie nicht viel zu
erwarten: Nach dem Zusammenbruch aller staatlichen Strukturen in den 1990er
Jahren ist sie bis heute personell schwach, organisatorisch überlastet und
chronisch unterfinanziert.
Aber auch die Vereinten Nationen haben kaum noch etwas zu verteilen.
[3][Die USA und viele weitere Geberländer haben ihre Zuwendungen drastisch
gekürzt]. In Somalia kann das Welternährungsprogramm laut der
stellvertretenden Programmleiterin Michèle Kiermeier im Mai nur noch
300.000 Menschen unterstützen – ein Rückgang um 80 Prozent, verglichen mit
2024. Im Juni wird die Zahl auf 200.000 sinken.
Weil das Geld immer knapper wurde, musste das WFP schon in den vergangenen
Jahren „re-priorisieren“. Im Klartext: Nach immer härteren Kriterien
entscheiden, wer von den Hilfsbedürftigen tatsächlich Hilfe bekommt. Das
sind laut Kiermeier gegenwärtig nur noch 5 Prozent. 95 Prozent von denen,
die dringend Hilfe bräuchten, gehen leer aus, darunter auch Hunderttausende
kleine Kinder.
## Ab Juli geht das Geld aus
Wegen der knappen Finanzen musste das WFP auch die Lebensmittelhilfen für
schwangere und stillende Mütter einstellen, es sei denn, sie brauchen wegen
akuter Unterernährung medizinische Behandlung. „Das wird sich auf das
Wachstum des Ungeborenen auswirken, und Komplikationen bei der Geburt
werden wahrscheinlicher“, warnt der Ernährungsspezialist der Organisation,
Faisal Ali Abdi.
Und die Aussichten sind noch schlechter. „Aktuell sieht es so aus, dass wir
ab Juli keine weiteren Gelder zur Verfügung haben, um die bereits sehr,
sehr reduzierte Anzahl an Menschen weiter zu unterstützen“, sagt die
stellvertretende Programmleiterin. Kiermeier. Den fast zwei Millionen
Menschen, die schon jetzt am Rande einer Hungersnot stehen, kann die UN
dann nicht mehr helfen. (epd)
17 May 2026
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