# taz.de -- Islamistische Miliz im Sahel: Al-Shabaab ist in Kenia auf dem Vormarsch
> Die somalische Miliz Al-Shabaab bedroht nun die ganze Region. Auch, weil
> sie verstärkt mit der Iran-unterstützten Huthi-Miliz im Jemen kooperiert.
(IMG) Bild: Anschlag in Mogadischu, 2014: Seit Jahren versucht die somalische Armee, die islamistische Al-Shabaab-Miliz zurückzudrängen
Erneut hat die somalische Miliz Al-Shabaab kenianische Polizisten in einen
Hinterhalt gelockt. Dabei sind am Dienstag fünf Polizisten einer speziell
ausgebildeten Antiterroreinheit ums Leben gekommen; dies teilte Kenias
Polizei am Mittwoch mit. Eine Patrouilleneinheit sei zunächst in einen
Hinterhalt nahe dem Ort Wantey Dam im kenianischen Bezirk Mandera
hineingefahren und riefen Verstärkung. Als eine weitere Einheit angefahren
kam, explodierte eine Bombe. Das ist eine typische Taktik der Al-Shabaab,
die sich als [1][Mitglied des Islamischen Staates] sieht – und dessen
Methoden sich die somalischen Kämpfer angeeignet haben.
Dies ist nicht der erste Angriff der somalischen Miliz in Kenia in den
vergangenen Wochen. Der kenianische Verwaltungsbezirk Mandera liegt genau
entlang der Grenze zu Somalia, ganz im Nordosten Kenias. Kenianische
Spezialeinheiten hatten in Mandera Mitte Juli ein Al-Shabaab-Camp
ausgehoben und laut eigenen Angaben 11 Milizionäre getötet, die mutmaßlich
gerade einen Angriff auf kenianische Dörfer planten. 11 Tage später
revanchierte sich Al-Shabaab mit gleich zwei Attacken auf kenianische
Dörfer in Mandera.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten treibt [2][die islamistische Miliz] in
Somalia ihr Unwesen, griff in der Vergangenheit auch immer wieder Kenia an.
Seit 2011 sind kenianische Spezialeinheiten entlang der Grenze direkt in
den Kampf gegen Al-Shabaab verwickelt, waren zu jener Zeit auch innerhalb
der somalischen Grenze aktiv, um die Miliz von der Grenzregion
zurückzudrängen.
Mithilfe von ugandischen und burundischen Peacekeeping-Einheiten unter
einem Mandat der Afrikanischen Union (AU) war es Somalias Armee in den
Jahren 2022 bis Ende 2023 gelungen, die Miliz aus der zentralen Region
Somalias zurückzudrängen. Seit dem vergangenen Jahr sind die
Al-Shabaab-Kämpfer jedoch wieder auf dem Vormarsch. Sie hätten ihr
angestammtes Gebiet quasi zurückerobert und greifen nun vermehrt auch
wieder jenseits der Grenzen an, so [3][der jüngste Bericht der
Internationalen Crisis Group zu Al-Shabaab von Ende Juni.]
## Al-Shabaab nutzt die politische Krisenlage im Land aus
Grund für das erneute Erstarken der Miliz ist wohl, dass es der Regierung
in der Hauptstadt Mogadischu an einem mittelfristigen Plan fehlt, wie sich
die Sicherheit landesweit konsolidieren könne. Seit Beginn des Jahres ist
die politische Elite um Präsident Hassan Sheikh Mohamud mit einer internen
politischen Krise beschäftigt: Die Amtszeit von Präsident Mohamud war
offiziell im Mai zu Ende gegangen; Neuwahlen werden mit dem Argument
verschleppt, man müsse eine Verfassungsreform vollziehen sowie das
Wahlsystem überholen. Im Juni war es in Mogadischu sogar zu Kämpfen
zwischen der Armee und bewaffneten Milizen gekommen. Vor allem die
Al-Shabaab-Miliz nutzt jetzt die politische Krise im Land aus, um wieder
Fuß zu fassen.
[4][Die selbst deklarierte Republik Somaliland] sowie die Region Puntland
haben sich in jüngster Zeit vor dem Hintergrund der Verfassungskrise in
Mogadischu noch einmal verstärkt von der Zentralregierung losgelöst.
## Al-Shabaab kooperiert mit der Huthi-Miliz in Jemen
Al-Shabaab kooperiert derzeit wieder verstärkt mit der Huthi-Miliz in
Jemen. Dabei geht es um die strategische Kontrolle im Roten Meer und am
Golf von Aden, eine der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt. Laut
Ermittlern der Vereinten Nationen hat die jemenitische Huthi-Miliz im
vergangenen Jahr den Kämpfern der Al-Shabaab [5][den Umgang mit
Kamikazedrohnen] beigebracht, ihnen Waffen und Munition verkauft.
Mitte Juli hatten Huthi-Milizionäre vor der Küste Jemens den tansanischen
Öltanker „Asana“ gekapert und ihn vergangene Woche an somalische Piraten
von Al-Shabaab übergeben. Jetzt liegt er vor der somalischen Küste. Unter
den 20 Crewmitgliedern sind auch sechs deutsche Seefahrer; sie werden von
Al-Shaabab nun als Geiseln gehalten. Laut einem im Februar veröffentlichten
Bericht [6][des renommierten Research-Instituts „Saldhig“ in Mogadischu]
könne diese strategische Partnerschaft den Welthandel durch das Rote Meer
weiter beeinträchtigen.
## Die Peacekeeping-Mission hat ein Finanzierungsproblem
Vor diesem Hintergrund treffen sich in Ugandas Hauptstadt Kampala diese
Woche politische und militärische Akteure, um ein mögliches Fortbestehen
der AU-Peacekeeping-Mission AUSSOM (African Union Support and Stabilisation
Mission in Somalia) in Somalia zu besprechen. Ugandas Armee ist seit zwei
Jahrzehnten in der AU-Mission in Somalia aktiv, ebenso burundische
Einheiten.
Doch AUSSOM hat ein Finanzproblem. [7][Die US-Regierung unter Donald Trump]
hat angekündigt, sie werde die Mission nicht weiter mitfinanzieren. Die
AUSSOM-Mission, deren Logistik zum Großteil von der UNO finanziert wird,
muss im Dezember erneut im UN-Sicherheitsrat in New York beschlossen
werden. Die USA haben angekündigt, sie werde dafür kein grünes Licht geben.
Jetzt steht die Frage im Raum, ob sie überhaupt fortgeführt werden kann –
beispielsweise mit 100-prozentiger Finanzierung durch die Afrikanische
Union. Ugandas Generalstabschef Muhoozi Kainerugaba erklärte in Kampala:
Die Zukunft der Mission hänge „von der Qualität der Entscheidungen ab, die
wir in solchen Momenten treffen“.
30 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Nach-Angriff-auf-CSD/!6199735
(DIR) [2] /Al-Shabaab/!t5014039
(DIR) [3] https://www.crisisgroup.org/brf/africa/somalia/b212-new-chapter-same-stalemate-somalias-war-al-shabaab
(DIR) [4] /Was-ist-die-Republik-Somaliland/!6141400
(DIR) [5] /Kamikaze-Drohnen/!6157996
(DIR) [6] https://saldhig.org/
(DIR) [7] /Umgang-mit-US-Aussenpolitik/!6146717
## AUTOREN
(DIR) Simone Schlindwein
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