# taz.de -- Neues Stadtmuseum in Oldenburg: Ein kontaktloser Ort für alle
> Oldenburg hat sich ein neues Stadtmuseum geleistet, das zum Nachdenken
> über die Stadt anregen soll. Wie nötig das ist, sieht man vor der Tür.
(IMG) Bild: Leiden an der autogerechten Stadt: Sedimentschichten des Neubaus symbolisieren die Stadtgeschichte
Der Begriff Museumsinsel ist typisch für diese kleine Großstadt, die sich
etwas größer fühlt als sie ist. Darauf weist schon die amtliche Bezeichnung
„Oldenburg (Oldb.)“ hin: Oldenburg in Oldenburg. Weil das mal ein eigenes
Land war und Oldenburg die Hauptstadt.
Gemeint ist mit der Museumsinsel das Ensemble am nördlichen Rand der
Innenstadt. Die besteht aus dem [1][Horst-Janssen-Museum] – gewidmet dem
druckgrafischen Werk des in Oldenburg aufgewachsenen Künstlers –, zwei
historischen Villen des Mäzens [2][Theodor Francksen] – der Keimzelle des
Stadtmuseums –, und dem Neubau, der nun an Stelle des 1968 errichteten
Vorgängerbaus eröffnet wurde.
Museumsinsel – das klingt groß und ist es für Oldenburger Verhältnisse
auch. Ein eigenes Museumsquartier, aber eine Insel nur insofern, als sie
von der Kernstadt durch eine fünfspurige Straße abgetrennt ist, die
sinnigerweise „Am Stadtmuseum“ heißt. Ein Wall aus Betonrandsteinen und
Straßengestrüpp in ihrer Mitte macht sie zu einer echten Barriere vor dem
Museum.
## Offene Wunde in der Stadt
Der Neubau nach Plänen der Architekturbüros GME aus Achim und JES aus
Bremen ist ein turmartiger Viergeschosser mit hellgrauer Ziegelfassade, die
sich Sedimentschichten gleich nach oben hin aufbaut. Wird nebenan die neue
Zentrale einer lokalen Versicherung fertig, soll davor ein Platz entstehen.
Hier wird deutlich, wie sehr der öffentliche Raum Oldenburgs an dieser
Stelle gelitten hat unter der Schaffung der [3][autogerechten Stadt.] Da
ist viel Asphalt, da ist viel Motorgebrumm, das ist eine offene Wunde, die
man beseitigen müsste, um wirklich etwas Neues entstehen zu lassen.
Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) weicht der Nachfrage aus: Das sei
eine der meistbefahrenen Straßen der Stadt, daran werde sich so bald nichts
ändern. Na ja, im September scheidet er aus dem Amt, aber wäre in zwölf
Krogmann-Jahren nicht mehr drin gewesen, um Stadträume der Autokratie zu
entziehen? Wenn weniger Autos durch die Stadt führen, dann wäre das nicht
mehr die meistbefahrene Straße der Stadt, sondern könnte eine Zone werden,
die Menschen aus der Kernstadt selbstverständlich zum Stadtmuseum
rüberdiffundieren lässt.
Das Museum soll zum Nach- und Mitdenken über Stadt einladen. Man wird sich,
darüber freut sich Leiter Steffen Wiegmann besonders, vom Erdgeschoss bis
zu den Aussichtsplattformen und einem „Denk- und Kreativraum“ im 4.
Obergeschoss aufhalten können, ohne in Kontakt mit einem Museumsmenschen
treten zu müssen.
Damit will er nichts Schlechtes über seine Kolleginnen und Kollegen sagen,
sondern den Ort definieren als einen echten [4][sogenannten dritten Ort].
Ganz anders als das neue Fußballstadion, dessen Bau der Stadtrat [5][gerade
beschlossen hat] und den sich SPD-Ratsherr Ulf Prange, der im Herbst
Krogmanns Nachfolger werden will, ebenfalls als dritten Ort schönredet.
Das Museum könnte wirklich so ein Treffpunkt werden, die Lobby mit
Sitzlandschaft, das Café, der Garten – ein Ort, der Aufenthaltsmöglichkeit
bietet, Austausch und Miteinander, Platz für ein Nickerchen, offen für die
Öffentlichkeit. Eintritt wird erst fällig, wenn man die Schauräume betreten
möchte.
Die Schauräume könnten der Dachboden der Stadt sein, in dem über die
Jahrhunderte vieles abgestellt wurde, ein Gewusel an Objekten – aber
schlüssig sortiert entlang der Fragen „Was ist Stadt?“ und „Wer macht
Stadt?“
Man kann einiges lernen über Oldenburgs Werden von einer Rundburg namens
Heidenwall über die Grafenstadt des legendären Anton Günther, den sie
entschiedener hätten dekonstruieren können; die Dänenzeit, die
Gauhauptstadt der Nazis – bis hin zu einem Ort, an dem Bürgerinitiativen
einen Autobahnzubringer verhinderten und so den Schlossgarten retteten.
## Nirvana und Erbsensuppe
Oldenburger werden vieles finden, was sie kennen, lange nicht oder noch nie
gesehen haben – die Leuchtreklame der Fleischerei Monse, wo sie früher ihre
Erbsensuppe aßen, ein Ticket für das [6][legendäre Konzert der damals
gerade noch unbekannten Band Nirvana 1989] in einem Kulturzentrum, den
Grundstein der von den Nazis zerstörten Synagoge, den Schlüssel eines aus
Syrien geflüchteten Oldenburgers zu seinem zerbombten ehemaligen Zuhause.
In einer Musikbox voller Songs mit Stadtbezug verballhornt die lokal
bekannte „Flower Street Jazz Band“ die peinliche Hymne „Heil dir, o
Oldenburg“. Besser hat man dieses Liedchen aus der Feder der Großherzogin
Cäcilie nie gehört. Zugleich ist das schönste Selbstironie, denn genau
diese Hymne erklingt täglich völlig ironiefrei am Rathaus, dargeboten von
einem Glockenspiel, das sich die Stadt 1995 [7][zum Stadtrechtejubiläum]
gegönnt hatte.
Viel Stoff ist das, um aus dem Gestern in die Zukunft zu denken, vielleicht
mit Blick über die Stadt aus dem „Oldenburg-Fenster“ im 3. Stock –
Oldenburg, was wirst du weiter für eine Stadt werden? Und was kann man
selbst dazu beitragen?
6 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.horst-janssen-museum.de/
(DIR) [2] https://www.oldenburg.de/startseite/leben-umwelt/soziales/stiftungen/theodor-francksen-stiftung.html
(DIR) [3] /Naturschutz-versus-Stadtentwicklung/!6098986
(DIR) [4] /Begegnungsorte-in-Deutschland/!6164371
(DIR) [5] /Oldenburg-goennt-sich-ein-Stadion/!6182483
(DIR) [6] https://www.youtube.com/watch?v=9-FXa9xR_5s
(DIR) [7] /Oldenburg-hat-Geburtstag/!5175776
## AUTOREN
(DIR) Felix Zimmermann
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