# taz.de -- Offensichtlich rechtsextrem motiviert: Rechte verunstalten schon wieder Göttingen
       
       > In Göttingen wurden eine Treppe in Regenbogenfarben und eine Tafel im
       > Gedenken an die Bücherverbrennungen beschmiert. Solche Taten häufen sich
       > hier.
       
 (IMG) Bild: Am Nordaufgang zum Jina-Mahsa-Amini-Platz erinnert eine Bronzetafel an die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933
       
       „Nazi-frei“ war Göttingen nie, auch wenn das immer mal wieder behauptet
       wird. Zwar ließen sich Rechtsextremisten in der Uni-Stadt im Vergleich zu
       anderen norddeutschen Kommunen nur selten öffentlich blicken, und auch die
       AfD schaffte es bislang nicht ins Kommunalparlament. Doch nächtliche
       Sprühereien, [1][Spuckis auf Laternenpfählen] und gelegentliche Überfälle
       auf Linke oder Punks liefern genügend Hinweise, dass Neonazis auch in
       Göttingen ihr Unwesen treiben.
       
       Zuletzt übersprühten Unbekannte in der Nacht zu Mittwoch eine
       regenbogenbunte Treppe am Göttinger Albaniplatz in Schwarz-Rot-Gold. Die
       bis dahin graue Treppe war im August 2023 vom örtlichen Bündnis für den
       Christopher-Street-Day (CSD) in Absprache mit der Stadt umgestaltet worden
       – als Symbol für queere Sichtbarkeit, Diversität und Toleranz. „Das
       Übersprühen dieses Symbols zu Beginn des Pride Month ist ein gezielter
       Angriff auf diese Werte“, urteilten am Mittwoch die Göttinger Grünen.
       
       Zeitgleich übersprühten vermutlich dieselben Täter:innen eine an der
       Mauer neben dem Treppenaufgang hängende Gedenktafel zur Erinnerung an die
       [2][Bücherverbrennung] und machten das eingravierte Heinrich-Heine-Zitat
       „Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“ unleserlich.
       
       ## Tafel erinnert an Bücherverbrennung
       
       Die Tafel war am 10. Mai 1984 angebracht worden – genau 51 Jahre, nachdem
       Nationalsozialisten, unter ihnen viele Studierende, auf dem kurz zuvor in
       Adolf-Hitler-Platz umbenannten Platz Tausende Bücher verfemter Autoren
       verbrannt hatten. An der Mauer neben der Treppe hinterließen die
       Täter:innen weitere Nazi-Parolen wie „Fuck Links“.
       
       Den Göttinger Grünen zufolge reihen sich die Taten in eine ganze Reihe von
       neonazistischen Angriffen im Innenstadtgebiet in den vergangenen Monaten
       ein. Dazu zählten etwa ein queerfeindlicher Angriff im Zuge des
       letztjährigen CSD, körperliche Übergriffe auf Parteimitglieder,
       Beschädigungen von Stolpersteinen sowie rechtsextreme Schmierereien an der
       linken Kneipe „Dots“.
       
       Am 16. August 2025 wurden Teilnehmende des Straßenfestes nach der CSD-Demo
       auf dem Albaniplatz aus einer am Rand stehenden Gruppe heraus mit
       Feuerwerkskörpern beworfen. In der Nacht zum 5. Oktober beschmierten
       Unbekannte Außenbestuhlung, Wände und Fenster des „Dots“ mit insgesamt 13
       Hakenkreuzen. Und Ende April/Anfang Mai wurden mehrere [3][Stolpersteine]
       mit einer klebstoffartigen Flüssigkeit übergossen.
       
       „Rechtsextreme und Faschisten versuchen seit Monaten, unsere Stadt für sich
       zu reclaimen“, sagt Jannick Scherer vom Vorstand der Göttinger Grünen. „Das
       dürfen wir als Stadtpolitik und Zivilgesellschaft nicht zulassen.“
       
       Auch Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (SPD) verurteilte die
       jüngsten, offensichtlich rechtsextrem motivierten Taten. Diese seien „ein
       ekelhafter Angriff auf die Werte unserer offenen und demokratischen
       Gesellschaft“. Göttingen stehe für Vielfalt, Menschenwürde, Toleranz und
       eine lebendige Erinnerungskultur.
       
       ## Treppe wieder übermalt
       
       Die Treppe am Albaniplatz leuchtete am Mittwochmittag bereits wieder in den
       Farben des Regebenbogens. Schülerinnen und Schüler des nahen
       Max-Planck-Gymnasiums hatten das Schwarz-Rot-Gold übermalt.
       
       „Der spontane Einsatz eines Lehrers sowie der Schülerinnen und Schüler des
       Max-Planck-Gymnasiums zeigt, dass Einschüchterungsversuche wie dieser hier
       keinen Platz haben“, erklärte Oberbürgermeisterin Broistedt. Auch die
       beschmierte Gedenktafel an die Bücherverbrennung werde zügig wieder
       gereinigt. Broistedt kündigte an, dass die Stadt Anzeige gegen Unbekannt
       erstatten werde.
       
       3 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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