# taz.de -- Queerfeindliche Straftaten 2025: Attacke auf alle
       
       > Eine Anfrage im Bundestag macht Zahlen zu queerfeindlicher Gewalt
       > öffentlich. Das Ausmaß der Angriffe darf nicht als Randphänomen abgetan
       > werden.
       
 (IMG) Bild: Christopher-Street-Day in Neubrandenburg im August 2025
       
       Wenn die Homophobie in einer Gesellschaft zunimmt, ist das ein
       Frühwarnzeichen: Alle Menschen, die Menschenrechte selbst sind in Gefahr.
       So sieht es Human Rights Watch im aktuellen [1][Report von 2026 zum Stand
       der Menschenrechte.]
       
       Die Organisation warnt: In Deutschland ist es den demokratischen Parteien
       im letzten Jahr nicht gelungen, extrem rechten und rassistischen Narrativen
       wirksam entgegenzutreten. Diese seien weiter in den Mainstream eingesickert
       – mit spürbaren Folgen. Angriffe auf marginalisierte Gruppen, darunter auf
       queere Menschen, haben zugenommen.
       
       Die Fakten bestätigen diese Diagnose. [2][Die Antwort auf eine schriftliche
       Einzelanfrage der Bundestagsabgeordneten Marlene Schönberger (Bündnis
       90/Die Grünen)] enthält vorläufige Zahlen für 2025, Stand 31. Dezember:
       2.048 queerfeindliche Straftaten wurden im vergangenen Jahr in Deutschland
       registriert.
       
       Dabei wurden Delikte im Bereich „sexuelle Orientierung“, also Straftaten
       gegen Menschen, weil sie etwa schwul oder lesbisch sind, sowie Straftaten
       wegen der „geschlechtsbezogenen Diversität“, von Menschen, weil sie etwa
       trans, intergeschlechtlich oder nicht binär sind, zusammengefasst. Es
       finden sich 896 Verstöße gegen das Waffengesetz, 300 Fälle von
       Volksverhetzung, 207 Sachbeschädigungen, 245 Körperverletzungen – und zwei
       Tötungsdelikte aufgrund der sexuellen Orientierung der getöteten Personen.
       
       ## Nahezu verzehnfacht
       
       [3][In einem Lagebericht von 2024 zeigten das Bundeskriminalamt (BKA)
       gemeinsam mit dem Bundesministerium des Innern]: Seit 2010 haben sich die
       Straftaten in den Bereichen „sexuelle Orientierung“ und
       „geschlechtsbezogene Diversität“ nahezu verzehnfacht – und nach den starken
       Anstiegen 2023 und 2024 ist auch 2025 kein Rückgang auf ein früheres Niveau
       zu erkennen.
       
       Dabei ist das Dunkelfeld wahrscheinlich noch deutlich größer. [4][Eine
       Studie der Europäischen Agentur für Grundrechte von 2020 zeigt], dass 96
       Prozent der befragten LGBTIQ*-Personen Hatespeech nicht anzeigen, 87
       Prozent auch körperliche oder sexuelle Übergriffe nicht. Als Gründe nennen
       sie unter anderem, die Tat sei „zu gering/nicht ernst genug“ gewesen (33
       Prozent) oder die Angst vor homo- oder transfeindlichen Reaktionen der
       Polizei (23 Prozent).
       
       Auch die kürzlich veröffentlichte [5][Dunkelfeldstudie LeSuBiA] weist
       darauf hin, dass Mitglieder der queeren Community besonders häufig von
       Gewalt betroffen sind. Die tatsächliche Zahl der Übergriffe dürfte also
       weit höher liegen.
       
       Umso bestürzender ist das politische Signal, das die Bundesregierung
       sendet. Der von der Ampelregierung im November 2022 beschlossene
       [6][Aktionsplan „Queer leben“], der die Lebenssituation queerer Menschen
       verbessern und ein queerfreundlicheres Deutschland fördern sollte, wurde
       unter Bundeskanzler Merz faktisch beendet. Das Familienministerium erklärte
       den Prozess für „planmäßig abgeschlossen“, eine Fortsetzung ist nicht
       vorgesehen. Dabei war „Queer leben“ das einzige bundesweite Förderprojekt
       für queere Anliegen.
       
       ## Symbolpolitik ist Politik
       
       Human Rights Watch kritisiert zudem Vorstöße, wonach vor einer Änderung des
       Geschlechtseintrags nach dem Selbstbestimmungsgesetz personenbezogene Daten
       erfasst werden sollten – ein unnötiger Schritt, der zudem Diskriminierung
       begünstigen kann. Auch symbolpolitische Entscheidungen, wie die von
       Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), am Reichstagsgebäude zum
       jährlichen Berliner CSD die Pride-Flagge nicht zu hissen, senden ein
       fatales Signal.
       
       Deutschland darf sich nicht daran gewöhnen, dass queere Menschen zur
       Zielscheibe werden. Wenn Rechte von marginalisierten Gruppen bröckeln, dann
       ist das eben kein Randphänomen. Es ist der Anfang einer gefährlichen
       Entwicklung.
       
       Bei Queerfeindlichkeit fängt es an, beim Abbau der Demokratie geht es
       weiter. Also: Hören wir queeren Mitmenschen zu. Glauben wir ihnen, wenn sie
       von Bedrohung und Gewalt berichten. Und handeln wir – politisch wie
       gesellschaftlich. Denn Menschenrechte gelten für alle – oder sie verlieren
       ihren Wert.
       
       12 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.hrw.org/world-report/2026
 (DIR) [2] https://dip.bundestag.de/drucksache/schriftliche-fragen-mit-den-in-der-woche-vom-2-februar/284947
 (DIR) [3] https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/Publikationsreihen/Forschungsergebnisse/260210_LeSuBiA_Ergebnisse_I.html?nn=261272
 (DIR) [4] https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/SicherheitLSBTIQ/SicherheitLSBTIQ_1.html
 (DIR) [5] https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/Publikationsreihen/Forschungsergebnisse/260210_LeSuBiA_Ergebnisse_I.html?nn=261272
 (DIR) [6] https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1034860
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ann-Kathrin Leclere
       
       ## TAGS
       
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       Was für eine verächtliche Sprache gegen queere Sichtbarkeit!