# taz.de -- Senat legt Verfassungsschutzbericht vor: Immer jünger Richtung Extremismus
> Innensenatorin Spranger sieht besorgniserregende Tendenz. Sie befürchtet
> zudem aus dem Ausland gesteuerte Desinformation bei und vor der
> Berlinwahl.
(IMG) Bild: Der Rechtsextremismus ist laut Innensenatorin Spranger (SPD) spürbar jünger und aggressiver geworden
Jünger und aggressiver – das ist die generelle Tendenz in allen
Extremismusformen, die zudem auch noch an Zulauf gewinnen. Das war am
Dienstag die zentrale Botschaft von Innensenatorin Iris Spranger (SPD), als
sie den zuvor im Senat besprochenen [1][Verfassungsschutzbericht für 2025]
vorstellte.
Laut Spranger ist diese Entwicklung „besorgniserregend“, im rechtsextremen
Spektrum am offensichtlichsten und offenbar auf Dauer angelegt. „Wir müssen
davon ausgehen, dass es sich nicht um ein vorübergehendes Phänomen
handelt“, sagte die Senatorin. Der Bericht sieht dort gleich in der
Einleitung ausdrücklich [2][„eine neue Jugendkultur“].
Bei der Anwerbung junger Leute würden Extremisten aller Art stark auf
Social Media setzen. Spranger sprach dazu mit Blick auf islamistischen
Extremismus von einer [3][„Tiktokisierung des Salafismus“] und berichtete
von einem Prediger, der „auf allen Social-Media-Kanälen“ präsent sei.
Beim islamistischen Extremismus gibt es laut Spranger ein besonderes
Phänomen: die Direktansprache von Schülern vor dem Schultor. Davon habe in
der Senatssitzung Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU)
berichtet. Dabei werde versucht, sich mit Fragen wie „Hast du Probleme mit
Lehrern?“ als sonst fehlende Helfer und Zuhörer darzustellen. Grundsätzlich
soll anderswo nicht ausreichende Wertschätzung ein Grund dafür sein, dass
sich junge Menschen extremistischen Gruppen anschließen.
## Ideologie des „Öko-Anarchismus“
Dieses Vorgehen hat nach den Zahlen des Verfassungsschutzberichts Erfolg:
Das verfassungsfeindliche Personenpotenzial sei in allen Bereichen des
Extremismus gestiegen, ist im Jahresbericht zu lesen. Im Linksextremismus
stieg das Personenpotenzial im vergangenen Jahr von 3.800 im Jahr 2025 auf
3.950, was ein Plus von 150 ergibt. Um dieselbe Zahl wuchs der
islamistische Personenkreis: von 2.440 auf 2.590. Dem Rechtsextremismus
ordnet der Bericht 1.480 Personen zu, 30 mehr als 2024.
Einen weiteren Bereich stellt der auslandsbezogene Extremismus dar, unter
dem der Verfassungsschutz vor allem „israelfeindliche und antisemitische
Akteure“ fasst. Er wuchs dem Bericht zufolge von 1.680 auf 1.700.
Aufgeführt sind dabei Gruppen wie das Vereinigte Palästinensische
Nationalkomitee, BDS Berlin und Young Struggle.
Beim Linksextremismus sieht der Bericht eine zunehmende Gewaltbereitschaft
beim Thema Umweltpolitik. Spranger nannte als herausragende Fälle die
Anschläge auf das Berliner Stromnetz im September 2025 und Anfang Januar
dieses Jahres. Dem liege die Ideologie des „Öko-Anarchismus“ zugrunde.
Diese habe „spürbar zur Radikalisierung des gewaltbereiten Teils der
linksextremistischen Szene beigetragen“.
Senatorin Spranger warnte auch vor den Aktivitäten ausländischer
Geheimdienste in Berlin. Dabei hatte die SPD-Politikerin vor allem den Tag
der Abgeordnetenhauswahl am 20. September im Blick. „Wir müssen damit
rechnen, dass es am Wahltag und im Wahlkampf zu Desinformationskampagnen
kommen kann“, sagte sie.
## Grüne werfen Senat Versagen vor
Die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus reagierte mit harter Kritik auf die
Erfolge von Extremisten bei immer jüngeren Menschen, von der Spranger
berichtete. „Der schwarz-rote Senat versagt bei der Extremismusprävention“,
heißt es in einer Mitteilung der Abgeordneten June Tomiak und Ario Mirzaie,
„der Verfassungsschutzbericht ist ein Zeugnis dieses Versagens.“
Spranger und der Senat insgesamt hätten „weiterhin keine Antwort darauf,
wie Kinder und Jugendliche besser geschützt werden“ könnten. Die beiden
Grünen-Parlamentsmitglieder gingen mit ihrer Kritik noch weiter: Der
Koalition fehle „auch der gemeinsame politische Wille bei der Bekämpfung
des Rechtsextremismus“. Sie fordern einen Sicherheitsgipfel zu
rechtsextremer Jugendgewalt.
Die Gewerkschaft der Polizei wiederum drängt in ihrer Reaktion auf den
Verfassungsschutzbericht darauf, dass die Politik „den entsprechenden
rechtlichen Rahmen schafft, um wachsende Bedrohungsszenarien früh zu
erkennen und Maßnahmen ergreifen zu können“. Der Bericht zeige einmal mehr,
dass Berlin dabei „als Metropole besonders im Fokus steht“.
2 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.berlin.de/sen/inneres/verfassungsschutz/publikationen/verfassungsschutzberichte/
(DIR) [2] /Rechtsextreme-Jugendszene/!6076353
(DIR) [3] /Social-Media-Propaganda-bei-Jugendlichen/!6172158
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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