# taz.de -- Kulturmanagerin über Musikfestival: „Hier kann man kurdische Musik neben Heavy Metal hören“
       
       > Die „Fête de la Musique“ findet gleichzeitig in verschiedenen Städten
       > statt. Sie soll ein weltoffenes Fest sein, möglichst draußen und
       > kostenlos.
       
 (IMG) Bild: Konzerte umsonst und draußen: Fête de la Musique, hier in Hannover
       
       taz: Morena Piro, in über 180 deutschen Städten, Orten und Gemeinden wird
       am 21. Juni die Fête de la Musique gefeiert. Was ist das überhaupt? 
       
       Morena Piro: Die Fête de la Musique wurde in den 1980er Jahren in
       Frankreich gegründet und hieß ursprünglich „Faites de la Musique!“ – also
       „Macht Musik!“ Es geht darum, die Menschen, die Musik machen auf die Straße
       zu bringen – in Deutschland musizieren über 16 Millionen Menschen in ihrer
       Freizeit. Wichtig ist dabei die Kraft der Musik und des gemeinsamen
       Feierns.
       
       taz: Sie koordinieren all diese Veranstaltungen. Was ist da Ihre Aufgabe? 
       
       Piro: Mein Job ist es, die Menschen zu beraten, die an ihrem Ort eine Fête
       de la Musique organisieren wollen. Es geht also darum, was Menschen in
       einem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt oder einer großen Stadt wie Frankfurt
       brauchen, weil sie natürlich unterschiedliche Themen und Möglichkeiten
       haben. Und dann machen wir mit ihnen die Lizenzierung.
       
       taz: Eine Lizenz kann ja auch nicht vergeben werden. Was sind die
       Bedingungen dafür, dass man eine Fête de la Musique ausrichten darf? 
       
       Piro: Die Fête de la Musique ist eine geschützte Wordbildmarke aus
       Frankreich und dahinter liegt ein „general agreement“, das die
       Partner*innen aus den unterschiedlichen Ländern vor vielen Jahren
       entwickelt haben. Und daraus gehen die Voraussetzungen für die Vergabe
       einer Lizenz hervor. Dazu gehören, dass die Fête de la Musique am 21. Juni
       stattfindet, dass sie ein weltoffenes Fest sein soll, das es möglichst
       draußen stattfindet und dabei der Zugang kostenlos ist.
       
       taz: Welche Ausmaße haben diese Feste denn an den einzelnen Orten? 
       
       Piro: Wir haben zum Beispiel in diesem Jahr zum ersten Mal Lüneburg mit
       dabei. Und die veranstalten aus dem Stand heraus 60 Konzerte an 20 Orten.
       In Berlin finden dagegen Konzerte an über 300 Spielorten statt, an denen
       jeweils oft mehr als zehn Konzerte stattfinden. Es gibt aber auch ganz
       kleine Fêtes, die einen musikalischen Spaziergang durch ihren Ort
       organisieren.
       
       taz: Welche Bandbreite gibt es da bei den Musikgattungen und -stilen? 
       
       Piro: Eine große! In Berlin wird wohl jede Art von Musik, von Klassik über
       Jazz und Punk bis zu Kinderliedern, gespielt – und zwar sowohl von Profis,
       wie auch von Schüler*innen und Nachwuchsbands. Und in kleineren Orten
       wie Aschersleben wird die Fête von den Musiker*innen gestaltet, die
       dort leben.
       
       taz: Gibt es für Sie so etwas wie eine Philosophie der Fête? 
       
       Piro: Am 21. Juni ist die Stadt ein Ort imöffentlichen Raum, an dem sich
       Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten begegnen. Und diese sogenannten
       „dritten Orte“ gibt es ja heute fast gar nicht mehr. Aber hier kann man
       [1][kurdische Musik] neben Heavy Metal hören. Und vielleicht entdeckt man
       dabei, dass die eine oder andere Zuschreibung hinterfragt werden sollte. Da
       bekommen die Menschen die Chance, auf eine positive und unterschwellige Art
       etwas Neues kennenzulernen.
       
       taz: Warum wird die Fête de la Musique in Deutschland von Hannover aus
       organisiert? 
       
       Piro: Seit zehn Jahren ist Hannover eine „Unesco City of Music“ – und das
       sind wir geworden, weil wir eine [2][vielfältige und breite Szene an
       Musikschaffenden] mit einer guten Infrastruktur und vielen
       Ausbildungsstätten haben. Das Schöne dabei ist, dass wir so gut miteinander
       vernetzt sind und dabei ganz tolle Synergien entstehen. So gibt es bei der
       [3][Fête de la Musique] in Hannover eine Extrabühne, auf der, in
       Kooperation mit anderen Unesco Cities of Music, Musiker*innen aus
       England, Polen, Frankreich oder Süd-Korea auftreten.
       
       taz: Nun wird ja der Sommeranfang am 21. Juni auch in vielen
       unterschiedlichen Kulturen rituell gefeiert. 
       
       Piro: Der Tag hat tatsächlich seine eigene Magie. In fast allen Städten
       gibt es zum Beispiel abends nach dem letzten Konzert einen Abgesang. In
       Hannover singen dann alle gemeinsam [4][„Der Mond ist aufgegangen“]. Und
       das ist immer ein Gänsehautmoment.
       
       18 Jun 2026
       
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