# taz.de -- Massiver Künstlerprotest erzwingt Absage: Wiener Festwochen laden Tech-Milliardär Peter Thiel aus
> Nach Protesten und Absagen von Künstlern laden die Wiener Festwochen den
> umstrittenen Vordenker der US-amerikanischen Rechten, Peter Thiel,
> kurzfristig aus.
(IMG) Bild: Paypal-Gründer und Chef des Überwachungssoftwarekonzerns Palantir: Peter Thiel
Nach wachsendem Druck haben die Wiener Festwochen die für den 7. Juni
geplante öffentliche Diskussion mit dem libertären Tech-Milliardär
[1][Peter Thiel] kurzfristig abgesagt. Der Paypal-Gründer und Chef des
Überwachungssoftwarekonzerns Palantir gilt als einer der einflussreichsten
Vordenker der amerikanischen neuen Rechten. Zuletzt hatten Berichte über
seine apokalyptische Weltsicht verstärkt seine religiös-ideologischen
Positionen in den öffentlichen Fokus gerückt
Mehrere Festivalbeteiligte hatten ihre Auftritte aus Protest gegen Thiels
Einladung zurückgezogen, darunter auch der Philosoph [2][Geoffroy de
Lagasnerie], der in einem viel geteilten Statement auf Instagram verlauten
ließ, man könne „nicht den Faschismus fürchten und bekämpfen und über
Widerstandsstrategien nachdenken, während man gleichzeitig einen seiner
aktivsten Vertreter legitimiert oder ihn – schlimmer noch – als
Intellektuellen präsentiert, dessen (groteske, absurde und gefährliche)
Ideen wir in einem Konferenzraum gelassen diskutieren und anhören würden.
Politik ist weder Spektakel noch Unterhaltung.“
Auch Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) hatte die Einladung
öffentlich kritisiert und erklärt, die Kritik daran sei durchaus
nachvollziehbar. Die Stadt Wien ist Hauptgeldgeberin des Festivals, dessen
Intendanz Milo Rau 2023 übernommen hat und das seitdem stark an
internationaler Relevanz gewann. In diesem Jahr lautet der Titel des
Festivals [3][„Republic of Gods“].
Man habe die Entscheidung der Ausladung zugunsten des Festivalprogramms
getroffen, das durch die Künstlerabsagen in einem untragbaren Umfang
geschwächt gewesen wäre, so eine Mitteilung des Festivals.
## Thiel sollte mit Wolfgang Palaver diskutieren
Rau hatte Thiels Einladung in der Vergangenheit verteidigt und
argumentiert, der Diskurs mit Thiel sei politisch notwendig. Wer sich
dessen Ideologie und Einfluss nicht stelle, begehe ein kaum zu
entschuldigendes Versäumnis, so Rau noch in einem Beitrag vom 27. Mai im
Deutschlandfunk Kultur.
Ursprünglich als Veranstaltung vorgesehen war ein von Rau moderiertes
Gespräch unter dem Titel „Armageddon und Antichrist? Von der Theologie zur
Realpolitik“ zwischen Thiel und dem Innsbrucker Theologen Wolfgang Palaver.
Die beiden kennen sich seit gemeinsamen Zeiten an der Stanford University
Anfang der 1990er Jahre, wo Palaver als Forschungsgast war und stehen
seitdem in regelmäßigem Austausch.
Verbunden sind sie bis heute unter anderem auch durch das gemeinsame
Interesse am franko-amerikanischen Kulturtheoretiker René Girard und dessen
Thesen zu Sündenbock, Antichrist und Apokalypse. Während Thiel Girards
Ideen in sein rechtskonservatives Weltbild integriert, versteht Palaver
seine Gesprächsbereitschaft als kritische Korrektur: Er forscht seit
Jahrzehnten zur mimetischen Theorie Girards und sieht Thiels selektive
Lektüre als korrekturbedürftig an. Palaver gilt trotz seiner Verbindung als
Kritiker Thiels.
Bereits im vergangenen August hatte Thiel an einem Seminar an der
Katholisch-Theologischen Fakultät Innsbruck teilgenommen, bei dem er über
Apokalypse und Antichrist sprach. Dort sei auch Martin Girard, der Sohn des
Theoretikers, anwesend gewesen.
1 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Hilka Dirks
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