# taz.de -- Krieg im Nahen Osten: 32 Millionen von Armut gefährdet
> Laut den Vereinten Nationen drängen steigende Energie- und
> Lebensmittelpreise infolge des Irankriegs weltweit Menschen in Armut.
(IMG) Bild: Viele Menschen im Südsudan haben ohnehin zu wenig Geld für Treibstoff und Lebensmittel. Der Irankrieg verschärft ihre Situation
Sechs Wochen nachdem Israel und die USA den Krieg gegen den Iran begonnen
haben, verschlimmern sich die Auswirkungen für ärmere Länder rasant, warnt
die UN. [1][Laut Analysen des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen
(UNDP)] könnten im schlimmsten Fall 32 Millionen Menschen weltweit in die
Armut gedrängt werden.
Der Bericht zeigt, dass nicht nur Länder in der Golfregion, sondern auch in
Regionen fernab des Konflikts in Asien, in Subsahara-Afrika und kleinen
Inselstaaten besonders gefährdet sind. Der Iran hat infolge des Krieges die
bedeutende Seestraße von Hormus für den Großteil der Schiffe geschlossen
und damit die Ölpreise massiv in die Höhe getrieben. Das macht nicht nur
Energie teuer, sondern auch Waren, die mit Diesel weitertransportiert
werden. Auch höhere Düngemittelpreise sind eine direkte Folge.
Unverhältnismäßig stark seien Länder von den Auswirkungen betroffen, die
über den geringsten finanziellen Spielraum verfügen, um höhere Energie- und
Lebensmittelpreise abzufedern, sagte UNDP-Chef Alexander De Croo. „Diese
Länder zwingt die Krise zu unmöglichen Kompromissen zwischen der
Stabilisierung von Preisen heute und der Finanzierung von Gesundheit,
Bildung und Arbeitsplätzen morgen. Das ist inakzeptabel, und es ist
vermeidbar“.
UNDP empfiehlt, dass Regierungen befristete Geldtransfers zum Schutz armer
und schutzbedürftiger Haushalte bereitstellen. Dafür wären Geldtransfers in
Höhe von bis zu 6 Milliarden US-Dollar erforderlich, so der Bericht. Auch
gezielte Subventionen für [2][Mindestmengen von Strom oder Kochgas könnten
Haushalte vor Armut bewahren]. Gleichzeitig warnt UNDP vor pauschalen
Energiesubventionen, wie sie in Entwicklungsländern weit verbreitet sind,
weil sie reichere Haushalte unverhältnismäßig begünstigen und auf Dauer
viel zu teuer seien.
## Warnung vor Ernährungskrise
Auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Kristalina
Georgiewa hatte vergangene Woche vor einer Ernährungskrise im Nahen Osten
und Teilen von Afrikas infolge des Iran-Krieges gewarnt. Sie erwarte, dass
betroffene Länder bis zu 50 Milliarden Dollar (rund 43 Milliarden Euro) an
Finanzhilfen vom IWF benötigen werden. Am Montag begann in Washington die
Frühjahrstagung des IWF und der Weltbank. Bestimmendes Thema sind auch hier
die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs.
Laut UN-Organisation für Ernährung (FAO) sind wichtige gehandelte
Lebensmittel international im März 2,4 Prozent teurer als im Februar
gewesen und 1 Prozent höher als der Vorjahreswert. Regional gibt es aber
große Unterschiede. „Unsere Kolleg*innen in Myanmar berichten, dass der
Preis für Reis zuletzt lokal um rund 13 Prozent gestiegen ist“, sagt Miriam
Wiemers, Ernährungsexpertin bei der Welthungerhilfe. „Wenn Familien 80
Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen, führt jeder
Preissprung sofort zu Hunger“.
Die Krise stößt auf eine ohnehin volatile Lage: Viele Haushalte und Länder
haben sich noch nicht von den Auswirkungen der Corona-Pandemie und dem
Ukrainekrieg erholt, sind von gewaltsamen Konflikten und den Auswirkungen
der Klimakrise bedroht. „Hinzu kommt das für 2026 angekündigte
Wetterphänomen El Niño, das die Agrarproduktion zusätzlich belasten
könnte“, sagt Wiemers.
## Golfregion wichtiges humanitäres Logistikzentrum
Besonders kritisch sei die Lage für Länder mit hoher Importabhängigkeit
oder anstehender Anbauzeit, etwa Somalia, Kenia, Äthiopien oder
Bangladesch. Kleinbauern, die sich Düngemittel ohnehin kaum leisten können,
sind eher von den Preissteigerungen betroffen. Und: „Nicht überall kann von
heute auf morgen auf regenerative Landwirtschaft umgestellt oder gänzlich
auf Düngemittel verzichtet werden“, sagt Wiemers.
Es wäre jetzt sinnvoll, international zu koordinieren, dass die Düngemittel
da ankommen, wo sie am meisten gebraucht werden – und nicht da, wo die
Kaufkraft am stärksten ist, meint die Ernährungsexpertin.
Die Golfregion ist außerdem ein wichtiges humanitäres Logistikzentrum.
Lieferungen stecken fest, müssen umgelenkt werden und verzögern sich. In
Sudan und Somalia komme es zu erheblichen Verspätungen von Lieferungen,
vermehrt würden auf Esel als Transportmittel ausgewichen, sagt Wiemers.
„Während der Bedarf steigt, verteuern sich Transport und Beschaffung
massiv“. So können weniger Lebensmittel, Medikamente und andere
lebenswichtige Güter eingekauft und verteilt werden. Gleichzeitig hat die
Welthungerhilfe – wie andere Hilfsorganisationen – infolge der
Haushaltskürzungen ohnehin schon weniger Geld.
Die Bundesregierung müsse Gelder aufstocken, statt zu kürzen, sagt Wiemers.
Und: [3][Bei der Ernährungskrise wegen ausbleibender Weizenlieferungen
infolge des Ukraine-Krieges 2022] gab es diplomatische Anstrengungen, das
Schlimmste abzuwenden. Diese vermisst Wiemers in der aktuellen Krise.
13 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.undp.org/press-releases/military-escalation-middle-east-could-push-more-30-million-people-poverty-worldwide-un-development-programme-warns
(DIR) [2] /Auswirkungen-des-Iran-Kriegs-in-Suedasien/!6161178
(DIR) [3] /Ukrainekrieg-mit-weltweiten-Folgen/!5864153
## AUTOREN
(DIR) Leila van Rinsum
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