# taz.de -- Präsidentschaftswahl in Kolumbien: Rechts und Links kommen in die Stichwahl
       
       > Der ultrarechte Neuling Abelardo de la Espriella gewinnt den ersten
       > Wahlgang. Der linke Iván Cepeda wird mit 3 Prozentpunkten Rückstand
       > Zweiter.
       
 (IMG) Bild: Abelardo de la Espriella von „Verteidiger des Vaterlandes“ nach dem ersten Wahlgang in Barranquilla, Kolumbien, 31. Mai
       
       Es ist ein Wahlabend mit Überraschungen: Nach der [1][ersten Runde] der
       [2][kolumbianischen Präsidentschaftswahl] vom Sonntag zieht der ultrarechte
       Outsider Abelardo de la Espriella als Favorit in die Stichwahl am 21. Juni
       ein – gegen Iván Cepeda, den Umfragenfavoriten und Kandidaten der linken
       Regierungspartei.
       
       De la Espriella wolle in die „Endschlacht“ ums „Vaterland der Wunder“
       ziehen und Petro und Cepeda niederschlagen, damit Kolumbien nicht im
       Kommunismus ende, ruft er bei seinem [3][Auftritt in der Küstenstadt
       Barranquilla]. Militarisierung, harte Hand, religiöser Personenkult und
       Patriotismus zogen sich durch seinen Wahlkampf wie die KI-Videos. Seine
       Vorbilder sind US-Präsident Donald Trump, Argentiniens rechtslibertärer
       Javier Milei und [4][El Salvadors Diktator Nayib Bukele].
       
       De la Espriella, der Anwalt und Unternehmer von der Bewegung Defensores de
       la Patria (Verteidiger des Vaterlands) holte nach der Schnellauszählung der
       Wahlbehörde 43,74 Prozent der Stimmen; Iván Cepeda (Pacto Histórico –
       Historisches Bündnis) 40,90 Prozent. Beide eröffneten noch am Sonntagabend
       direkt die heiße Phase des Wahlkampfs für die Stichwahl und zogen deutlich
       im Ton an.
       
       Bombastisch wie sein Wahlkampf ist der Auftritt des selbst so getauften
       „Tigers“ de la Espriella. Sein Veranstaltungsschiff liegt im Meer vor der
       Uferpromenade seiner Heimatstadt Barranquilla. In der TV-Übertragung jubeln
       Fans am Ufer. De la Espriella brüllt vom Schiff zu ihnen. Und salutiert von
       der Leinwand als Dandy mit Einstecktuch.
       
       ## Beide Kandidaten werden in der Tonlage schriller
       
       Der echte Kandidat steht im gelben Nationaltrikot mit Baseballcap da,
       schlägt mit dem Arm um sich, das Gesicht wutverzerrt. „Sie wollen sich an
       der Macht festsetzen“, ruft er. Mit „sie“ meint er den linken Präsidenten
       Gustavo Petro und „seine Marionette“ Cepeda. „Sie wollten mit ihren
       gewalttätigen Horden Kolumbien in Brand stecken.“ Er werde die Demokratie
       „mit Vernunft oder Gewalt“ verteidigen.
       
       Cepeda nennt er einen „Banditen, der mit Drogenterroristen verbündet ist“
       und „den Schmerz der Opfer nutzt, um sich politisch und wirtschaftlich zu
       stärken“. Der bisherige Senator Cepeda ist Philosoph und
       Menschenrechtsverteidiger und setzte sich seit Jahren für Frieden,
       Versöhnung und die Opfer von Staatsverbrechen ein.
       
       Auch Cepeda gibt sich bei seinem [5][Auftritt in Bogotás Hotel Tequendama]
       kämpferisch wie im ganzen Wahlkampf noch nicht. Bisher vermied er selbst
       auf Nachfrage, über de la Espriella zu sprechen. Damit ist es vorbei. „Wer
       ist dieser Herr Abelardo de la Espriella?“, ruft er. „Ein Anwalt der
       Paramilitärs und der Drogenhändler!“. Das haben journalistische Recherchen
       über Jahre belegt. Und noch deutlicher: „Abelardo de la Espriella
       repräsentiert den mafiösen Faschismus.“
       
       Cepeda kritisiert die Einmischung ausländischer Regierungen in die Wahlen,
       namentlich durch Ecuadors rechten Präsidenten Daniel Noboa. Der gratulierte
       de la Espriella zum Sieg in der ersten Runde. Sollte der auch die Stichwahl
       gewinnen, würden die Fortschritte in linker Sozialpolitik zu Staub
       zerfallen, warnt Cepeda. „Die totale Zerstörung der Natur und des Lebens“
       bedeute dessen mögliche Wahl, ein Ende der sexuellen Vielfalt und des
       Respekts vor Frauen. De la Espriella sei misogyn und homophob, warnte
       Cepeda und appellierte an die Jugend: „Von euch hängt die Zukunft des
       Landes ab.“
       
       ## Die gesamte Rechte vereint sich hinter de la Espriella
       
       Die große Verliererin der Wahl ist Paloma Valencia, die abgeschlagen auf
       dem dritten Platz landete. Die Kandidatin des extrem rechten Centro
       Democrático und politische Ziehtochter von Ex-Präsident Alvaro Uribe
       erzielte knapp unter 7 Prozent der Stimmen. Alle anderen der 13
       Kandidatïnnen auf dem Wahlzettel waren noch chancenloser.
       
       Valencia stellt sich jetzt hinter de la Espriella – ebenso ihr Mentor
       Uribe. Damit stehen sich bei der Stichwahl eine geeinte Rechte und Linke
       gegenüber.
       
       Der scheidende erste linke Präsident Kolumbiens, [6][Gustavo Petro], der
       laut Verfassung nicht erneut antreten durfte, akzeptiert das Ergebnis der
       Schnellauszählung nicht, schrieb er [7][auf X], und meldete bisher
       unbelegte Zweifel an der Auszählung an. Cepeda sagte, er werde sich erst
       dazu äußern, wenn diese Angelegenheit aufgeklärt sei. Er sprach von einer
       „konfusen Situation“.
       
       Die Schnellauszählung weicht in der Regel nicht wesentlich von der
       Wahlprüfung ab, die das offizielle Wahlergebnis bestimmt. Das wird bis
       Dienstag erwartet. Die Wahlbeteiligung war mit 58 Prozent der rund 41
       Millionen zur Wahl aufgerufenen Kolumbianerïnnen die höchste in 24 Jahren.
       
       1 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=5zG6L0EvVig
 (DIR) [4] /Menschenrechtler-aus-El-Savador/!6114818
 (DIR) [5] https://www.youtube.com/watch?v=oLAmyCZSbKU
 (DIR) [6] /Praesidentschaftswahl-in-Kolumbien/!6180919
 (DIR) [7] https://x.com/petrogustavo/status/2061239161038725434
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katharina Wojczenko
       
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