# taz.de -- Erste Außenstelle außerhalb Israels: Holocaustgedenkstätte Yad Vashem kommt nach München
> Yad Vashem will eine Außenstelle in München einrichten mit einer
> Dependance in Leipzig. Das soll die jüdische Perspektive in der
> Erinnerungskultur stärken.
(IMG) Bild: Am Karolinenplatz 4: Hier soll das Bildungszentrum der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen
afp/dpa | Ein Bildungszentrum der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad
Vashem [1][soll in München entstehen]. Zudem soll es eine Außenstelle in
Leipzig geben, hieß es in einer Mitteilung von Yad Vashem. „München wurde
aufgrund seiner strategisch günstigen Lage und seiner Bildungslandschaft
ausgewählt, was die Stadt zu einem idealen Standort für die
Holocaust-Bildung macht“, teilte die Gedenkstätte weiter mit. Es handelt
sich den Angaben zufolge um den ersten Ableger der Gedenkstätte in einem
anderen Land.
[2][Yad Vashem] will mit dem Bildungszentrum laut eigenen Angaben „sein
weltweites Engagement in der Holocaust-Bildung und Erinnerungsarbeit
verstärken“. Die Gedenkstätte erklärte: „Dies geschieht in einer Zeit, in
der weltweit verzerrte Darstellungen der Geschichte des Holocaust zunehmen
und der Antisemitismus sich weiter ausbreitet.“
## Bildungszentrum soll Dimension des Massenmords verdeutlichen
Das Bildungszentrum soll die jüdische Perspektive in der deutschen
Erinnerungskultur stärken. „Wir möchten mit dem Bildungszentrum ein
größeres Bild als bisher in den Dialog der Erinnerungskultur in Deutschland
einbringen. Das wird vor allem Stimmen der Opfer beinhalten und weniger der
Täter“, sagte Yael Richler-Friedman, Pädagogische Direktorin des
internationalen Instituts für Holocaust-Bildung von Yad Vashem, Ende
vergangenen Jahres. Die deutsche Erinnerungskultur sei bisher von lokalen
Geschichten geprägt gewesen.
Ziel sei es, im geplanten Bildungszentrum die Dimension des Massenmordes zu
verdeutlichen. Besucher sollen dazu angeregt werden, sich mit den komplexen
menschlichen Fragen hinter den Erfahrungen der Opfer auseinanderzusetzen.
Das solle eine [3][Reflexion der eigenen Identität] anregen und Empathie
kreieren.
## Bildungsministerin: Kampf gegen Antisemitismus stärken
Laut Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) ist Ziel der Einrichtung
auch, den Kampf gegen Antisemitismus in Deutschland und Europa weiter zu
stärken. „Das Wissen über das, was war, ist wichtig, um das Übel in der
Zukunft zu verhindern. Dabei wissen gerade junge Menschen in Deutschland zu
wenig über die Shoah und die systematische Ermordung von Millionen Juden im
Nationalsozialismus“, sagte sie.
Der Leiter der Gedenkstätte, Dani Dayan, teilte mit: „Da wir uns immer
weiter von der Ära der Zeitzeugenberichte entfernen, ist eine historisch
fundierte Holocaust-Bildung wichtiger denn je.“
Zustimmung kommt auch vom Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung,
Felix Klein. „Dass Yad Vashem hier in Deutschland sein erstes Zentrum
außerhalb Israels errichten will, zeigt das große Vertrauen, das in Israel
uns gegenüber besteht“, sagte Klein der Rheinischen Post. Bayern sei bei
der Erinnerungskultur „sehr gut aufgestellt“. Auch über die Außenstelle in
Leipzig sei er sehr froh, sagte Klein. Gerade in den neuen Bundesländern
sei es wichtig, Erinnerungskultur „mit neuen Impulsen“ zu betreiben, weil
Rechtspopulisten dort besonders das Narrativ der Schuldabwehr für
NS-Verbrechen nutzten.
## Einrichtung in Leipzig – Sachsens Ministerpräsident spricht von „großer
Ehre“
Die kleinere Einrichtung in Leipzig soll interaktive Lernräume etablieren
und ihre Angebote vor allem an Pädagogen und junge Menschen in der Region
und in den Nachbarländern richten.
Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprach von einer
„großen Ehre und zugleich Verpflichtung“. Weiter sagte er: „Tatsächlich
sind Bildung und Begegnung ganz entscheidend, um das Gedenken wachzuhalten
und Geschichte begreifbar zu machen. Bildung und die neuen Bildungsorte
sind notwendig und wichtig, um Antisemitismus, Vorurteilen, Desinformation
und jeder Form der Relativierung des Holocaust ganz entschieden und klar
entgegenzutreten.“
Yad Vashem mit Sitz in Jerusalem ist die größte Holocaust-Gedenkstätte der
Welt. Im September 2025 hatten der Leiter der Gedenkstätte und die
Bundesbildungsministerin mitgeteilt, dass es eine Außenstelle in
Deutschland geben soll. Seine Arbeit aufnehmen könnte das Zentrum in zwei
bis drei Jahren. Als mögliche Standorte waren Bayern, Nordrhein-Westfalen
oder Sachsen genannt worden.
In NRW hatten sich Köln, Düsseldorf und Dortmund um den Zuschlag bemüht –
Köln hatte für das geplante Bildungs- und Begegnungszentrum einen Standort
direkt am Kölner Dom angeboten. Düsseldorf hatte ein ehemaliges Theater
außerhalb der Innenstadt ins Spiel gebracht, Dortmund den ehemaligen
Südbahnhof.
28 May 2026
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