# taz.de -- Wegners fehlendes Händchen für Personal: Fortgesetzte Verluste
> Kurz nach dem Rücktritt von Matthias Hundt beruft Regierungschef Kai
> Wegner (CDU) einen neuen Chief Digital Officer. Doch viele Fragen bleiben
> offen.
(IMG) Bild: Würde er eine Bestenauslese bestehen? Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU)
Wer in Personalfragen immer öfter danebengreift, setzt im Zweifel lieber
auf Altbekanntes. Nach dem Rücktritt seines Chief Digital Officer (CDO) und
Staatssekretärs für Verwaltungsmodernisierung Matthias Hundt hat Berlins
Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bereits am Mittwoch Ersatz
gefunden. Bis zur Wahl am 20. September übernimmt der [1][Staatssekretär
für Bundes- und Europaangelegenheiten], Florian Hauer (CDU), den Job.
Mit der Personalie folgt Wegner dem Prinzip, das er schon bei der
Senatsverwaltung für Kultur angewendet hat. Statt Neubesetzung einfach
Doppelbelastung für eine bewährte Kraft. Das Amt des Kultursenators hatte
nach dem Rücktritt von Sarah Wedl-Wilson im Zusammenhang mit der
Fördergeldaffäre Finanzsenator Stefan Evers (CDU) zusätzlich übernommen –
ebenfalls bis zum Ende der Legislatur.
Der Neue, der Berlin von der analogen Steinzeit in eine digitale Zukunft
führen soll, ist also ein Alter. Ein Eingeständnis, dass Wegner kein Risiko
mehr eingehen und auf Nummer sicher gehen will, ist das zunächst nicht. Wer
will schon seinen bisherigen Job aufgeben, nur um im Fall der Fälle nach
der Wahl zum Abgeordnetenhaus seinen Posten wieder räumen zu müssen?
Sosehr die Personalie Hauer also nachvollziehbar sein mag, so sehr wirft
die des zurückgetretenen Vorgängers Hundt noch immer Fragen auf. Auch, was
Wegners Händchen angeht, die richtigen Leute für die richtigen Aufgaben zu
finden – oder genauer: sein fehlendes Händchen dafür.
Denn die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Dresden wegen des Verdachts
auf Insolvenzvergehen, wegen derer Hundt zurückgetreten ist, sind das eine.
Für Wegner ebenso schwierig ist die Frage, warum ein Bewerber in Berlin
einen Spitzenposten in der Verwaltung bekam, der in Sachsen mit Sang und
Klang gescheitert war.
## In Sachsen war Hundt gescheitert
Schon 2021 hatte sich Hundt für die Leitung der neu gegründeten
Digitalagentur Sachsen beworben – und war durchgefallen. Wieso Wegner von
Hundt bei seiner Ernennung als „ausgewiesenem Digital-Experten“ sprach,
bleibt das Geheimnis des Regierungschefs. In Dresden selbst, so ist zu
hören, galt Hundt manchen vor allem [2][als „schillernde Figur, die auf
jedem Empfang herumläuft“].
Auch nach welchen Kriterien und Qualifikationen sich Wegner für Hundt
entschieden hat, ist nach wie vor offen. In der Pressemitteilung zu seiner
Berufung am 18. März teilte Wegner lediglich mit: „Ich freue mich, dass
Matthias Hundt mit seiner großen Digital-Expertise die Aufgabe als neuer
CDO des Landes Berlin und Staatssekretär für Digitalisierung übernimmt.“
Keine Angaben also zur Art des Auswahlverfahrens, auch keine Information
über die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber. Von Hundt selbst aber gab es
bei der Messe Bitkom im April den Hinweis, dass gar kein
Bewerbungsverfahren stattgefunden hatte. Im Auto habe ihn der Anruf Wegners
erreicht: „15 Sekunden und dann waren wir uns einig“, [3][zitiert der
Tagesspiegel Hundt].
Ist ein freihändiges Verfahren bei der Besetzung eines Spitzenpostens in
der Verwaltung üblich? Und wie läuft ein solches Verfahren ab? Nachfrage
bei der [4][Kontrast Personalberatung] aus Hamburg, die auch in Berlin ein
Büro hat. „Hätte uns die Berliner Senatskanzlei angerufen, hätten wir zu
einem sauberen Verfahren geraten“, sagt Geschäftsführer Ingo Scheider der
taz.
## „Es gibt keinen Grund, eine Abkürzung zu nehmen“
Selbst wenn die Zeit dränge, sei ein solches Verfahren möglich. „Wir können
auch eine Auswahl mit 10 Kandidaten in zwei Tagen abschließen“, sagt
Scheider. „Es gibt keinen Grund, da eine Abkürzung zu nehmen, vor allem
nicht bei einer Stelle wie einem Chief Digital Officer, die inhaltlich
derart anspruchsvoll ist.“
Selbst wenn eine freihändige Vergabe möglich sei, würde Scheider immer dazu
raten, Referenzen einzufordern. „Das geht natürlich nur mit der Genehmigung
des Arbeitgebers“, betont er. Aber auch bei Freiberuflern und
selbstständigen Unternehmern sei es möglich, sich ein Bild zu machen. „Man
kann zum Beispiel Projektberichte verlangen.“ Das entscheidende Kriterium
bei allen Verfahren sei die Bestenauslese. „Und darüber sollte nicht nur
eine Person entscheiden.“
All das ist bei der Auswahl von Matthias Hundt als CDO nicht passiert. Kai
Wegner selbst gibt an, Hundt bei einem Arbeitstreffen 2024 kennengelernt zu
haben. Er bringe eine „mehrjährige Berufserfahrung“ mit und sei „über die
Grenzen Dresdens hinaus bekannt'“, [5][zitiert der MDR einen Mitarbeiter
der Berliner Senatskanzlei].
Bald nach der Berufung aber war Hundt schon negativ aufgefallen.
Abgeordnete hatten bei einer Anhörung des Digitalisierungsausschusses im
Abgeordnetenhaus ein „breitbeiniges Auftreten“ kritisiert. Außerdem war
nach seiner Berufung der Streit um die Finanzierung des IT-Dienstleisters
des Landes eskaliert.
## Vorgängerin Klement war hoch anerkannt
Bei Hundt mag man Wegner noch zugutehalten, nach dem Wechsel der
parteiübergreifend hoch anerkannten CDO Martina Klement als
Wirtschaftsministerin nach Brandenburg unter Zeitdruck gestanden zu haben.
Doch für andere Personalentscheidungen trifft das nicht zu.
Ex-Kultursenator Joe Chialo (CDU) etwa galt als Wunschkandidat Wegners –
bis sich herausstellte, dass der vormalige Musikunternehmer keine Erfahrung
hatte, politische Mehrheiten zu suchen und eine Verwaltung zu moderieren.
In der Fördergeldaffäre selbst versuchte Wegner schließlich, sich
herauszuhalten – bis ihm die Dynamik der skandalösen [6][Einflussnahme
zweiter CDU-Abgeordneter] schließlich selbst auf die Füße fiel. Zuerst
musste er Kulturstaatssekretär Oliver Friederici (CDU) entlassen, obwohl
Wegner selbst wusste, dass das nur ein Bauernopfer war. Dann folgte die
Demission von Senatorin Wedl-Wilson.
„Fortgesetzte Verluste“ könnte man Wegner und seiner Personalpolitik
inzwischen attestieren. Inzwischen machen sich diese Verluste auch in den
Umfragen bemerkbar. Sollte das Kritkerium der „Bestenauslese“ auch für die
Wahl zum Regierenden Bürgermeister Anwendung finden, wäre Kai Wegner wohl
keine zweite Amtszeit beschert.
28 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.berlin.de/rbmskzl/politik/senatskanzlei/wir-ueber-uns/lebenslauf.1380443.php
(DIR) [2] https://www.tagesspiegel.de/berlin/schlitzohr-lugenbold-hochstapler-hat-kai-wegner-als-berlins-neuen-chef-digitalisierer-den-falschen-ausgewahlt-15419836.html
(DIR) [3] https://www.tagesspiegel.de/berlin/schlitzohr-lugenbold-hochstapler-hat-kai-wegner-als-berlins-neuen-chef-digitalisierer-den-falschen-ausgewahlt-15419836.html
(DIR) [4] https://www.kontrast-gmbh.de/de/
(DIR) [5] https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/insolvenz-vorwuerfe-digital-staatssekretaer-matthias-hundt-berlin-ruecktritt-104.html
(DIR) [6] /CDU-Foerdergeldaffaere/!6181574
## AUTOREN
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