# taz.de -- Kunst in Neuköllner Kleingärten: Hinter den Hecken
       
       > Die 6. Britzenale Berlin bringt Kunst und Gemüse in einer
       > Laubenpieperkolonie zusammen. Die Schau schlägt auch einen historischen
       > Bogen zur Bundesgartenschau 1985.
       
 (IMG) Bild: Zu sehen im Garten: Stephan Mörschs „The House in the Middle – Rekonstruktion eines Atombombentestaufbaus von 1953 im Maßstab 2:3“
       
       Wer braucht schon [1][die Giardini der Biennale in Venedig], wenn er
       Kleingartenparzellen um die Ecke sowie Kunstschaffende kennt, die sich aufs
       ortsspezifische Draußenarbeiten einlassen? [2][Christof Zwiener] hat im
       Berliner Süden die charmante Alternative zum globalen Großkunstprojekt in
       der Lagunenstadt aus der Taufe gehoben. Der Bildhauer und Fotograf
       organisiert seit zehn Jahren die Britzenale. Mit dem Komposit aus Britz und
       Biennale verknüpft er Kunst und Kleingärten, bringt Künstler*innen,
       Pächter*innen und Publikum für ein entspanntes Wochenende im Grünen
       zusammen.
       
       Die 6. Britzenale findet vom 5. bis 7. Juni 2026 statt und zeigt Arbeiten
       von insgesamt 21 Künstler*innen auf der immerhin etwa 500 Parzellen
       umfassenden Anlage „Zur Windmühle“.
       
       Manche Parzellen sehen geradezu verwunschen aus, sind mit Bäumen und
       Sträuchern bewachsen wie ein Märchenschloss. Andere wirken mathematisch
       klar, mit viel Rasenfläche und akkurat geschnittenen Hecken. Die Auswahl
       der Parzellen geschieht gemeinsam mit den Künstler*innen, erklärt Zwiener:
       „Die einen brauchen viel Rasenfläche, andere einen ökologisch wertvollen
       Garten.“ Dann müssen auch die Pächter*innen überzeugt werden.
       
       ## Seit 58 Jahren mit dem Garten verbunden
       
       Eine von ihnen ist Sabine Gorcke, seit mittlerweile 58 Jahren mit ihrem
       Garten verbunden. Sie hat ihn von ihren Eltern übernommen und schwärmt noch
       jetzt von ihrer glücklichen Kindheit im Freien. „Wir waren immer draußen,
       vier bis fünf Monate pro Jahr, haben hier richtig gewohnt“, erzählt sie der
       taz.
       
       Auch zur Schule ging sie vom Garten aus. „Wir haben in Neukölln unsere
       Wohnung gehabt. Die Schulen waren in der Umgebung. Und dann ist man mit
       gerade mal sechs Jahren mit seiner großen Schwester nach vorne gelaufen zum
       Bus und zur Schule gefahren. Das war kein Elterntaxi bis ins
       Klassenzimmer“, sagt sie und lacht. Jetzt freut sie sich auf das Abenteuer
       Britzenale. „Ich finde die Vorstellung total schön, hier einen offenen
       Garten zu machen, wo die Leute reinkommen und sich das angucken.“
       
       Ihr Garten wird eine Arbeit von Sophia Muriel beherbergen. Muriel setzt
       sich mit dem Begriff Sicherheit auseinander. Das ist auch in der
       Kleingartenanlage ein Thema. Die meisten Parzellen sind von Hecken umgeben,
       manche reichen weit über Augenhöhe, schirmen wie eine Wand ab, andere auf
       Knie- oder Bauchhöhe erlauben einen frei schweifenden Blick. Muriel
       entwickelt für die Britzenale ein Konzept von Soft Safety. Eine
       Stacheldrahtinstallation fertigt sie aus Schaumstoff, auch eine
       Überwachungskamera aus Schaumstoff wird es als skulpturales Objekt geben.
       
       ## Ein Schiff auf dem Trockenen
       
       Mit einem großen Objekt, einem Schiff, arbeiten auch die Künstlerinnen
       Marie Jeschke & Carolin Seeliger. Das Schiff, das auf dem Trockenen liegt,
       soll auf die Problemressource Wasser hinweisen, ihren Mangel zur
       Bewässerung von Obst und Gemüse etwa. Die Arbeit befindet sich auf einer
       freien Parzelle, wie auch das „Dorf der Türme“ von Ethan Hayes-Chute. Er
       imaginiert ein Verdichtungsprojekt zur Beseitigung der Wohnraummisere.
       
       Freie Parzellen, die gerade verlassen sind, gibt es tatsächlich in der
       Anlage „Zur Windmühle“. Allerdings nur wenige. Bei den Künstler*innen sind
       sie begehrt. „Ich glaube, sie sehen sie als white cube an“, meint Zwiener.
       Mehr den Sinn einer Begegnung erfüllen allerdings die von Pächter*innen zur
       Verfügung gestellten Parzellen.
       
       Angefangen hat [3][das Britzenale-Projekt] mit einer Parzelle in der
       Kleingartenanlage Morgentau, die Zwiener selbst mit Tomaten und Kartoffeln
       beackerte. Nach und nach erschloss er weitere Schrebergartenkolonien für
       Kunstprojekte. In der Anlage „Zur Windmühle“ war die Kunst sogar schon viel
       früher. Zur Bundesgartenschau 1985, die auf dem benachbarten Areal des
       heutigen Britzer Gartens ausgerichtet wurde, ließ der Bildhauer Eckhart
       Haisch seine Großskulptur „Ramificazione“ errichten. Im Volksmund heißt das
       aus gebogenen Betonsäulen bestehende Werk „Elefantenfüße“. Sie werden jetzt
       ins Programm der Britzenale integriert.
       
       4 Jun 2026
       
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