# taz.de -- Verlorene Hutwettbewerbe: Watch out, Hoppegarten!
       
       > Aus der Garage auf die Pferderennbahn: Mit Basthut und Hirschkäferbrosche
       > ist im Berliner Osten kein Blumentopf zu gewinnen.
       
 (IMG) Bild: Bei astreinem Wettwetter in Hoppegarten beim „Fashion Race Day“
       
       Her mit der Puffbrause! Schließlich muss man angesichts des wie ein
       Gespenst in Europa umgehenden Abstinenztrends auch mal an die Wein- und
       Champagnerindustrie denken. Überhaupt: Wasser trinken können wir, wenn wir
       tot sind.
       
       Aber das ist ja noch lange, lange, lange nicht der Fall, vielleicht nie.
       Virginia Woolfs von Olga Neuwirth [1][für die Komische Oper gechannelten
       „Orlando“,] dem ich zum Pfingstwochenendstart am Donnerstag ehrfürchtig
       lauschte, stirbt schließlich auch nie so richtig, sondern wandelt zwischen
       Zeiten und Gendern, und ist dabei mindestens so faszinierend wie Sam
       Heughan als Jamie in der Zeitreiseserie „Outlander“. Nur mit weniger
       aufdringlichen Bizeps.
       
       Und die Laune nach dem schönen Abend hielt: Den ersten 60. Geburtstag am
       Freitag tanzte ich komplett durch, kurz unterbrochen von lieben Gästen, die
       dem Geburtstagskind sachverständig ein Ständchen brachten, namentlich „Ich
       hab ka Lust“, eines der besten Georg Kreisler-Couplets: „Kennen Sie den
       Blau? Kennen Sie den Roth? / Beide hat der Schlag getroffen, beide sind sie
       tot / Kennen Sie den Schwarz? Kennen Sie den Grün? / Beide liegen krank im
       Bett und schwitzen Aspirin / Ich an Ihrer Stell tät mich genieren / Krank
       zu werden, könnt mir nicht passieren / Ich hab ka Lust, ich finde,
       Kranksein ist schlecht / Ich hab ka Lust, ich bleib gesund wie ein Hecht
       …“. Sag ich doch!
       
       ## Garage Punk in der Garage
       
       Samstag feierte direkt der nächste rüstige Jubilar den nächsten 60.,
       diesmal mit Tanzen in der Garage (ohne Auto). Meine Idee, ausschließlich
       „Garage Punk“ auf die Playliste zu packen, wurde zwar nicht von allen
       Anwesenden gutgeheißen, aber wenn man die Kontrolle über die
       Musiklautstärke und das Bluetooth innehat, kann man dafür sorgen, dass
       Einwände einfach nicht gehört werden, und niemand anderes „bereit zum
       Koppeln“ ist, hähä. Eben wie es Harold aus „The Big Bang Theory“ einst
       formulierte: „Alles ist besser mit Bluetooth!“
       
       Apropos Koppeln: Am Sonntag ging es bei astreinem Wettwetter nach
       Hoppegarten zum „Fashion Race Day“, um mich einerseits beim Pferderennen
       finanziell zu sanieren und andererseits endlich den ersten Platz beim
       dortigen Hut- und Modewettbewerb zu machen. Es wollte zwar (vielleicht
       wegen der beiden überstandenen Partytage) niemand mit, aber wir lassen uns
       das Singen nicht verbieten, und ich mir das Schicksein erst recht nicht.
       Ich stylte mich also im Stile der stolzen mexikanischen
       Escaramuza-Reiterinnen mit breitkrempigem, verziertem Basthut, Tellerrock,
       Korksandalen und funkelnder Hirschkäferbrosche, und ließ ein Foto von mir
       neben der Champagnerbar machen. Angeblich werden diese Fotos kurz vor dem
       letzten Rennen der (angeblich) fachkundigen Jury vorgelegt, die dann über
       die Gewinner:innen entscheidet.
       
       Aber meine Glückssträhne schien langsam abzureißen. Denn nachdem zunächst
       keines der von mir präferierten Gäule „Obstler“, „Ginger Cat“, „Hello Ella“
       und „Iron Woman“ dahin lief, wo es hinlaufen sollte, wurde ich bei der
       Modepreisvergabe schnöde übergangen, trotz wütenden „Schiebung!“- und
       „Skandal!“-Rufen meinerseits. Es gewannen stattdessen ein Obsthut (buh!
       Hatte Carmen Miranda schon auf!), und etwas das aussah wie ein – immerhin
       farblich hochinteressanter – Stapel Tuppertöpfe. Die Jury war eindeutig
       entweder blind, oder hatte mein Foto nicht vorgelegt bekommen. Eine andere
       Möglichkeit gibt es nicht.
       
       Glücklicherweise währte mein Verschnupftsein nicht lange – als eine Brass
       Band mit viel Lungenkraft „Smoke on the water“, „Männer sind Schweine“ und
       Coldplays „Viva la Vida“ interpretierte, stieg die Laune wieder an. Das war
       bestimmt nicht der letzte Hut, den ich aus demselben gezaubert habe. Watch
       out, Hoppegarten, here I ride!
       
       26 May 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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