# taz.de -- Epstein-Files: Wie viele Tonnen wiegt die Schuld?
       
       > Eine Ausstellung in Washington will über den Epstein-Skandal aufklären.
       > Dafür hat sie alle veröffentlichten Dokumente der Epstein-Files
       > ausgedruckt.
       
 (IMG) Bild: „Donald J. Trump and Jeffrey Epstein Memorial Reading Room“ in einer Ausstellung, die die Epstein-Dokumente in 3.437 Büchern zeigt
       
       In einem unscheinbaren zweistöckigen Ladengebäude in Washingtons Chinatown,
       versucht eine Ausstellung, die Opfer des [1][Epstein-Falls] in den
       Vordergrund zu rücken. Denn der Fall des verurteilten Sexualstraftäters
       Jeffrey Epstein ist trotz der Veröffentlichung von Millionen von Dokumenten
       durch das US-Justizministerium noch immer nicht abgeschlossen.
       
       Denn der Preis, sich gegen [2][US-Präsident Donald Trump] aufzulehnen, ist
       hoch. In der vergangenen Woche verloren drei der vier republikanischen
       Abgeordneten, die im US-Repräsentantenhaus eine Abstimmung über die
       Veröffentlichung der Epstein Files erzwungen haben, ihre Vorwahlen und
       damit ihre politische Zukunft.
       
       „Wenn es für ein Verbrechen – insbesondere ein derart schwerwiegendes –
       keine Rechenschaftspflicht gibt, nur weil die Täter reich und mächtig sind,
       bedeutet es, dass wir auf die Rechtsstaatlichkeit nicht mehr vertrauen
       können; und ohne Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit ist es schwierig, in
       einem Land eine echte Gesellschaft und Demokratie zu haben“, sagte David
       Garrett, einer der Organisatoren der Ausstellung, im Gespräch mit der taz.
       
       Ein überdimensional großes Foto von [3][Epstein und Trump] begrüßt die
       Besucher am Eingang. Gleich daneben ist eine Zeitleiste, die die Verbrechen
       der beiden zeigen soll. Die Organisatoren unterscheiden dabei zwischen
       bewiesenen Vorfällen und unbewiesenen Anschuldigungen.
       
       ## Sie wiegen mehr als 7,5 Tonnen
       
       Doch noch eindrucksvoller als die Information an dieser Wand sind Dutzende
       Bücherregale, die mit weißen Buchbänden gefüllt sind. Mehr als 3.400
       solcher Bände mit jeweils 800 Seiten brauchte man, um die 3,5 Millionen
       Dokumente, die vom US-Justizministerium veröffentlicht wurden, sichtbar zu
       machen.
       
       Zusammen wiegen die Buchbände mehr als 7,5 Tonnen und erreichen eine Länge
       von mehr als 170 Meter. „Es ist eine Menge Beweismaterial und ich denke,
       wenn man hierherkommt und sich umsieht, ist es schwer vorstellbar, dass
       nicht noch viel mehr Ermittlungen nötig sind und dass nicht noch viel mehr
       Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden müssen“, sagte Garrett.
       
       ## Voller Fokus auf das Verbrechen
       
       Im Hintergrund läuft eine triste Musik, die die Tragweite der Verbrechen
       von Jeffrey Epstein und seinen Mitstreitern an mehr als 1.400 Opfern
       untermauern soll. Geht es nach den Veranstaltern, dann sollen die Menschen
       hier Ruhe finden, um sich die Buchbände aus den Regalen zu nehmen und
       [4][die veröffentlichten Dokumente selbst anzusehen]. Tische und kleine
       Leseecken sind deshalb überall zu finden. „Ich hoffe, dass die Menschen,
       wenn sie hierherkommen, ihr Handy weglegen und aufhören zu scrollen – dass
       sie sich wirklich auf die ganze Tragweite dieses Falls einlassen können“,
       sagte Garrett.
       
       Eine der Besucherinnen, die an diesem Tag anwesend sind, ist Alejandra
       Flores. Laut ihr sei eine Ausstellung wie diese wichtig, um die Schandtaten
       von Epstein und seinen Komplizen im Licht der Öffentlichkeit zu halten: „Es
       ist wichtig, Präsenz zu zeigen und hier zu sein, denn ich bin ein Mensch,
       und es sind Menschen, denen diese schrecklichen Dinge widerfahren sind“,
       erklärte sie.
       
       „Ich glaube, dem amerikanischen Volk ist es wirklich wichtig, was im
       Zusammenhang mit der Vertuschung geschehen ist – ebenso wie die
       eigentlichen Verbrechen“, sagte Flores. Auf der zweiten Etage können
       Besucher auf Zetteln persönliche Nachrichten hinterlassen. Die Nachrichten
       reichen vom Mitgefühl für die Opfer zum Hass gegen Epstein, Trump und die
       Republikanische Partei.
       
       Auch wenn die Wanderausstellung die Beziehung zwischen Trump und Epstein
       stark beleuchtet, machten Organisatoren klar, dass sie Trump weder eines
       Verbrechens beschuldigen noch behaupten, dass er sich an einem der Mädchen
       vergangen habe. Es gehe ihnen mehr um die fehlen Aufarbeitung: „Ich hoffe,
       dass [5][die Korruption der Trump-Ära] – zu der dieser Fall natürlich zählt
       – uns dabei helfen wird, die notwendigen politischen und gesellschaftlichen
       Veränderungen vorzunehmen“, sagt Garrett.
       
       13 Jun 2026
       
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 (DIR) Hansjürgen Mai
       
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