# taz.de -- First Lady der USA zu Epstein: Will sie den Enthüllungen zuvorkommen?
> Melania Trump hat jegliche engere Verbindungen zum Sexualstraftäter
> Jeffrey Epstein zurückgewiesen. Doch warum äußert sie sich ausgerechnet
> jetzt?
(IMG) Bild: Melania Trump: fünfminütige Stellungnahme im Weißen Haus
Der Zeitpunkt wirkt ungünstig. Über die Epstein-Affäre begann Gras zu
wachsen, und die Weltöffentlichkeit ist beschäftigt mit der Waffenruhe
zwischen den USA und Iran. Trotzdem entschied sich [1][First Lady Melania
Trump] am Donnerstagabend dazu, eine Rede zu ihrer Rolle in Bezug auf den
verstorbenen Sexualstraftäter zu halten.
„Die Lügen, die mich mit dem schändlichen Jeffrey Epstein in Verbindung
bringen, müssen heute aufhören“, erklärte die 55-Jährige in einer
fünfminütigen Stellungnahme im Weißen Haus. Sie habe „niemals Beziehungen
zu Epstein oder seiner Komplizin Maxwell“ gehabt und sei nicht mit ihnen
befreundet gewesen. Ihr Ehemann und sie hätten in New York City und Palm
Beach lediglich den gleichen Kreisen angehört und wären gelegentlich zu
denselben Partys eingeladen worden. Fragen von Journalist:innen
beantwortete die First Lady nicht.
Ihren Mailverkehr aus den 2000er Jahren mit Epsteins Vertrauter Ghislaine
Maxwell, die wegen ihrer Beteiligung an dessen Sexhandelsring derzeit eine
20-jährige Gefängnisstrafe absitzt, könne man nur als „flüchtige
Korrespondenz“ bezeichnen. Von den Verbrechen der beiden habe sie damals
nichts gewusst. Melania Trump fügte hinzu, sie sei ebenfalls nicht
„Epsteins Opfer“ gewesen. Er habe sie auch nicht ihrem jetzigen Ehemann
vorgestellt. Diese verbreitete Spekulation geht auf den Journalisten
Michael Wolff zurück.
Melania Trump kündigte außerdem an, rechtlich gegen diejenigen vorzugehen,
die diese „Lügen“ über sie verbreiteten. Zuvor hatte sie bereits mehrfach
mit Klagen gedroht, unter anderem gegenüber Hunter Biden, dem Sohn des
ehemaligen Präsidenten Joe Biden. Diesen wollte sie auf eine Milliarde
Dollar verklagen, sollte er seine Aussage, Epstein habe ihr Donald Trump
vorgestellt, nicht zurücknehmen. Bislang wurde allerdings keine Klage
eingereicht.
## „Für uns kam das aus heiterem Himmel“
Die Darstellungen der First Lady wirken unter anderem aufgrund von
bekanntem vertraut wirkendem E-Mailverkehr zwischen Donald Trump und
Jeffrey Epstein sowie gemeinsamer Fotos mit Melania und Ghislaine Maxwell
nur bedingt glaubwürdig. Die bisher veröffentlichten Akten belegen unter
anderem, dass Donald Trump in den 1990ern in Epsteins Flugzeug mitflog und
früher von dessen Straftaten wusste, als er zuvor zugegeben hatte.
In den sozialen Netzwerken kursieren Spekulationen, die First Lady habe mit
ihrer Rede bevorstehenden Enthüllungen zuvorkommen wollen. Nicht nur im
Netz wirft der Zeitpunkt von Melania Trumps Stellungnahme Fragen auf. So
sagte die Fox-News-Korrespondentin Jacqui Heinrich im TV-Programm des
Trump-nahen Senders: „Für uns kam das ziemlich aus heiterem Himmel.“
Sie fügte hinzu, ihre Kolleg:innen versuchten noch immer herauszufinden,
„ob sie auf etwas reagiert, das vielleicht schon in den Nachrichten ist und
sie verärgert hat, oder ob es eine Geschichte gibt, die noch nicht
veröffentlicht wurde“. Heinrich sagte: „Ich habe jeden Kontakt in meinem
Telefon angerufen, einschließlich des Präsidenten, und keine Antworten
bekommen.“
Ob Donald Trump vorher informiert war, bleibt derweil unklar. Ein nicht
namentlich genannter Sprecher der First Lady erklärte gegenüber der New
York Times, es sei zumindest nicht bekannt, ob der Präsident zuvor über den
Inhalt der Rede Bescheid wusste.
## Der iranischen Propaganda in die Karten gespielt?
Die Äußerungen kommen in einer Zeit, in der Donald und Melania Trumps
Verstrickungen in den Epstein-Fall nicht mehr im Fokus der Aufmerksamkeit
standen – was nun zumindest für den Moment vorbei sein sollte. Zugleich
kann der Präsident schlechte Presse gerade wenig gebrauchen, steht er doch
wegen seines unpopulären Vorgehens im Irankrieg in der Kritik.
Ein Bluesky-Nutzer fragte daher mit Verweis auf die Verhandlungen ironisch:
„War Melanias Rede eine der Forderungen Irans?“ Die Epstein-Files waren
zuletzt vermehrt Inhalt proiranischer Propaganda im Netz. Zuletzt hatten
von dem iranischen Regime nahestehenden Influencern erstellte
[2][KI-Musikvideos im Stil der Lego-Kinofilme] die Runde gemacht. Darin
werden die USA als Epstein-Regime bezeichnet.
Jeffrey Epstein, ehemals Investmentbanker und Finanzier aus New York City,
hatte über Jahre einen internationalen Missbrauchsring betrieben. Unter
anderem führte er einflussreichen Männern aus Politik und Wirtschaft Frauen
zur Prostitution und Vergewaltigung zu – darunter auch Minderjährige. 2019
war er in Untersuchungshaft verstorben, offiziell durch Selbstmord. Bis
heute kursieren Spekulationen darüber, ob er einem Mordanschlag zum Opfer
fiel.
Seit Anfang 2025 veröffentlicht das US-Justizministerium immer wieder
Pakete mit Epstein-Akten. Zuletzt hatten diese weltweit [3][Rücktritte in
Politik, Kultur und Wirtschaft] sowie Distanzierungen seitens Prominenter
zur Folge. Vereinzelt wurden außerhalb der USA Ermittlungen eingeleitet.
Donald und Melania Trump werden in den Akten mehrfach genannt. Konkrete
Beweise für Straftaten des Präsidenten wurden bisher keine gefunden. Nach
wie vor bleiben weite Passagen geschwärzt, offiziell sollen damit Opfer
geschützt werden.
Melania Trump beendete ihre Rede am Donnerstag mit einem Aufruf an den
Kongress. Allen Opfern Epsteins solle die Möglichkeit gegeben werden,
öffentlich über die Verbrechen zu sprechen, wenn sie das wünschten.
10 Apr 2026
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