# taz.de -- Vermittler an Jeffrey Epstein: Mutmaßlicher Komplize tot
> Der Modelagent Daniel Siad soll Frauen an den Sexualstraftäter Jeffrey
> Epstein vermittelt haben. Nun wurde der 69-Jährige tot in seiner Wohnung
> nahe Paris aufgefunden.
(IMG) Bild: Daniel Siad, französischer Modelagent, ist tot
afp/taz | Der französische Modelagent Daniel Siad, ein mutmaßlicher
„Mädchenjäger“ des [1][US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein], ist in der
Nähe von Paris tot aufgefunden worden. Die Staatsanwaltschaft von Nanterre
leitete am Mittwoch nach eigenen Angaben Ermittlungen zur Todesursache ein.
Die Pariser Staatsanwaltschaft teilte derweil mit, sie stelle die gegen
Siad gerichteten Ermittlungen nach dessen Tod ein.
Siads 28 Jahre alte Mitbewohnerin habe den leblosen Mann am Montag in der
Küche des Wohnhauses im Pariser Vorort Colombes entdeckt, berichtete die
Zeitung Le Parisien. Die Leiche des 69-Jährigen solle obduziert werden,
teilte die Staatsanwaltschaft von Nanterre mit.
Gegen den 69-Jährigen waren in Frankreich Vorermittlungen gelaufen. Fünf
Frauen hatten seit Februar gegen Siad Anzeige wegen Vergewaltigung und
Menschenhandels erstattet. Siad wies die Vorwürfe zurück. Er war bislang
noch nicht angehört worden.
Siads Name taucht mehr als tausendmal in den Epstein-Akten auf; zahlreiche
Dokumente stellen ihn als einen bezahlten „Mädchenjäger“ im Auftrag
Epsteins dar. Er selbst beschrieb sich als Headhunter für Models. Er habe
Wurzeln in der algerischen Kabylei, sei von Geburt an Franzose und habe die
schwedische Staatsbürgerschaft, erklärte er.
Die erste Frau, die ihn angezeigt hatte, war die Schwedin Ebba P. Karlsson
gewesen. Sie wirft ihm vor, sie als 20-Jährige vergewaltigt zu haben.
Später habe er sie [2][Gérald Marie] vorgestellt, dem einflussreichen
Direktor einer Modelagentur, der sie ebenfalls vergewaltigt habe. „Er hatte
ein großes Talent, den schwachen Punkt zu finden und sich als Retter zu
präsentieren“, sagte sie später über Siad.
## In Video erklärte Siad seine Unschuld
Eine Französin, die unter dem Decknamen Juliette auftritt, beschrieb in
einem AFP-Gespräch, wie Siad sie in Paris auf der Straße angesprochen und
ihr eine Model-Karriere in den USA in Aussicht gestellt habe. Sie habe
lediglich ein Flugticket und eine Adresse erhalten und sei nach New York
gereist, wo sie auf Epstein getroffen sei. Dieser habe ihr zunächst Geld
zum Shoppen gegeben und sie später in seiner Wohnung sexuell belästigt.
Siad veröffentlichte im Februar ein Video in Onlinediensten, in dem er
seine Unschuld erklärte. „Ich habe mit ihm zusammengearbeitet und ihm
Models vorgestellt“, sagte Siad, der sich zugleich rühmte, das Model
Claudia Schiffer „entdeckt“ zu haben. Er habe nie mit minderjährigen Models
gearbeitet und sei bereit, vor der Justiz auszusagen, fügte er hinzu.
Seine Mails, die sich in den Epstein-Files fanden, zeichneten ein anderes
Bild. In zahlreichen Nachrichten preist er junge Mädchen und Frauen an,
schickt Fotos von ihnen und schlägt Epstein Treffen vor. Er erwähnt dabei
mehrfach Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren. 2018 wies Epstein
seinen Buchhalter an, Siad ein Darlehen in Höhe von 25.000 Dollar über fünf
Jahre zu gewähren.
Siads Anwältin Menya Arab-Tigrine erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur
AFP, ihr Mandant habe vor seinem Tod darum gebeten, seine Sicht der Dinge
darlegen zu dürfen. „Er ist tot, und er war unschuldig“, erklärte sie.
„Wenn er an einem Herzinfarkt gestorben ist, dann werden das unerträgliche
Warten, der Druck und die Angst, unter denen er jeden Tag litt, sicherlich
eine Rolle gespielt haben.“
## Untersuchung soll weiterverfolgt werden
„Es fühlt sich so an, als würde den Opfern Gerechtigkeit verwehrt“, sagte
dagegen die frühere BBC-Journalistin Lisa Brinkworth nach der Nachricht von
Siads Tod. Brinkworth gehörte zu einer Gruppe von 15 Frauen, die im März
Ermittlungen zu mutmaßlichen Verbindungen zwischen Marie und Epstein
gefordert hatte.
Der Pariser Staatsanwaltschaft warf sie Untätigkeit vor, obwohl ihr bekannt
gewesen sei, „dass Siad ein enger Vertrauter Epsteins war und gegen ihn
zahlreiche Vorwürfe wegen Vergewaltigung und Menschenhandels vorlagen“. Sie
forderte die Staatsanwaltschaft auf, „nun unverzüglich gegen alle Personen
zu ermitteln, die mit Epstein in Verbindung stehen und gegen die ähnliche
Vorwürfe erhoben werden“.
Laut der Pariser Staatsanwaltschaft soll eine umfassendere Untersuchung der
mutmaßlichen Menschenhandelsfälle im Zusammenhang mit Epstein
weiterverfolgt werden.
Nach Dokumenten aus den Epstein-Files hatte der Franzose Jean-Luc Brunel
den Kontakt zwischen Epstein und Siad hergestellt. Brunel trat ebenfalls
als Headhunter für Models auf und wurde später von zahlreichen Frauen der
sexuellen Gewalt bezichtigt. 2020 nahm die französische Justiz Ermittlungen
gegen ihn auf, unter anderem wegen Missbrauchs von Minderjährigen. Zwei
Jahre später wurde er tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden.
Der bis in höchste Kreise von Politik und Wirtschaft vernetzte US-Investor
Epstein soll mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen missbraucht
und teils an Prominente weitergereicht haben. Er war 2008 wegen Anstiftung
einer Minderjährigen zur Prostitution verurteilt worden. 2019 wurde er
wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Minderjährigen erneut
festgenommen. Er wurde wenig später tot in seiner New Yorker Gefängniszelle
gefunden. Nach offiziellen Angaben beging er Suizid.
23 Jul 2026
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