# taz.de -- „Global Sumud Flotilla“ nach Gaza: Über 170 Gaza-Aktivisten nach Kreta gebracht
       
       > Israel stoppt Boote von Gaza-Hilfsflotte und dankt Griechenland. Der Fall
       > wird dort zum Politikum. Kritik kommt aber auch aus Deutschland.
       
 (IMG) Bild: Übernahme der abgefangenen Aktivisten: ein Schiff der griechischen Küstenwache neben einem israelischen Schiff
       
       Sie kamen mit schnellen Schlauchbooten, Drohnen unterstützten aus der Luft
       ihren Einsatz: schwer bewaffnete Elite-Soldaten des israelischen Militärs
       (IDF) haben in der Nacht auf Donnerstag rund 40 Seemeilen vor der Westküste
       Kretas 22 Schiffe geentert. Die geenterten Schiffe zählen zu einer Flotte
       von insgesamt 58 Schiffen, die in der Aktion „Global Sumud Flotilla“
       humanitäre Hilfe nach Gaza transportieren will – [1][und dabei die Blockade
       des Gazastreifens durch Israel zu durchbrechen versucht].
       
       Wie das israelische Außenministerium erklärte, seien bei der IDF-Operation
       rund 175 Aktivisten festgenommen worden. Sie sollten „von einem Schiff der
       israelischen Marine an der griechischen Küste abgesetzt werden“. Wie die
       Organisatoren der Global Sumud Flotilla auf X erklärten, hätten die
       israelischen Streitkräfte „Schiffsmotoren zerstört und Navigationssysteme
       beschädigt“. Bei der rechtswidrigen IDF-Operation handele es sich um
       „Piraterie“.
       
       Israels Außenministerium sagte unterdessen, dass zwei der Aktivisten zu
       Befragungen nach Israel gebracht würden. Ein Mann werde verdächtigt,
       Verbindungen zu einer Terrororganisation zu haben. Einem weiterem warf das
       Außenministerium „illegale Aktivitäten“ vor. Details zu den Anschuldigungen
       wurden in beiden Fällen zunächst nicht genannt. Auch wie genau beide nach
       Israel gebracht werden sollen, blieb vorerst offen.
       
       ## Aktion in internationalen Gewässern
       
       Die IDF-Operation fand vor Westkreta in internationalen Gewässern statt.
       Sie ereignete sich jedoch 1.000 Kilometer von Israel entfernt in dem für
       die Such- und Rettungsaktionen relevanten griechisch kontrollierten Seeraum
       im Mittelmeer, die sogenannte „Search and Rescue Area Greece“ oder kurz
       „SAR Greece“. In der SAR Greece operiert die griechische Küstenwache.
       
       Wie der Regierungssprecher in Athen, Pavlos Marinakis, erklärte, habe es in
       Bezug auf die IDF-Operation „keine vorherige Absprache mit den griechischen
       Behörden gegeben“. Das ist kaum glaubhaft. Denn selbst wenn die Israelis
       die Regierung in Athen nicht vorab über ihre Operation vor Westkreta
       informiert haben sollten, können die IDF-Kräfte kaum von der griechischen
       Küstenwache sowie Hellas’ Militär auf ihrem langen Weg von Israel bis vor
       die Westküste Kretas übersehen worden sein.
       
       Bei Flüchtlingsbooten, die von der viel näheren ostlibyschen Küste nach
       Kreta in See stechen, [2][sind die griechischen Behörden jedenfalls nicht
       von derartiger Blindheit geschlagen].
       
       ## Scharfe Kritik an der griechischen Regierung
       
       Israels Außenminister Gideon Saar bedankte sich jedenfalls sofort bei der
       Regierung in Athen „für ihre Bereitschaft, die Teilnehmer der Flottille
       aufzunehmen“. Israels Premier Benjamin Netanjahu jubelte: „Bravo an unsere
       Kriegsmarine! Wir haben eine Flotte von Hamas-Unterstützern daran
       gehindert, Gazas Küste zu erreichen.“
       
       Die IDF-Operation vor Westkreta ist in Hellas flugs zum Politikum
       avanciert. Alle Parteien im Mitte-links-Spektrum griffen die konservative
       Regierung unter Premier Kyriakos Mitsotakis scharf an. Der Tenor lautete:
       Der IDF-Einsatz in der SAR Greece verstoße eklatant gegen das Völker- und
       Seerecht.
       
       „Haben wir eine griechische Regierung oder ist sie einfach nur eine
       Angestellte von Israel und Netanjahu?“, fragte etwa die Neue Linke. Die
       Partei „Kurs der Freiheit“ forderte die Regierung Mitsotakis dazu auf, bei
       Israel eine Protestnote einzureichen. [3][Parteichefin Zoi Konstantopoulou
       ätzte:] „Haben wir eine unabhängige Regierung oder sind wir Marionetten des
       Staates Israel?“
       
       Der Umstand, dass Israels Militär nunmehr offenkundig nach Belieben in der
       SAR Greece handeln darf, ist ein historisches Novum. Doch klar ist: Premier
       Mitsotakis ist ein enger Verbündeter von Netanjahu. Dabei ist ein immer
       enger werdendes und von den USA unterstütztes Dreierbündnis zwischen
       Griechenland, Zypern und Israel [4][in einem sogenannten 3+1-Modell] in den
       Bereichen Verteidigung, Sicherheit, Energie sowie Umwelt von zentraler
       Bedeutung.
       
       ## Heftige Kritik auch aus Italien und Spanien
       
       Unterdessen hat die IDF-Operation vor Westkreta heftige Reaktionen auf
       internationalem Parkett ausgelöst. Italien forderte die sofortige
       Freilassung von 24 italienischen Staatsbürgern sowie die „uneingeschränkte
       Achtung des Völkerrechts“. Deutschland forderte dies ebenso.
       „Unverantwortliche Handlungen“ seien zu vermeiden. Spanien verurteilte das
       Vorgehen Israels „aufs Schärfste“, zumal spanische Staatsbürger betroffen
       seien. Madrid bestellte den israelischen Geschäftsträger ein, um offiziell
       Protest einzulegen.
       
       Am Freitag gingen 176 [5][von den IDF-Soldaten] festgenommene Aktivisten
       zunächst im Ort Atherinolakkos auf der Insel Kreta von Bord. Das Gros der
       Aktivisten wurde dann mit Bussen zum Flughafen Heraklion gebracht. Dort
       soll ihre Rückführung in ihre Herkunftsländer eingeleitet werden, wie
       lokale Medien berichteten. 31 verletzte Aktivisten seien zur medizinischen
       Versorgung in das Krankenhaus von Sitia eingeliefert worden.
       
       1 May 2026
       
       ## LINKS
       
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