# taz.de -- Humanitäre Lage im Gazastreifen: Israel fängt erneut Gaza-Hilfsflotte ab
       
       > Ende April hatte Israel die „Global Sumud Flotilla“ in internationalen
       > Gewässern gestoppt. Nun folgte ein neuer Versuch – der ebenfalls
       > scheiterte.
       
 (IMG) Bild: Schiffe der Flotilla im Hafen von Marmaris, Türkei, am 14. Mai
       
       dpa | Die israelische Marine ist erneut gegen die internationale
       Gaza-Hilfsflotte vorgegangen. Auf einer Live-Videoübertragung der „Global
       Sumud Flotilla“ war zu sehen, wie Soldaten der israelischen Marine ein Boot
       mit Aktivisten enterten. Laut ihres eigenen Trackers war die Flotte
       westlich von Zypern unterwegs. Die Veranstalter sprachen von einer
       „Attacke“ Israels auf ihre Boote, die sich etwa 250 Seemeilen von Gaza
       entfernt ereignet habe.
       
       Das israelische Nachrichtenportal „ynet“ berichtete, die Marine habe die
       Kontrolle über Boote der Hilfsflotte übernommen. Die Aktivisten an Bord
       sollten festgenommen und auf ein Schiff der Marine gebracht werden, auf dem
       sich ein „schwimmendes Gefängnis“ befinde. Von dort sollten sie in die
       israelische Hafenstadt Aschdod gebracht werden. In der Vergangenheit waren
       internationale Aktivisten stets nach einer Weile wieder in ihre
       Heimatländer abgeschoben worden.
       
       Das israelische Außenministerium warf den Aktivisten in einem Post auf der
       Plattform X, es ginge ihnen nur um Provokation und nicht um humanitäre
       Hilfe. Sie dienten damit nur der islamistischen Terrororganisation Hamas,
       die weiter einen Teil des Gazastreifens kontrolliert. „Israel wird
       keinerlei Verletzung der rechtmäßigen Seeblockade des Gazastreifens
       zulassen“, hieß es weiter in dem Post. Israel fordere alle Teilnehmer auf,
       „sofort den Kurs zu ändern und umzukehren“.
       
       [1][Zwei Wochen nach ihrem ersten Stopp durch Israels Marine] hatte sich
       die „Global Sumud Flotilla“ am vergangenen Donnerstag erneut auf den Weg
       gemacht. Sie war vom türkischen Hafen Marmaris aus in See gestochen.
       Aktivisten aus 40 Ländern waren mit mehr als 50 Schiffen unterwegs.
       
       Die propalästinensischen Aktivisten wollten erneut versuchen, die seit 2007
       bestehende israelische Seeblockade des Gazastreifens, die auch von Ägypten
       mitgetragen wird, zu durchbrechen und Hilfsgüter in die Konfliktregion zu
       bringen. Nach Darstellung Israels herrscht im Gazastreifen kein Mangel an
       Hilfsgütern.
       
       ## Ankara verfolgt das Vorgehen Israels scharf
       
       Die israelische Marine hatte am 30. April bei Kreta bereits mehr als 20
       Schiffe der „Global Sumud Flotilla“ in internationalen Gewässern abgefangen
       und nach eigenen Angaben 175 Menschen festgenommen. Griechenland nahm die
       meisten von ihnen auf und organisierte ihre Rückreise in die
       Herkunftsländer. Zwei Aktivisten wurden nach Israel gebracht, nach gut
       einer Woche aber abgeschoben. Der Protest formierte sich derweil in der
       Türkei neu.
       
       Das türkische Außenministerium verurteilte das Vorgehen Israels scharf.
       Dieses stelle einen neuen „Akt der Piraterie“ dar. Israel müsse die
       inhaftierten Teilnehmer unverzüglich freilassen. Man werde die notwendigen
       Maßnahmen ergreifen, damit die eigenen Bürger sicher in ihr Heimatland
       zurückkehren können, teilte Ankara mit.
       
       Mehrere EU-Staaten, darunter auch Deutschland, äußerten Zweifel an der
       Vereinbarkeit des Stopps in internationalen Gewässern mit dem Völkerrecht.
       Israel betonte, das Vorgehen gegen die Aktivisten stehe im Einklang mit dem
       Völkerrecht. Der jüdische Staat wirft einigen Aktivisten Verbindungen
       [2][mit der islamistischen Terrororganisation Hamas im Gazastreifen] vor.
       
       Israels Außenministerium warf den Veranstaltern vor, sie hätten auch zwei
       gewaltbereite türkische Gruppierungen an Bord. Bei einer Aktion im Jahre
       2010 gegen die Gaza-Seeblockade hatten israelische Soldaten [3][das
       türkische Schiff „Mavi Marmara“ vor der Küste des Gazastreifens gestürmt],
       wobei zehn türkische Staatsbürger ums Leben kamen.
       
       18 May 2026
       
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