# taz.de -- Antisemitische Drohungen in Kiel: Plakate mit Gewaltaufruf gegen „Zionist:innen“
       
       > In Kiel sind Plakate aufgetaucht, die zu Gewalt aufrufen – unter anderem
       > gegen jüdische Menschen und Mitarbeitende der Beratungsstelle Zebra.
       
 (IMG) Bild: Zebra berät Betroffene rechter Gewalt, unter anderem Linke, die wie hier gegen den Landesparteitag der AfD 2025 demonstrieren
       
       Sie hingen in der Kieler Innenstadt: Plakate, auf denen namentlich benannte
       Personen als „zionistische Faschist:innen“ und „Täter:innen“ bezeichnet und
       zur Gewalt gegen sie aufgerufen wurde. Betroffen sind jüdische Menschen –
       tatsächlich oder vermutet – und Mitarbeitende des [1][Zentrums für
       Betroffene rechter Angriffe (Zebra)]. Die Landespolitik zeigt sich
       entsetzt, die Polizei ermittelt.
       
       „Einige Plakate haben wir selbst noch sicherstellen können“, sagt
       Polizeisprecher Magnus Gille. Andere waren bereits verschwunden. Die
       Gesamtzahl der Plakate habe vermutlich im niedrigen zweistelligen Bereich
       gelegen, sie seien im Innenstadtbereich verteilt gewesen.
       
       Zuständig ist das Kieler Staatsschutzkommissariat, das die Plakate derzeit
       als Aufruf zu Straftaten wertet. Ob im Verlauf der Ermittlungen weitere
       Straftaten wie etwa Volksverhetzung hinzukämen, sei im Moment noch unklar.
       Auch zur Frage der Hintergründe könne noch nichts gesagt werden, so der
       Sprecher. Die Polizei ermittele derzeit „in alle Richtungen“.
       
       Für Marion Schiefer (CDU) ist die Frage der Täter:innenschaft bereits
       klar: In einer Mitteilung nennt die Landtagsabgeordnete „offensichtlich
       Linksextreme“ als Schuldige der Aktion. So tauche auf den Plakaten der
       Begriff „Antifa“ auf. Die CDU verurteile die Hetze als „zutiefst
       verabscheuungswürdig“. Die Partei stehe an der Seite der jüdischen
       Mitbürger:innen sowie aller Personen, die gegen Antisemitismus wirken.
       Schiefer forderte eine Beratung aller Betroffenen.
       
       ## Parteien verurteilen die Plakate
       
       Scharfe Worte gegen die unverhohlenen Drohungen der Plakate gab es auch von
       den Grünen. „Wer Menschen öffentlich an den Pranger stellt und zur Gewalt
       aufruft, verlässt den Boden jeder legitimen politischen
       Auseinandersetzung“, sagt die Landtagsabgeordnete Nelly Waldeck. „Die
       Plakate zeigen auf erschütternde Weise, wie Antizionismus in seiner
       Konsequenz antisemitisch und menschenverachtend wird“, schreiben Jaqueline
       Kühl und Kalle Demmert, Landessprecher:innen der Grünen Jugend.
       
       Kai Dolgner (SPD) sagte: „Wer Menschen, die sich gegen Antisemitismus
       einsetzen, gewalttätigen Angriffen aussetzt, kämpft nicht für eine bessere
       Welt, sondern betreibt widerliche antisemitische Hetze.“ Alle Statements
       verzichteten auf Verdachtsäußerungen zum Hintergrund der Täter:innen.
       
       Die Beratungsstelle Zebra vermutet, der Auslöser für die Plakate könne ein
       Medienbericht gewesen sein, in dem es um Angriffe auf
       antisemitismuskritische Personen in Kiel ging. Darin gab es auch den O-Ton
       des Zebra-Mitarbeiters, der Zahlen zu dokumentierten antisemitischen
       Vorfällen darstellte. Das Foto des Mitarbeiters auf dem Plakat sei dem
       Beitrag entnommen. „Die Zusammensetzung der Menschen auf dem Plakat ist aus
       unserer Perspektive willkürlich und dient allein ihrer Einschüchterung“,
       heißt es [2][in einer Mitteilung].
       
       Die Vorfälle passten damit in „eine Dynamik, die wir bundesweit seit dem 7.
       Oktober 2023 beobachten müssen“, schreibt Zebra. Zunehmend spiele in
       dokumentierten antisemitischen Vorfällen das Feindbild „Zionismus“ eine
       tragende Rolle. Der Begriff fungiere als „Chiffre, der sich sowohl gegen
       Menschen mit (zugeschriebenem) jüdischem Hintergrund richtet als auch
       allgemein gegen Personen, die sich gegen Antisemitismus engagieren“.
       
       ## Linksjugend lehnt „real existierenden Zionismus“ ab
       
       Mit dem „real existierenden Zionismus“ beziehungsweise dessen Ablehnung
       hatte sich im April auch die Jugendorganisation der Linken in
       Schleswig-Holstein befasst. Sie folgte damit dem Beispiel der [3][Linken in
       Niedersachsen, die im März einen ähnlichen Antrag beschlossen hatte].
       
       Konkret geht es darin um ein Ende der „Apartheid in Israel und den
       besetzten Gebieten“ und die Forderung nach einem Ende des Siedlungsbaus im
       Westjordanland. „Gleichzeitig stellen wir klar: Antisemitismus hat keinen
       Platz in der Linken“, heißt es wortgleich [4][in beiden Beschlüssen].
       
       Zum Fall der Kieler Plakate sagte Jana Lemke, Landessprecherin der Linken
       in Schleswig-Holstein, Gewaltaufrufe und politische Einschüchterung dürften
       niemals legitime Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. Der Aufruf
       zur Gewalt habe „nichts mit Antifaschismus zu tun, sondern ist eine bloße
       Gewaltfantasie gegen Menschen, welche sich politisch engagieren“, sagt
       Lemke. „Wir verurteilen diese Vorgehensweise aufs Schärfste und stehen
       solidarisch an der Seite der Betroffenen.“
       
       20 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Rechte-Gewalt-in-Schleswig-Holstein/!5927643
 (DIR) [2] https://www.zebraev.de/aktuelles/?e-filter-99852a1-category=aktuelles
 (DIR) [3] /Wegen-Linken-Beschluss-zu-Gaza/!6174610
 (DIR) [4] https://www.sh.linksjugend-solid.de/beschluss/ablehnung-des-zionismus/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Geißlinger
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schleswig-Holstein
 (DIR) Rechte Gewalt
 (DIR) Antisemitismus
 (DIR) Drohungen
 (DIR) Beratungsstelle
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Antisemitismus
 (DIR) Nahost-Debatten
 (DIR) Kolumne Der rechte Rand
 (DIR) Schleswig-Holstein
 (DIR) Schleswig-Holstein
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Judenhass in Schleswig-Holstein: Antisemitismus bis zur Ermüdung
       
       In Schleswig-Holstein gab es im vergangenen Jahr weniger antisemitische
       Straftaten. Projektleiter geht davon aus, dass viele nicht gemeldet werden.
       
 (DIR) Zahlen zu Antisemitismus in Berlin 2025: „Neue Normalität des Antisemitismus“
       
       Die Zahl antisemitischer Vorfälle ist 2025 zwar nicht weiter gestiegen, sie
       verharrt jedoch auf einem erhöhten Niveau seit 2023.
       
 (DIR) Studie zu Einstellungen von Jugendlichen: Was gegen die Brutalisierung von Jungen hilft
       
       Die Einstellungen der Jugend? Ambivalent, zeigt das Kieler
       Landesdemokratiezentrum. Vor allem junge Männer liebäugeln mit
       Menschenverachtung.
       
 (DIR) Rechte Raumnahme: „Leute machen geplant Jagd auf mich und meine Genossen“
       
       In Bargteheide in Schleswig-Holstein haben Unbekannte im März mehrmals
       linke Jugendliche angegriffen, mit Messer und Schusswaffe. Das Ausmaß ist
       neu.
       
 (DIR) Rechter Angriff auf Jugendhaus: Hakenkreuze und AfD-Tags
       
       Das Autonome Jugendhaus in Bargteheide ist am Wochenende erneut verwüstet
       worden. Unbekannte hinterließen rechtsextreme Symbole und AfD-Schriftzüge.