# taz.de -- Studie zu Einstellungen von Jugendlichen: Was gegen die Brutalisierung von Jungen hilft
       
       > Die Einstellungen der Jugend? Ambivalent, zeigt das Kieler
       > Landesdemokratiezentrum. Vor allem junge Männer liebäugeln mit
       > Menschenverachtung.
       
 (IMG) Bild: Kurz bevor hier ein Brand gelegt wurde, hatte die Elmshorner Linke hier Anfang September 2025 ihr Sommerfest gefeiert
       
       Mit Messern und Schusswaffe wurden [1][Jugendliche in Bargteheide]
       angegriffen. In Flensburg flogen Molotowcocktails gegen Büros von Grünen,
       SPD und Die Linke. Rechtsextreme Sticker fanden sich an den Fassaden. In
       Elmshorn wird die Gartenlaube einer Lokalpolitikerin verwüstet, direkt
       nachdem die Linkspartei dort ihr Sommerfest gefeiert hat. Die Gewalt
       [2][nimmt offenkundig zu].
       
       Diese Entwicklung sei „wenig überraschend“ merkt Jan Kürschner an. Eine
       neue Regionalstudie zu Einstellungen von Jugendlichen in Schleswig-Holstein
       untermauert die Einschätzung des innenpolitischen Sprechers der Grünen
       Landtagsfraktion in Kiel.
       
       Am 29. April hat das Landesdemokratiezentrum zusammen mit dem
       Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen e. V. die Ergebnisse der
       Regionalstudie vorgestellt. [3][Ein ambivalentes Bild ergab die Befragung
       von mehr als 4.600 Schüler:innen] der Jahrgangsstufen sieben bis neun an
       Gemeinschaftsschulen und Gymnasien. Ein „geschlossenes rechtsextremes
       Weltbild“ pflegten rund 3,5 Prozent der Befragten, schreibt Carl Philipp
       Schröder, der den Bericht verfasste.
       
       Das entspreche dem Wert der Erhebung von 2018 und korrespondiere auch mit
       den Ergebnissen bundesweiter Studien zu rechtsextremen Einstellungen.
       Spürbar zugenommen habe jedoch der Kontakt zu der Szene und ihren
       Positionen – sowohl freiwillig als auch unfreiwillig. Ein weiteres Ergebnis
       korrespondiert ebenso mit den Resultaten anderer länderübergreifender
       Forschungsarbeiten.
       
       Vor allem Jungen würden signifikant häufiger als Mädchen rechtsextreme
       Einstellungen zeigen, so Schröder. Bei der gruppenbezogenen
       Menschenfeindlichkeit (GMF) fällt die Geschlechterdifferenz noch stärker
       ins Gewicht. Die militanten Aktionen auch im Land zwischen Nord- und Ostsee
       gehen vor allem aufs Konto männlicher Jugendlicher, die deutlich häufiger
       in einschlägigem Outfit auftreten und auf Social-Media szenetypische Emojis
       posten.
       
       Die Studie zeigt weiter auf, dass die Zustimmung bei rechtsextremen
       Einstellungen für Ausländer:innenfeindlichkeit bei 10,7 Prozent
       liegt und die für Sozialdarwinismus bei 12,8 Prozent. Bei den Einstellungen
       zur GMF scheint der Sozialdarwinismus – Recht des Stärkeren –
       auszustrahlen. Befürworten doch 49,6 Prozent die Abwertung von
       Arbeitslosen, 24,4 Prozent die Abwertung von Geflüchteten, 18,9 Prozent von
       Wohnungslosen und 7,2 Prozent von Menschen mit Behinderung.
       
       Diese Dimension untermauert ein weiteres Ergebnis der Studie: „72,2 Prozent
       stimmen bei mindestens einer Dimension zu“, hebt Schröder hervor. Im
       Vergleich zum Jahr 2018 sei das Ausmaß „der Abwertung von arbeitslosen
       Personen deutlich gestiegen“. Auch Menschen ohne Wohnung erfuhren mehr
       Abwertung.
       
       Bei der Forschung nach Ursachen für diesen Trend wird man schnell auf die
       neoliberale Wirtschaftsideologie stoßen, die längst zum individuellen
       Selbstprofil wurde. Das, was Oskar Negt einst einen Kältestrom genannt hat,
       fördert auch die Anfeindung von vermeintlich normativen Liebes- und
       Lebensformen. So finden 34,9 Prozent die Ehe zwischen
       gleichgeschlechtlichen Paaren nicht gut, und 10,1 Prozent stimmen der
       Aussage, „Frauen sollten sich wieder mehr auf ihre Rolle als Hausfrau und
       Mutter konzentrieren“ zu.
       
       Es sind solche Einstellungen, denen Taten folgen: 23,1 Prozent der
       Jugendlichen gaben an, selbst schon einmal eine Person entweder bepöbelt,
       ihre Dinge kaputt gemacht, sie geschlagen oder getreten zu haben; zu diesem
       knappen Viertel zählen auch diejenigen, die ihre Mitmenschen mit Worten
       oder mit einer Waffe bedroht haben, weil diese eine Behinderung haben,
       homosexuell, obdachlos oder ausländischer Herkunft sind, sich politisch
       links verorten oder einer bestimmten Glaubensgemeinschaft angehören.
       
       ## Land will auf Prävention setzen
       
       „Die aktuellen Ergebnisse sind alarmierend. Sie zeigen deutlich, dass sich
       etwas in unserer Gesellschaft verschiebt“, sagt Innenministerin Magdalena
       Finke (CDU). „Wir müssen frühzeitig hinschauen, zuhören und gezielt
       gegensteuern.“
       
       Die Prävention sollte vielleicht nicht bloß zu einer Sensibilisierung der
       Schüler:innen führen. [4][„Die Jungen piepen, wie die Alten pfeifen“,
       schrieb Heinrich Heine schon 1824 in der „Harzreise“]. Eine politische
       Kultur der Empathie ist geboten, eine Sozialpolitik, die aus echter
       Zuwendung und nicht aus Herablassung ihren Antrieb bezieht.
       
       4 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Angriffe-auf-linke-Jugendliche/!6165093
 (DIR) [2] /Anti-AfD-Petition-in-Niedersachsen/!6132694
 (DIR) [3] /Brand-in-Autonomen-Jugendhaus/!6010508
 (DIR) [4] http://www.hhp.uni-trier.de/Projekte/HHP/Projekte/HHP/searchengine/werke/baende/D06/enterdha?pageid=D06S0085&bookid=D06&lineref=Z17&mode=2&textpattern=piepen&firsttid=0&widthgiven=30
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Speit
       
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