# taz.de -- Menschenrechte in Russland: Putins Unrechtsbeauftragte
       
       > Jana Lantratowa soll die Menschenrechte in Russland wahren. Dabei ist sie
       > wohl selbst an der Verschleppung von Kindern beteiligt.
       
 (IMG) Bild: Den Angriffskrieg unterstützen: Jana Lantratova ist Russlands neue Menschenrechtsbeauftragte
       
       Die Neubesetzung des Postens der Menschenrechtsbeauftragten der Russischen
       Föderation als Realsatire zu bezeichnen, ist noch deutlich untertrieben.
       Jana Lantratowa heißt die Auserwählte.
       
       Die Teilnehmer an der „militärischen Spezialoperation“, wie [1][Moskaus
       Angriffskrieg gegen die Ukraine] offiziell genannt wird, und deren
       Angehörige zu unterstützen, habe für sie Priorität, sagte Lantratowa der
       staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass nach ihrer Ernennung vor
       wenigen Tagen.
       
       Diese Arbeitsplatzbeschreibung nimmt sich noch vergleichsweise harmlos aus,
       wie sich bei einer genaueren Betrachtung von Lantratowas Werdegang zeigt.
       Die 37-Jährige wird in St. Petersburg geboren. Dort absolviert sie ein
       Journalistikstudium an der Universität sowie ein Studium an der Akademie
       für öffentliche Verwaltung.
       
       Ihre Karriere startet Lantratowa, Mutter eines Sohnes, 2009 bei der
       Jugendorganisation Junge Garde der Kremlpartei Einiges Russland. Ein Jahr
       später heuert sie zusätzlich als Assistentin des skandalumwitterten
       Abgeordneten des St. Petersburger Stadtparlaments, Witali Milonow, an. Der
       tituliert Ukrainer*innen und Krimtatarin*innen als „verrückte
       Arschlöcher“ und „türkische Faschist*innen“ und arbeitet sich gerne an
       LGBTQAI+-Menschen ab.
       
       ## „Traditionelle Werte“
       
       2021 wird Lantratowa auf dem Ticket der regierungsnahen Partei Gerechtes
       Russland in die Staatsduma gewählt. Dort beschäftigt sie sich vor allem mit
       den Bereichen Bildung, „traditionelle Werte“ und Regulierung des Internets.
       Berichten der Zeitung Wedomosti zufolge ist Lantratowa als Abgeordnete an
       mehr als 600 Gesetzentwürfen beteiligt. Darunter sind die Schaffung eines
       einheitlichen Registers „ausländischer Agenten“, ein Verbot der kostenlosen
       Bildung für Kinder von Migrant*innen sowie die Verschärfung von Strafen
       im Falle von Falschmeldungen über die russische Armee.
       
       Weitere Verdienste erwirbt sich die Volksvertreterin, indem sie
       Organisationen und Personen denunziert, die sich gegen den Krieg in der
       Ukraine positionieren – darunter Professoren und Priester.
       
       Um die Ukraine ist Lantratowa besonders bemüht. Nach der
       völkerrechtswidrigen Annexion der Krim und dem Beginn des Krieges im
       Donbass 2014 reist sie als Mitglied einer Arbeitsgruppe des Präsidialrats
       für Zivilgesellschaft und Menschenrechte mehrfach nach Donezk und Luhansk.
       Sie spricht von einer „humanitären Katastrophe“ sowie der Notwendigkeit,
       die Zivilbevölkerung im Donbass zu schützen. Den ukrainischen Behörden
       wirft sie Menschenrechtsverletzungen im Osten des Landes vor.
       
       ## Die USA und EU verhängen Sanktionen gegen sie
       
       Wegen ihrer Unterstützung des Krieges in der Ukraine verhängen die USA,
       Großbritannien, Kanada und die EU-Staaten 2022 Sanktionen gegen Lantratowa.
       Zwei Jahre später klagt der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU Lantratova
       in Abwesenheit an. Sie soll an der [2][Verschleppung von mindestens zwei
       Mädchen aus einem Waisenhaus in Cherson] nach Russland beteiligt gewesen
       sein. Ein Mädchen sei später von dem Vorsitzenden der Partei Gerechtes
       Russland, Sergei Mironow, und dessen Frau adoptiert worden.
       
       Russische Menschenrechtler*innen sind sich einig, dass von Lantratowa
       nichts Gutes zu erwarten ist. Sie werde die Rechte von Ermittlern,
       FSB-Offizieren, Sicherheitskräften und „Helden der Spezialoperation“
       schützen, zitiert das Webportal die Aktivistin Olga Romanowa. „Genau das
       werden wir gemeinsam erleben.“
       
       19 May 2026
       
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