# taz.de -- Prorussische Separatistenrepublik: Putins Griff nach Transnistrien
       
       > Der Kreml erleichtert Einwohnern der Moldau-Abspaltung Transnistrien den
       > Erwerb der russischen Staatsbürgerschaft. Wird hier ein neuer Krieg
       > vorbereitet?
       
 (IMG) Bild: Demonstration zum diesjährigen Tag des Sieges in der transnistrischen Hauptstadt Tiraspol
       
       ap/dpa/taz | Moskau erleichtert Einwohnern der abtrünnigen moldauischen
       Region Transnistrien die Annahme der russischen Staatsbürgerschaft,
       berichten russische Staatsmedien unter Berufung auf ein neues, von
       Präsident Wladimir Putin unterzeichnetes Dekret.
       
       Wer demnach dauerhaft in dem [1][von Russland gestützten De-facto-Regime
       von Transnistrien] lebe und mindestens 18 Jahre alt sei, könne die
       Staatsbürgerschaft erhalten, ohne Kenntnisse der russischen Sprache,
       Geschichte und Gesetzgebung nachweisen zu müssen. Antragsteller aus dem
       international nach wie vor als Bestandteil der Republik Moldau angesehenen
       Separatistenstaat müssen auch nicht mehr nachweisen, dass sie zuvor fünf
       Jahre lang in Russland gelebt haben.
       
       Transnistrien ist ein schmaler Landstreifen zwischen der Ukraine und der
       Republik Moldau, [2][der sich nach einem kurzen Krieg Anfang der 1990er
       Jahre von Moldau für unabhängig erklärt hat]. Die große Mehrheit der etwa
       470.000 Einwohner Transnistriens spricht Russisch als Muttersprache. Rund
       200.000 sind bereits russische Staatsbürger, obwohl die meisten auch die
       moldauische Staatsangehörigkeit besitzen. Das Gebiet hängt wirtschaftlich
       in hohem Maße am russischen Tropf.
       
       Das neue Dekret dürfte sowohl in der Republik Moldau als auch in der
       Ukraine ohnehin vorhandene Sorgen verstärken, Russland werde früher oder
       später Ernst machen mit seinen Ankündigungen, eine „Landbrücke“ quer durch
       die Ukraine bis nach Transnistrien militärisch durchzusetzen. Immer wieder
       behauptet der Kreml, die Russen in Transnistrien seien bedroht. In der
       Separatistenrepublik sind 1.500 russische Soldaten stationiert.
       
       ## Moldau strebt nach Westen
       
       Die Republik Moldau selbst wurde nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion
       unabhängig. Russland betrachtet das Land, das zwischen der Ukraine und dem
       EU-Mitglied Rumänien liegt, freilich weiterhin als Teil seiner
       Einflusssphäre. Die Regierung der Republik Moldau orientiert sich jedoch
       wie die Ukraine in Richtung Westen und strebt einen Beitritt zur
       Europäischen Union an. [3][In der Bevölkerung gibt es gleichwohl ebenfalls
       starke prorussische Tendenzen].
       
       Erst im April hatte Moldau den endgültigen Austritt aus der von Russland
       dominierten Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) beschlossen. Die
       Aufkündigung der Mitgliedschaft wurde damit begründet, dass Russland die
       Unverletzbarkeit der Grenzen der Mitgliedstaaten unter anderem durch den
       Krieg gegen die benachbarte Ukraine missachte – und Moskau gesetzwidrig
       Truppen in Transnistrien stationiert.
       
       Die Unabhängigkeit Transnistriens wird von keinem UN-Mitgliedsland
       anerkannt, auch nicht von Russland, zumindest noch nicht.
       
       16 May 2026
       
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