# taz.de -- Nächtliche Roller-Raudis: Instant-Karma für den König der Welt
       
       > Highspeed auf zwei Rädern in Berlin-Wedding: Am Klang erkennt man bereits
       > deutlich die Vierstelligkeit des entstandenen Sachschadens.
       
       Der Wedding ist schon ein gewisses Pflaster. Besonders in der Nacht. Als
       Rick und ich an einer Kreuzung vorbeilaufen, hören wir jubelndes Geschrei
       aus der Ferne. Dazu das seichte Summen eines E-Motors. Es kommt näher und
       nach einem Schulterblick sehen wir einen ziemlich druffen Typen auf einem
       gemieteten E-Roller sitzen. Er fährt mit Highspeed Schlangenlinien über das
       Berliner Kopfsteinpflaster, ist immer kurz vorm Umkippen und jubelt dazu
       wie Leonardo DiCaprio am Bug der „Titanic“.
       
       Auf dem Fußweg kommt hinter den Autos ein zweiter Typ zum Vorschein, der
       sich ebenfalls auf uns zubewegt. „Samma, hat der den ARSCH OFFEN oder was“,
       brüllt er.
       
       Der Roller-Raudi wird langsamer, dreht den Lenker und fährt – oder hoppelt
       vielmehr – zwischen den parkenden Autos durch auf den Fußweg und ballert
       mit Vollgas zurück in die entgegengesetzte Richtung. Typ Nummer zwei muss
       zur Seite springen, der König der Welt schlingert an ihm vorbei und
       verschwindet mit Whoo-hoo-Geheul in der Dunkelheit.
       
       Sekunden später ein lauter Knall. Das Geräusch von berstendem Glas
       räsoniert in der Häuserschlucht. Am Klang erkennt man bereits deutlich die
       Vierstelligkeit des entstandenen Sachschadens.
       
       Typ zwei sieht aus der Nähe auch nicht gerade nüchtern aus. Er schält sich
       von der sicheren Hausfassade und ich bemerke seinen seltsamen Gang. Wie
       eine riesige, laufende Schere sieht er aus. „Hahahaha!“, bellt er in die
       Weddinger Nacht. „Richtig so! Was für ein ARSCHLOCH, Alter! Hahahaha!“ Und
       so verschwindet er, schnipp, schnapp, um die nächste Ecke.
       
       Rick und ich sind vor dieser Szene, die vielleicht zwei Minuten gedauert
       hat, erstarrt und stehen jetzt dusselig mitten auf der Kreuzung. Es ist
       wieder still. In der Ferne singt eine Nachtigall. Wir tauschen Blicke aus.
       „Ich glaub, wir sollten noch einen bauen.“ „Auf jeden. Da hinten ist ’ne
       gute Bank.“
       
       21 May 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Maik Gerecke
       
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