# taz.de -- Bestsellerautor über Einzeller: „Bakterien können hochintelligent sein“
       
       > Peter Wohlleben berichtet über Bakterien, deren erstaunliche
       > Eigenschaften und wie sie die Welt beeinflussen.
       
 (IMG) Bild: Es ist ihnen nicht anzusehen, dass sie kleine Wunderwerke sind: Bakterien in Petrischalen
       
       taz: Herr Wohlleben, Sie haben in Ihrem Buch „Das geheime Leben der Bäume“
       den Menschen so schön den Wald und die Bäume erklärt. Wie sind Sie denn
       jetzt auf die Bakterien gekommen? 
       
       Peter Wohlleben: Bakterien beschäftigen mich schon seit meiner Kindheit.
       Ich hatte mir schon damals durch ein altes Mikroskop von meiner Mutter
       Einzeller angeguckt und bin dann nur bei den Bäumen abgebogen, weil ich
       dachte, ein Förster wäre so etwas wie ein Wildhüter in Kenia. Mir ist erst
       später klargeworden, dass Förster eigentlich Holzproduzenten sind. Aber ich
       habe immer weitergeforscht und dabei ist mir klargeworden, dass Bakterien
       das gesamte Leben auf der Erde beeinflussen und mitgestalten.
       
       taz: Wir Menschen halten uns ja oft immer noch für die [1][Krone der
       Schöpfung]. Aber sind nicht eigentlich die Bakterien die erfolgreichste
       Spezies auf der Erde? 
       
       Wohlleben: Das ist ganz sicher so. Sie können sich zum Beispiel mit einem
       rasanten Tempo verändern und teilweise im Minutentakt ihre eigenen Gene
       umschnipseln. Das kann sonst niemand und das machen die schon seit über
       vier Milliarden Jahren.
       
       taz: Bei den Pflanzen, Tieren und Menschen gibt es ja lange
       Evolutionsketten. Haben auch die Bakterien klein angefangen? 
       
       Wohlleben: Interessanterweise nicht. Es gibt natürlich Urbakterien, aber im
       Prinzip haben die sich kaum verändert. Stattdessen sind sie relativ
       plötzlich vor 4,2 Milliarden aufgetaucht, sodass ernstzunehmende
       Wissenschaftler*innen von der NASA oder der Humboldt-Universität in
       Berlin davon ausgehen, dass es durchaus sein kann, dass mit ihnen das Leben
       durch einen Meteoriteneinschlag auf die Erde gekommen ist.
       
       taz: Und Sie haben in den Pflanzen, Tieren und menschlichen Körpern ja gute
       Lebensbedingungen. 
       
       Wohlleben: Genau! Bei uns sitzen sie in jeder Körperzelle. Ohne Bakterien
       würden wir nach wenigen Minuten tot umfallen. Und sie haben an den
       Wohlfühlbedingungen, unter denen wir leben, einen entscheidenden Anteil.
       
       taz: Wie denn das zum Beispiel? 
       
       Wohlleben: Bakterien haben etwa die Fotosynthese erfunden und nicht die
       Pflanzen. Bakterien haben im Grunde sogar die Pflanzen erfunden, denn bei
       allem, was bei ihnen grün ist, sitzen Cyanobakterien drinnen. Und die sind
       es, die den gesamten Sauerstoff produzieren.
       
       taz: Dafür haben die Bakterien bei uns aber immer noch einen denkbar
       schlechten Ruf 
       
       Wohlleben: Bei Bakterien haben wir historisch immer auf die für uns
       schlechten geblickt. Und das ist ja auch sinnvoll, denn da ging es ja um
       Krankheiten wie Tuberkulose. Dabei ist es im Grunde auch geblieben. Aber
       wir hauen da wie mit einem Holzhammer auf alles drauf. Mit Antibiotika
       tötet man zum Beispiel auch die Bakterien, die im menschlichen Darm für die
       [2][Glückshormone] zuständig sind.
       
       taz: Bakterien können uns glücklich machen? 
       
       Wohlleben: Ja! Die feuern, wenn sie etwas bekommen, was ihnen gefällt, über
       spezielle Nervenbahnen ins Gehirn und bewirken so die Ausschüttung von
       Glückshormonen. Diese sogenannten Glücksbakterien freuen sich zum Beispiel
       ganz besonders über Rohkost.
       
       taz: Gibt es Forschungsansätze, bei denen Bakterien dabei helfen können,
       unsere Probleme zu lösen? 
       
       Wohlleben: Ja! Zum Beispiel bei Mikroplastik. Es gibt immer mehr
       Bakterienarten, die sich darauf spezialisieren, [3][Plastik zu fressen] und
       zu harmlosen Komponenten abzubauen. Das Erdöl, aus dem Plastik gemacht
       wird, ist ja nichts anders als ehemalige Lebewesen, die über geologische
       Prozesse verölt wurden. Wir haben sie dann aus dem Erdboden gepumpt und in
       Formen gepresst. Aber es sind immer noch Kohlenwasserstoffe. Und einige
       Bakterien haben gemerkt, dass man diese auch fressen kann.
       
       taz: Nun haben Sie ja behauptet, Bakterien hätten die Pflanzen und die
       Fotosynthese erfunden. Sind Bakterien denn intelligent? 
       
       Wohlleben: Unbedingt! Es gibt sogar Intelligenztests für Bakterien, die ein
       israelisches Forschungsteam entwickelt hat. Bakterien sind Einzeller, und
       die können hochintelligent sein. Die können sich Dinge merken, die können
       Probleme lösen und denen kann man beim Denken zugucken. [4][An der TU
       München wird zum Beispiel anhand von Einzellern erforscht, wie unser Gehirn
       funktioniert].
       
       28 May 2026
       
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