# taz.de -- Regierung streitet über das Bafög: Studierende zählen nicht viel
       
       > Statt geschlossen aufzutreten und den Koalitionsvertrag zu erfüllen,
       > hintergeht die Union jene ohne Lobby: Die Studierenden.
       
 (IMG) Bild: Wissenschaftlerin auf eigener Spur: Dorothee Bär, Ministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt
       
       Langsam drängt sich da eine Vermutung auf: Nutzt die
       Wissenschaftsministerin ihr Amt vielleicht zu Forschungszwecken? Dorothee
       Bär könnte da etwas ganz Heißem auf der Spur sein, nämlich der Frage, wie
       man eine veritable Regierungskrise auslöst.
       
       Über Monate lang haben sich SPD und Union mit einer Frage
       auseinandergesetzt, die in einer überalterten Gesellschaft vielleicht als
       Randnotiz abgetan werden kann. Es geht dabei darum, wie Bildung zumindest
       etwas gerechter organisiert werden kann und der [1][Geldbeutel der Eltern]
       weniger stark darüber entscheidet, wer in diesem Land ein Studium aufnimmt.
       
       Es war eine kontroverse, aber keine schlechte Diskussion. [2][Finanz- und
       Forschungsministerium stritten] darüber, welches Haus die Mehrkosten für
       die höheren Bafög-Sätze und die Wohnkostenpauschale bezahlen soll. Die
       Fachpolitiker*innen im Bundestag steckten die Köpfe zusammen, auch
       die Ministerien waren dabei.
       
       ## Ein künftiger Forschungsgegenstand
       
       Vor ein paar Wochen verkündeten alle Beteiligten dann genau die Einigung,
       die Union und SPD im Koalitionsvertrag versprochen hatten: Studierende
       erhalten ein bisschen mehr Geld, der Bafög-Antrag wird etwas weniger
       bürokratisch. Man hätte an dieser Stelle einen Haken setzen und sich
       gegenseitig auf die Schultern klopfen können. Entgegen aller Unkenrufe über
       ein frühzeitiges Ende der Koalition, hätte die Regierung gezeigt,
       Kompromisse auch über die Ziellinie führen zu können.
       
       Das wäre schon deshalb nicht schlecht gewesen, weil Kanzler Friedrich Merz
       noch vor nicht allzu langer Zeit unter großem Applaus der SPD-Fraktion
       verkündet hatte, die Koalitionäre sollten sich gegenseitig weniger rote
       Linien aufzeigen. [3][Doch was Wissenschaftsministerin Dorothee Bär und
       Unionsfraktionschef Jens Spahn jüngst markiert haben], ist nicht nur eine
       rote Linie, sondern ein fetter Strich durch die gesamte Rechnung der
       Regierung. Die Botschaft ist deutlich: Mühsam ausgehandelte Kompromisse
       gelten nicht, sie können jederzeit über ein Zeitungsinterview widerrufen
       werden.
       
       Nur dadurch, dass Studierende keine schlagkräftige Lobby haben, sorgt das
       ignorante Handeln der zuständigen Ministerin für einen nicht noch größeren
       Aufschrei. Doch sollte Bär ihre Haltung nicht bald überdenken, dürfte ihr
       Handeln von künftigen Wissenschaftler*innen als ein zentraler Moment
       analysiert werden: für das Scheitern der Regierung.
       
       4 Jun 2026
       
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