# taz.de -- Massive russische Luftangriffe: Keine Aussicht auf Waffenruhe in der Ukraine
> Mit mehr als 1.500 Drohnen und 56 Raketen hat Russland am Mittwoch und
> Donnerstag die Ukraine angegriffen. Landesweit gibt es Tote und
> Verletzte.
(IMG) Bild: Shchaslyve, nahe Kyjiw, 14. Mai: Aufräumarbeiten an einem Wohnhaus, das während einer Nacht russischer Raketenangriffe beschädigt wurde
Russland hat in der Nacht zu Donnerstag die Ukraine massiv angegriffen. Es
war einer der schwersten und längsten Angriffe seit Kriegsbeginn. Besonders
stark getroffen wurde die Hauptstadt Kyjiw, aber bereits am Mittwoch waren
im Laufe des Tages 800 Drohnenangriffe mit 14 Toten und mehr als 80
Verletzten gemeldet worden. Landesweit wurden 180 Objekte beschädigt, davon
50 Wohnhäuser, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag mit.
Allein 23 Angriffe gab es [1][auf Bahninfrastruktur].
[2][Die Angriffe auf Kyjiw begannen bereits am Mittwochmorgen]. Den ersten
Luftalarm gab es schon früh um sechs, als eine Gruppe von Drohnen auf die
ukrainische Hauptstadt zuflog.
Die Journalistin Yuliia Shchetyna berichtet: „Ich sollte im Homeoffice
arbeiten und war froh, nicht auf die Straße zu müssen. Zuerst dachte ich,
dass der Beschuss am stark bewölkten Himmel liegen könne. Die Russen nutzen
schlechte Sichtverhältnisse oft für Angriffe – wahrscheinlich, weil es
unter solchen Bedingungen für die ukrainischen Luftabwehrsysteme
schwieriger ist zu arbeiten.“
## Fünfmal Luftalarm in Kyjiw an einem Tag
Doch im Laufe des Mittwochs gab es in Kyjiw dann noch weitere vier Male
Luftalarm, sodass die Menschen vor Ort sich auf eine schwere Nacht
vorbereiteten. Und dann kamen auch schon die Nachrichten über Drohnen- und
Raketenabschüsse über die entsprechenden Telegramkanäle.
„Es waren so viele, dass ich mir das Ausmaß eines möglichen Angriffs gar
nicht vorstellen wollte“, so Yuliia. Um wenigstens ein bisschen Schlaf zu
bekommen, ging sie früh ins Bett. „Doch schon ab drei Uhr nachts hörte man
fast ununterbrochen sehr heftige Explosionen. An Schlaf war nicht zu
denken. In den Telegramkanälen tauchten Fotos von brennenden Häusern und
Meldungen über die ersten Opfer auf.“
Bei dem kombinierten Drohnen-Raketenangriff wurden insgesamt 20 Orte
getroffen. Ein Hochhaus wurde komplett zerstört, dabei starben mindestens
fünf Menschen, darunter ein 12-jähriges Mädchen. Der staatliche ukrainische
Katastrophenschutz meldete mindestens 44 Verletzte, weitere 20 Menschen
galten bis Donnerstagnachmittag noch als vermisst. Darum könne die Zahl der
Todesopfer auch noch steigen.
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe wurden bei dem nächtlichen Angriff
56 Raketen und 675 Drohnen auf die Ukraine abgefeuert.
## Uschhorod zum ersten Mal angegriffen
Erstmals seit 2022 wurde die Stadt Uschhorod im Südwesten der Ukraine, nahe
der Slowakei und Ungarn beschossen. Die Slowakei sperrte daraufhin die
Grenze. [3][Ungarns Außenministerin Anita Orbán] habe für Donnerstag den
russischen Botschafter einbestellt, um ein Ende des russischen
Angriffskrieges gegen die Ukraine zu fordern, so Ministerpräsident Peter
Magyar bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.
Auch andere Städte und Regionen in der Westukraine meldeten russische
Luftangriffe. In Iwano-Frankiwsk wurden zwei Menschen bei einem
Drohnenangriff auf ein Wohnhaus verletzt. Im Gebiet Riwne, nahe zu Polen,
starben zwei Menschen, vier wurden verletzt.
Im nordukrainischen Sumy starb ein Mensch durch die Explosion einer
Granate. Drohnenangriffe wurden auch aus Dnipro, Saporischschja, Charkiw
und Odessa gemeldet. In der Stadt Cherson im Süden des Landes wurden am
Donnerstagvormittag eine Frau getötet und ein Mann verletzt. Auch Fahrzeuge
einer humanitären Mission der Vereinten Nationen wurden angegriffen.
Verletzt wurde dabei niemand.
Yuliia Shchetyna aus Kyjiw ist nach diesem Luftangriff extrem erschöpft:
„Heute möchte ich keine Nachrichten mehr lesen“, sagt sie gegenüber der
taz. „Ehrlich gesagt hält mich im Moment nur die Arbeit aufrecht. Und ich
glaube fest daran, dass Russland eines Tages als Staat von der Weltkarte
verschwinden wird und die Ukrainer nicht mehr leiden müssen.“ (mit
Agenturen)
14 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Gaby Coldewey
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