# taz.de -- Krieg mit Afghanistan: UN macht Pakistan für opferreichsten Angriff verantwortlich
       
       > Im Februar begann Pakistans Krieg gegen angebliche Terror-Infrastruktur
       > in Afghanistan. Ein UN-Bericht dokumentiert zivile Opfer sowie einen
       > Angriff auf ein Reha-Zentrum.
       
 (IMG) Bild: Die Ruine der bei einem pakistanischen Luftangriff im März zerstörten afghanischen Drogenklinik in Kabul
       
       Fast 800 zivile Opfer hat [1][Pakistans im Februar ausgelöster Krieg] gegen
       angebliche terroristische Infrastruktur in Afghanistan verursacht, wie aus
       einem am Dienstag veröffentlichten [2][Bericht der Vereinten Nationen]
       hervorgeht. Bis zum 31. März dokumentierte deren Afghanistan-Mission Unama
       insgesamt 372 getötete und 397 verletzte Zivilisten, darunter 554 Männer,
       72 Frauen und 143 Kinder. Laut Taliban-Behörden kamen in diesem Zeitraum
       sogar „mehr als 760 Zivilisten“ um, „Hunderte weitere“ seien verletzt
       worden.
       
       Der UN-Bericht enthält nur Angaben zu afghanischen Opfern. Unama hat kein
       Mandat für Untersuchungen in Pakistan, wo die Gegenschläge der Taliban
       ebenfalls Zivilist*innen trafen. Auch die Opfer der im April – nach
       einer von China vermittelten kurzen Waffenruhe – wiederaufgeflammten Kämpfe
       sind noch nicht erfasst, darunter sieben Studenten, die bei einem
       [3][Luftangriff Pakistans auf die Universität im ostafghanischen Kunar]
       getötet wurden, und Dutzende weitere Menschen in ländlichen Gebieten der
       Provinz. Laut [4][UN-Nothilfeorganisation Ocha] wurden zudem auf beiden
       Seiten der Grenze über 100.000 Menschen vertrieben.
       
       Die Zahl der getöteten Männer ist in dem UN-Bericht deshalb so
       überproportional hoch, weil ein [5][Luftangriff auf das
       Rehabilitationszentrum „Omid“] (Hoffnung) für Drogenabhängige in Kabul fast
       die Hälfte der Opfer verursachte. Am 16. März trafen drei Geschosse die
       Einrichtung, in der ausschließlich Männer behandelt wurden, als viele nach
       dem Abendgebet aus der Moschee auf dem Gelände kamen.
       
       Mindestens 269 Patienten und Personal wurden dabei getötet und weitere 122
       Menschen verletzt. Die tatsächliche Zahl der Toten könne deutlich höher
       liegen, so die UNO, denn viele Opfer seien „aufgrund schwerster
       Verbrennungen völlig unkenntlich“ gewesen.
       
       ## Pakistan: Taliban bildete Junkies zu Attentätern aus
       
       Die Taliban sprechen in dem Fall sogar von 411 Toten und 261 Verletzten
       sowie 491 Überlebenden. Da die Einrichtung für 2.000 Patienten ausgelegt
       und laut früheren Berichten überbelegt war, könnten mehrere Hundert weitere
       Menschen vermisst oder unregistriert in verschiedenen Massengräbern
       beerdigt worden sein.
       
       Auf jeden Fall ist der Angriff auf das Omid-Zentrum der opferreichster
       Vorfall in der an Gewalt nicht armen jüngeren Geschichte Afghanistans.
       Diesen traurigen Rekord hielt bisher ein Selbstmordanschlag des
       „Islamischen Staates“ am Flughafen Kabul während der chaotischen
       Evakuierung der westlichen Truppen am 26. August 2021, bei dem über 180
       Menschen umkamen, vor allem auf Evakuierung hoffende afghanische
       US-Verbündete und Familienangehörige. Wie sich später herausstellte, wurden
       viele von US-Soldaten erschossen, die panisch in die Menge schossen.
       
       Der UN-Bericht betont erneut klar die Verantwortung Pakistans für diesen
       Angriff auf das Reha-Zentrum. Das pakistanische Militär streitet ihn auch
       gar nicht ab, sondern erklärt, man habe keine zivile Einrichtung „ins
       Visier genommen“. [6][Die Taliban hätten im Omid-Zentrum „diese
       Drogenabhängigen“ zu Selbstmordattentätern ausgebildet].
       
       UN-Organisationen hätten Unterstützung für die dortigen Patienten
       geleistet, „das Gelände war uns also bestens bekannt“, hielt
       Unama-Menschenrechtschefin Fiona Frazer dagegen. [7][Human Rights Watch]
       bezeichnete den Luftschlag als „rechtswidrigen Angriff und ein mögliches
       Kriegsverbrechen“. Die Taliban, die selbst für zahlreiche schwere
       Kriegsverbrechen verantwortlich sind, verlangten von der UNO „praktische
       Schritte zur Gewährleistung der Einhaltung des Völkerrechts“.
       
       ## Neue Angriffe Pakistans sind zu befürchten
       
       Nach neuen Anschlägen im Nordwesten Pakistans in den letzten Tagen ist zu
       befürchten, dass dessen Militär seine Drohung weiterer Luftschläge in
       Reaktion auf den UN-Bericht wahrmacht. Am Dienstag hatte eine Bombe auf
       einem Markt zehn Menschen getötet, zuvor am Samstag ein Autobombenanschlag
       15 Polizeibeamte. Dutzende wurden verletzt. [8][Pakistan machte erneut in
       Afghanistan ansässige Militante dafür verantwortlich].
       
       13 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Konflikt-Pakistan-Afghanistan/!6158825
 (DIR) [2] https://unama.unmissions.org/sites/default/files/2026-05/English%20-%20UNAMA%20HRS%20paper%20on%20cross-border%20civilian%20casualties%20-%20Jan-Mar%202026_Updated_11.05.26.pdf
 (DIR) [3] /Grenzkrieg-am-Hindukusch/!6177161
 (DIR) [4] https://www.unocha.org/publications/report/afghanistan/afghanistan-situation-update-4-humanitarian-impact-afghanistan-pakistan-military-escalation-28-april-2026
 (DIR) [5] /Krieg-am-Hindukusch/!6163377
 (DIR) [6] https://www.bbc.com/news/articles/c202xrd9gn7o
 (DIR) [7] https://www.hrw.org/news/2026/03/27/pakistan-airstrike-on-afghan-medical-facility-unlawful
 (DIR) [8] https://www.reuters.com/world/asia-pacific/seven-killed-blast-northwest-pakistan-market-police-say-2026-05-12/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Thomas Ruttig
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Afghanistan
 (DIR) Pakistan
 (DIR) Taliban
 (DIR) Luftangriffe
 (DIR) Vereinte Nationen
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Schwerpunkt Afghanistan
 (DIR) wochentaz
 (DIR) Schwerpunkt Stadtland
 (DIR) Schwerpunkt Afghanistan
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Neues Scheidungsrecht in Afghanistan: Die Taliban machen Frauen eine Scheidung fast unmöglich
       
       Für die Trennung von einem misshandelnden Ehemann ist dessen Zustimmung
       nötig. Im Kindesalter vereinbarte Ehen brauchen das Einverständnis der
       Väter.
       
 (DIR) Widerrufene Zusagen für Afghan:innen: Abgelehnt und ausgeliefert
       
       Deutschland wollte Demokrat:innen vor den Taliban schützen – und ließ
       sie hängen. Ein Ex-Richter und seine Familie müssen um ihr Leben fürchten.
       
 (DIR) Musikerin über Bewahren und Ankommen: „Ich schaffe mir meine eigene Kultur“
       
       Elena Yaqubee kommt aus Afghanistan. Musikmachen hat sie auf der Flucht
       gelernt. Sie will Traditionen wahren und sich neuen Herausforderungen
       stellen.
       
 (DIR) Neuer Strafkodex in Afghanistan: Knochen brechen verboten
       
       Das Taliban-Regime hat Gewalt gegen Frauen faktisch legalisiert. Nur bei
       gewaltsam herbeigeführten Knochenbrüchen droht eine Haftstrafe von 15
       Tagen.