# taz.de -- Nemo gibt ESC-Siegestrophäe zurück: Wie dem auch sei
       
       > Aus Protest gegen den Nichtausschluss Israels vom Eurovision Song Contest
       > will Nemo, siegreich beim ESC 2024, den Pokal nicht mehr zu Hause haben.
       > Na und?
       
 (IMG) Bild: Will die Trophäe nicht mehr im Regal haben: Nemo, Eurovision-Song-Contest-Sieger*in 2024
       
       Diese Stimme fehlte in diesem antiisraelischen Konzert zum Eurovision Song
       Contest noch. Nun ergänzt sie den Chor all der Frustrierten, die sich über
       den nicht erfolgten Rauswurf des israelischen Senders KAN ärgern. [1][In
       einem Instagram-Post] erklärte Nemo, 2024 für die Schweiz beim ESC [2][mit
       dem Lied „The Code“] erfolgreich, den Siegespokal an die European
       Broadcasting Union (EBU) in Genf zurücksenden zu wollen. „Ich habe heute
       das Gefühl, dass diese Trophäe nicht mehr in mein Regal gehört.“
       
       Die EBU hatte auf ihrer Generalversammlung Ende voriger Woche mit
       Dreiviertelmehrheit aus allen eurovisionären Ländern beschlossen, Israel
       auch im kommenden Jahr in Wien willkommen zu heißen. Mehrere TV-Sender
       sagten daraufhin ihre Teilnahmen ab: Island, die Niederlande, Spanien,
       Irland und Slowenien, möglicherweise auch Portugal. Die meisten ihrer
       teilnehmenden KünstlerInnen erklärten, im Falle eines Sieges im eigenen
       Land nicht zum 70. ESC reisen zu wollen.
       
       Das alles ist nicht überraschend. Auch nicht, dass Dana International,
       legendäre ESC-Siegerin von 1998, Transfrau und Israelin, ihrerseits auf
       Instagram [3][ihre Verstörung über die eisigen Boykottaufrufe wider ihr
       Land kommentierte]. Erwartbar war auch, dass ein ESC-Gewinner von 2017 wie
       [4][Salvador Sobral aus Portugal] gegen Israels weitere Teilnahme scharfe
       Widerworte fand.
       
       Die KünstlerInnen, darunter Nemo, Sobral und Bambie Thug aus Irland, sind
       in den sozialen Medien populär geworden, über ihre Communitys. Die
       forderten sie auf, sich zu positionieren, antiisraelisch und ohne je ein
       Wort über die Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 zu verlieren, bei denen
       Hunderte Menschen auf dem Nova-Musikfestival ermordet wurden, Menschen, die
       zum Kernpublikum des modernisierten ESC gehörten.
       
       ## Stocken der Karriere
       
       Musikalisch war Nemo schon vor dem ESC eine in der Schweiz bekannte (und
       hochkompetente) Figur und bleibt es als Ereignis der eidgenössischen
       Kulturgeschichte auch. Auch ohne solch ein Standing fällt es vielen leicht,
       dem Druck nachzugeben. Nur: Die Karriere nach dem ESC, die stockte. Nemo
       saß – und sitzt – damit dem klassischen Irrtum aller durch einen ESC-Abend
       prominent gewordenen Sängerinnen und Sänger, Bands und Performancegruppen
       auf: dass nämlich eine prima Vorstellung beim ESC – gar für SiegerInnen –
       die internationale Karriere garantiert.
       
       Dabei lehrt die ESC-Geschichte: Mit einem Sieg beim zeitgenössisch
       wichtigsten Popwettbewerb der Welt ist die große Erfolgsgeschichte noch
       nicht erzählt. Erst danach, so der kürzlich verstorbene Münchner
       Musikmanager Hans R. Beierlein, beginnt die harte Arbeit an einer
       langfristigen Laufbahn.
       
       Abba beherzigten das nach ihrem Sieg 1974 in Brighton, andere auch. Nemo
       indes rangiert nach „The Code“ wieder unter ferner sangen, ist
       international nicht gefragt, da half auch die teils giftige
       Anti-Israel-Solidarität auf Social Media nicht.
       
       ## Kein Grund zur Trauer
       
       Dass mit dem Siegesvortrag beim ESC in der Nacht zum 12. Mai 2024 nicht
       viel Manna vom Pophimmel herabregnete, muss Nemo nicht verdrießlich
       stimmen: Nun ist Nemo ein One-Hit-Wonder, und das ist auch schon ein
       erheblicher Unterschied zu 99 Prozent aller pop-ambitionierten
       KünstlerInnen – die es ein Leben lang versuchen und doch nie einzuschlagen
       wussten, nie einen Hit landeten.
       
       Die Vorbereitungen des österreichischen Senders ORF laufen weiter. In Wien
       wird im Mai der 70. ESC seit 1956 stattfinden. Finanziell sei das Budget
       durch den Boykott von fünf Ländern nicht erschüttert worden, hört man – und
       in der ARD, erstmals verantwortet nicht mehr durch den NDR, sondern den SWR
       in Stuttgart, ist die Vorentscheidungsshow auf den 28. Februar terminiert.
       
       12 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.instagram.com/p/DSIMV83DO4d/?hl=de&img_index=1
 (DIR) [2] https://www.eurovision.de/videos/2024/ESC-2024-Siegersong-The-Code-von-Nemo-aus-der-Schweiz,schweiz1272.htm
 (DIR) [3] https://www.tiktok.com/@escplanet/video/7580354204493991190
 (DIR) [4] https://www.eurovision.de/videos/2017/Portugal-Salvador-Sobral-Amar-Pelos-Dois,portugal428.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jan Feddersen
       
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